Die Bøggild-Entmischung als Ursache des Farbspiels
Der Farbeindruck des Spektroliths entsteht ohne jedes Farbmittel. Weder Eisen noch Titan oder Kupfer sind beteiligt, und die Grundfarbe des Steins bleibt Schwarz bis Dunkelgrau. Verantwortlich ist allein die innere Schichtung. Im Zuge der Bøggild-Entmischung hat sich der Kristall in ein Paket abwechselnd natrium- und calciumreicherer Lamellen zerlegt, die alle in dieselbe Richtung zeigen und sich über den gesamten Kristall hinweg regelmäßig wiederholen. Da sich beide Phasen im Brechungsindex geringfügig unterscheiden, wird an jeder Grenzfläche ein kleiner Teil des einfallenden Lichts zurückgeworfen. Die vielen zurückgeworfenen Wellenzüge überlagern sich. Wo ihre Wegunterschiede ein ganzzahliges Vielfaches einer Wellenlänge ergeben, verstärken sie sich, sonst löschen sie sich aus. Aus weißem Licht wird so eine schmale Spektralfarbe. Der Effekt ist Interferenz an einem natürlichen Vielschichtspiegel, physikalisch dasselbe Prinzip wie beim Ölfilm oder bei einer Entspiegelungsschicht.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Spektrolith, blaue Standardware | Blau bis Blaugrün auf schwarzem Grund | Lamellenperiode um 160 Nanometer; häufigste Qualität, preislich nahe an gutem Labradorit |
| Gem Spectrolite | Blau, Grün, Gold und Orange auf einer Fläche | Handelsbegriff ohne Norm; verlangt starke Schwankung der Lamellendicke im selben Kristall |
| Rot- und Purpurware | Kupferrot, Orange, Purpur, Violett | Lamellenperiode 300 bis 350 Nanometer; seltenster und teuerster Farbbereich |
| Arctic Blue, Finlandia Blue, Ballado Blue | kühles Blau, gleichmäßiger Schiller | Werksteinnamen für Ylämaa-Blöcke; beschreiben Platten, nicht Schmuckstein |
| Karelian Ice Black (Jaala) | dunkelgrau bis schwarz mit blauem Schiller und bronzebraunem Hypersthen | eigenes Vorkommen bei Kouvola, 1643 Millionen Jahre; zweiter Effekt durch Pyroxen |
| Labradorit Madagaskar | Blau, Blaugrün, seltener Gold | hellerer, oft durchscheinender Grundkörper; kein Spektrolith, obwohl häufig so angeboten |
| Labradorit Labrador und Volga Blue | Blaugrün bis Stahlblau | Typlokalität Paul's Island beziehungsweise ukrainische Werksteinware; enger Farbumfang |
Lamellendicke bestimmt die Farbe
Welche Farbe erscheint, hängt unmittelbar von der Dicke der Lamellen ab, und dieser Zusammenhang ist messbar. In blau schillernden Bereichen beträgt die Lamellenperiode rund 160 Nanometer, wobei natrium- und calciumreiche Lage etwa gleich dick sind, je ungefähr 80 Nanometer. In rot schillernden Bereichen wächst die Periode auf 300 bis 350 Nanometer, wobei die calciumreiche Lage mit etwa 200 Nanometern doppelt so dick wird wie die natriumreiche. Dazwischen liegen Grün, Gelb und Orange. Wirksam ist insgesamt ein Lamellenabstand zwischen etwa 128 und 252 Nanometern; unterhalb und oberhalb dieses Bereichs fällt der Effekt ins Ultraviolette oder Infrarote und bleibt für das Auge unsichtbar. Weil die Lamellendicke innerhalb eines Kristalls schwanken kann, sehen Sie auf einer einzigen polierten Fläche mehrere Farbfelder nebeneinander. Genau diese Schwankungsbreite unterscheidet Ylämaa-Material von einfarbig blauem Labradorit.
Handelsnamen und die Abgrenzung zum Labradorit
Im Werksteinhandel laufen Ylämaa-Produkte unter Bezeichnungen wie Labrador, Spectrolite, Gem Spectrolite, Noble Spectrolite, Arctic Blue, Finlandia Blue und Ballado Blue; das Material aus Jaala heißt Karelian Ice Black oder Ice Black. Im Schmucksteinhandel haben sich andere Begriffe eingebürgert, die keine amtliche Bedeutung haben: Als Gem Spectrolite gilt Ware mit mehreren Spektralfarben auf einer Fläche, als Royal oder Purple Spectrolite solche mit Violettanteil. Abzugrenzen ist all das von gewöhnlichem Labradorit. Madagassisches Material ist häufig heller, kantendurchscheinend und schillert überwiegend blau bis blaugrün; kanadische Ware aus Labrador zeigt klassisches Blaugrün, selten das volle Spektrum. Ukrainischer Labradorit erscheint im Werksteinhandel als Volga Blue. Rechtlich schützt kein Markenrecht den Begriff Spektrolith weltweit, durchgesetzt hat sich aber die Regel, ihn nur für finnisches Material zu verwenden.
