Ylämaa in Südkarelien, sechs kleine Anorthositkörper
Die Lagerstätte ist räumlich eng begrenzt. Im Gebiet der früheren Gemeinde Ylämaa, heute Teil der Stadt Lappeenranta in Südkarelien, liegen sechs Anorthositvorkommen innerhalb des Wiborg-Rapakivi-Batholithen: Mättö, Pahaoja, Ylijärvi, Jokimies sowie Niemistenpitkä West und Ost. Jedes einzelne misst nur 0,1 bis 1,5 Quadratkilometer. Ein weiteres Vorkommen findet sich bei Jaala im Raum Kouvola, dazu kommt ein Versuchsabbau bei Mäntyharju. Das ist die gesamte bekannte Ressource. Anders als bei Labradorit aus Madagaskar, der in großen Mengen und aus mehreren Distrikten kommt, gibt es beim Spektrolith keine Ausweichquelle. Das Gestein ist durch ein orthogonales Kluftsystem in Blöcke zerlegt; die senkrechten Klüfte stehen ein bis drei Meter, die waagerechten ein bis zwei Meter auseinander. Blöcke von 2,5 mal 1,5 mal 1,5 Metern und mehr ließen sich gewinnen.
| Fundort | Land | Besonderheit |
|---|---|---|
| Ylijärvi, Ylämaa, Lappeenranta | Finnland | wichtigster Bruch, Anorthosit auf 1633 plus minus 2 Millionen Jahre datiert, Abbau seit den fünfziger Jahren, heute einzige verbliebene Genehmigung |
| Mättö, Ylämaa | Finnland | Abbau Ende der achtziger Jahre bis 1991, grobkörniges Material mit großen Einsprenglingen |
| Pahaoja, Ylämaa | Finnland | ab 1989 betrieben, Werkstein- und Schmucksteinware |
| Jokimies und Niemistenpitkä, Ylämaa | Finnland | kleinere Anorthositkörper von 0,1 bis 1,5 Quadratkilometern, zeitweise beprobt |
| Pökölä bei Jaala, Kouvola | Finnland | eigenes Vorkommen, 1643 plus minus 3 Millionen Jahre, Handelsname Karelian Ice Black, bronzebrauner Hypersthen |
| Mäntyharju | Finnland | Versuchsabbau, ohne dauerhafte Produktion |
| Paul's Island bei Nain, Labrador | Kanada | Typlokalität des Labradorits, Fund 1770; Farbspiel überwiegend blaugrün, kein Spektrolith |
| Maniry und Bekily, Region Androy | Madagaskar | mengenmäßig wichtigste Quelle für Labradorit im Schmuckhandel, hellerer Grundkörper |
Vom Werksteinbruch zum Schmuckstein
Spektrolith wurde nie als Edelsteinmine betrieben, sondern als Natursteinbruch. Die Gewinnung lief im Tagebau, das Material ging überwiegend als Fassaden- und Bodenplatte, als Grabmal, Treppe und Arbeitsplatte in den Export nach Italien, China, Russland, Taiwan, Japan, in die USA und nach Deutschland. Schmucksteinqualität wurde und wird aus dem Haufwerk von Hand ausgelesen; nur ein Bruchteil des gebrochenen Gesteins zeigt das volle Farbspiel. Am Ylijärvi begann Mikkolan Kivi Oy in den fünfziger Jahren, später folgten Lehdon Kiviliike, Louhinta Tielinen und Oy Scandia Granite; am Mättö arbeiteten Kymen Kalliotyö und Savon Kivi, am Pahaoja Palin Granit. Die Blütezeit lagen in den neunziger Jahren. Anfang der 2010er Jahre kam die Produktion weitgehend zum Erliegen, heute besteht am Ylijärvi noch eine Abbaugenehmigung. Ein Teil des Handels lebt von vorhandenen Blockbeständen.
Marktanteile und was daraus folgt
Auf dem weltweiten Labradorit-Markt spielt Finnland mengenmäßig keine Rolle. Der ganz überwiegende Teil der Schmucksteinware stammt aus Madagaskar, weitere Mengen aus Kanada, der Ukraine, Norwegen, Australien, China und Mexiko. Spektrolith ist ein Nischenprodukt: hochpreisig, in kleinen Mengen, in Finnland selbst zu einem Wirtschaftszweig ausgebaut. Ylämaa versteht sich als Edelsteindorf mit Schleiferei, Museum, Ausbildung und jährlicher Edelsteinmesse; die erste Schleiferei eröffnete dort 1973. Für Sie als Käufer bedeutet das zweierlei. Erstens ist Herkunftsnachweis praktisch nur über den Händler zu führen, denn gemmologisch lässt sich finnisches Material nicht zweifelsfrei von madagassischem unterscheiden. Zweitens ist der Preis nicht durch die Menge gedeckelt, sondern durch die Qualität: Da kaum neu gebrochen wird, steigen gute Steine im Preis, während einfache blaue Ware weiter in Konkurrenz zu billigem Importmaterial steht.
