Anorthosit im Wiborg-Rapakivi-Batholith
Das Muttergestein liegt im Wiborg-Batholith, einem riesigen Rapakivi-Granitkörper im Südosten Finnlands, der zwischen etwa 1646 und 1615 Millionen Jahren intrudierte. Eingebettet darin stecken mehrere kleine Anorthositkörper. Der für den Edelsteinbergbau wichtigste, der Anorthosit von Ylijärvi bei Ylämaa, wurde auf 1633 plus minus 2 Millionen Jahre datiert. Gesteinskundlich handelt es sich weniger um reinen Anorthosit als um Leukogabbronorit, Leukonorit und Leukogabbro, also um plagioklasreiche Tiefengesteine mit geringen Anteilen an Pyroxen und Erz. Das Gestein ist grobkörnig, ungeregelt und porphyrisch: In einer dunklen Grundmasse stecken Plagioklas-Einsprenglinge von einem halben bis fünfzehn Zentimetern Durchmesser. Nur diese Einsprenglinge liefern Schmuckstein, und auch von ihnen zeigt nur ein Teil das volle Farbspiel. Das Schwarz des Untergrunds stammt von feinverteilten Pyroxenen und Erzmineralen wie Ilmenit und Magnetit; im verwandten Vorkommen bei Jaala kommen bronzebraune Hypersthenkristalle bis zehn Zentimeter Durchmesser hinzu, die einen zweiten, metallisch wirkenden Schimmer erzeugen. Für die Praxis heißt das: Was Sie später als Cabochon in der Hand halten, ist ein einzelner Kristall aus diesem groben Gefüge, kein Ausschnitt aus einem homogenen Block.
Warum nur extrem langsame Abkühlung Farbe erzeugt
Die Labradoreszenz setzt einen Entmischungsvorgang voraus, der Zeit braucht. Bei hoher Temperatur ist der Plagioklas ein homogener Mischkristall. Kühlt er ab, wird diese Mischung in einem bestimmten Zusammensetzungsbereich instabil, der Bøggild-Mischungslücke. Der Kristall entmischt sich dann spinodal in zwei Phasen, die sich um etwa fünfzehn Molprozent Anorthit unterscheiden: natriumreichere Lamellen um An44 bis An48 und calciumreichere um An56 bis An63. Beide bleiben im selben Gitterverband und ordnen sich zu regelmäßigen, parallelen Paketen. Dieser Vorgang läuft nur ab, wenn das Gestein über sehr lange Zeiträume langsam abkühlt. Alle bekannten labradoreszierenden Plagioklase stammen deshalb aus tief intrudierten, langsam erkalteten Magmatiten mit Pauschalzusammensetzungen zwischen An46 und An60. Vulkanisch rasch erstarrter Plagioklas derselben Zusammensetzung bleibt homogen und farblos. Der Wiborg-Batholith bot genau diese Bedingungen, und zwar über eine große Gesteinsmasse hinweg gleichmäßig.
Von der Erstbeschreibung des Labradorits zum Namen Spektrolith
Die Geschichte des Minerals beginnt 1770 an der Küste Labradors. Auf Paul's Island bei Nain fanden Angehörige der Herrnhuter Missionsstationen ein dunkles Gestein mit blauem Farbspiel und brachten Stücke nach Europa, wo sie rasch als Schmuckstein Mode machten. Die Benennung wird Abraham Gottlob Werner zugeschrieben, der den Feldspat 1780 nach seiner Fundregion Labradorit nannte; Paul's Island gilt bis heute als Typlokalität. Der Name Spektrolith ist rund 170 Jahre jünger und hat einen anderen Charakter: Er ist keine mineralogische Erstbeschreibung, sondern eine Handelsbezeichnung. Aarne Vihtori Laitakari, von 1928 bis 1959 Direktor der Geologischen Forschungsanstalt Finnlands, prägte ihn 1940 für das neu entdeckte Material aus Ylämaa. Er wählte ihn ausdrücklich wegen des größeren Farbumfangs gegenüber gewöhnlichem Labradorit. Finnland beansprucht das Recht, eigene Steine zu benennen; der Name hat sich international durchgesetzt.
