Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

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Spektrolith Lexikon · Übersicht

Spektrolith – Eigenschaften, Herkunft und Qualität im Überblick

Spektrolith

Spektrolith ist der geschützte finnische Handelsname für Labradorit aus Ylämaa in Südkarelien. Gemeint ist keine andere Mineralart, sondern eine eigene Güteklasse desselben Plagioklases: Material, das nicht nur in Blau und Grün schillert, sondern über das gesamte sichtbare Spektrum bis ins Kupferrot und Violett.

Spektrolith – die Kennzahlen

EigenschaftWert
MineralklasseSilikate, Gerüstsilikate (Tektosilikate), Feldspatgruppe, Plagioklas-Mischkristallreihe. Spektrolith ist kein eigenes Mineral, sondern der finnische Handelsname für Labradorit aus den Anorthositvorkommen von Ylämaa
Chemische Formel(Ca,Na)[Al(Al,Si)Si2O8], Mischkristall zwischen Albit NaAlSi3O8 und Anorthit CaAl2Si2O8; Labradorit umfasst An50 bis An70, labradoreszierendes Material liegt nach neueren Analysen bei An46 bis An60
Kristallsystemtriklin; labradoreszierende Kristalle sind geordnete e-Plagioklase mit inkommensurabel modulierter Struktur, zusätzlich Albit- und Periklin-Verzwillingung
Mohs-Härte6 bis 6,5
Dichte2,69 bis 2,72 g/cm³; der Werkstein aus Ylämaa erreicht wegen der dunklen Gemengteile eine Rohdichte um 2,76 g/cm³
Brechungsindex1,559 bis 1,573 (nAlpha 1,554 bis 1,563, nBeta 1,559 bis 1,568, nGamma 1,562 bis 1,573)
Doppelbrechung0,008 bis 0,010; am undurchsichtigen Handelsmaterial praktisch nicht messbar, am Refraktometer bleibt meist nur eine Schattengrenze
GlanzGlasglanz auf frischen Spaltflächen, poliert glasig bis leicht fettig; die Schillerflächen wirken metallisch
Spaltbarkeitvollkommen nach {001}, gut nach {010}; die beiden Flächen schneiden sich unter etwa 86 Grad, also nahezu rechtwinklig
Bruchmuschelig bis uneben, an groben Kristallen splittrig
Transparenzundurchsichtig bis kantendurchscheinend; die dunkle, fast schwarze Grundmasse ist für Ylämaa-Material typisch
FarbenGrundkörper dunkelgrau bis schwarz, seltener graugrün; Labradoreszenz in Blau, Türkis, Grün, Gelb, Gold, Bronze, Kupferrot, Orange, Rot, Violett und Purpur
Wichtigste FundorteYlämaa bei Lappeenranta, Südkarelien, Finnland mit den Anorthositkörpern Ylijärvi, Mättö, Pahaoja, Jokimies und Niemistenpitkä; Jaala bei Kouvola; Versuchsabbau bei Mäntyharju
Behandlungenkeine üblich; Spektrolith kommt unbehandelt in den Handel, Kittungen und Rückseitenverklebungen sind bei dünnen Platten möglich
ErstbeschreibungLabradorit wurde 1770 auf Paul's Island bei Nain an der Küste Labradors gefunden, die Benennung wird Abraham Gottlob Werner (1780) zugeschrieben; Paul's Island ist bis heute Typlokalität. Der Name Spektrolith stammt von Aarne Vihtori Laitakari (1890 bis 1975), Direktor der Geologischen Forschungsanstalt Finnlands, der das 1940 bei Ylämaa entdeckte Material als spektroliitti bezeichnete

Derselbe Plagioklas, eine eigene Güteklasse

Mineralogisch gibt es zwischen Spektrolith und Labradorit keinen Unterschied. Beide sind Plagioklas der Labradorit-Reihe, ein Mischkristall aus Natrium- und Calciumfeldspat mit einem Anorthitanteil zwischen etwa 50 und 70 Prozent. Der Unterschied liegt in der Lagerstätte und im Ergebnis. Labradorit aus Madagaskar, Kanada oder der Ukraine schillert fast immer in Blau, Blaugrün und Grau. Das Material aus den Anorthositkörpern von Ylämaa in Südkarelien zeigt darüber hinaus Gelb, Gold, Orange, Kupferrot, Purpur und Violett, oft mehrere dieser Farben auf einer einzigen Fläche. Genau dafür wurde der Name geprägt. Spektrolith ist deshalb ein Herkunfts- und Qualitätsbegriff, kein mineralogischer. Wer im Lexikon nach den allgemeinen Eigenschaften von Labradorit sucht, findet sie im eigenen Cluster zu diesem Stein. Auf diesen Seiten geht es um das finnische Material: um seine Lagerstätte, seinen Farbumfang, seine Preisbildung und um die Frage, wann der Aufpreis gegenüber gewöhnlichem Labradorit gerechtfertigt ist.

Entdeckt beim Bau der Salpa-Linie

Der Fund fällt in den Zweiten Weltkrieg. Nach dem Winterkrieg ließ Finnland entlang der neuen Ostgrenze eine Befestigungslinie anlegen, die Salpa-Linie. Beim Sprengen und Ausheben der Stellungen im Gemeindegebiet Ylämaa stießen die Arbeiter 1940 auf ein dunkles, grobkörniges Gestein, dessen Feldspatkristalle beim Drehen in allen Regenbogenfarben aufleuchteten. Aarne Vihtori Laitakari, damals Direktor der Geologischen Forschungsanstalt Finnlands, beschäftigte sich bereits seit Jahren mit dem Farbspiel finnischer Feldspäte; mehrere Darstellungen nennen seinen Sohn Pekka als denjenigen, der das Vorkommen vor Ort auffand. Laitakari gab dem Material den Namen spektroliitti, weil es im Gegensatz zu anderem Labradorit das volle Spektrum zeigt. Ein planmäßiger Abbau begann erst nach dem Krieg und nahm in den fünfziger Jahren Fahrt auf. 1973 eröffnete in Ylämaa die erste Schleiferei, später kamen eine Ausbildungsstätte, ein Museum und eine jährliche Edelsteinmesse hinzu.

Interferenz an hauchdünnen Entmischungslamellen

Die Labradoreszenz ist keine Körperfarbe und kein Einschlusseffekt, sondern reine Interferenz. Beim langsamen Abkühlen entmischt sich der Plagioklas innerhalb eines Zusammensetzungsbereichs, den man nach dem dänischen Mineralogen Ove Balthasar Bøggild als Bøggild-Mischungslücke bezeichnet. Es entsteht ein Stapel abwechselnd natriumreicherer und calciumreicherer Lamellen, alle streng parallel und nur wenige Hundert Nanometer dick. An jeder Grenzfläche wird ein Teil des Lichts reflektiert. Die reflektierten Anteile überlagern sich, und je nach Dicke des Lamellenpakets löschen sich bestimmte Wellenlängen aus, während andere verstärkt werden. Übrig bleibt eine reine Spektralfarbe. Messungen an iridisierendem Labradorit zeigen den Zusammenhang deutlich: Blau schillernde Bereiche haben eine Lamellenperiode um 160 Nanometer, rot schillernde Bereiche 300 bis 350 Nanometer. Insgesamt liegt der wirksame Bereich etwa zwischen 128 und 252 Nanometer Lamellenabstand. Dickere Lamellen bedeuten längere Wellenlänge, also Verschiebung von Blau über Gold nach Rot.

Was den Preis macht und wo die Grenzen liegen

Bezahlt werden beim Spektrolith zwei Dinge: der Farbumfang und die Schillerfläche. Ein Stein, der nur blau blitzt, ist gewöhnlicher Labradorit mit finnischer Adresse und wird auch so bezahlt. Erst wenn Gold, Orange, Rot oder Violett hinzukommen, greift der Aufschlag. Die zweite Größe ist der Anteil der polierten Fläche, der tatsächlich feuert, und der Winkelbereich, in dem er das tut. Weil die Lamellen nur in einer Orientierung wirken, verliert der Schleifer viel Material, bis die Schillerebene sauber in der Oberfläche liegt. Technisch ist der Stein anspruchsvoll: Härte 6 bis 6,5 liegt unter der von Quarzstaub, und die Spaltbarkeit nach zwei annähernd rechtwinkligen Richtungen macht Druck beim Fassen gefährlich. Für Anhänger, Ohrschmuck, Broschen und Manschettenknöpfe ist Spektrolith uneingeschränkt geeignet, für Ringe nur in geschützter Zargenfassung.

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Kurz gefasst

Spektrolith lohnt den Aufpreis gegenüber gewöhnlichem Labradorit genau dann, wenn er hält, was der Name verspricht. Prüfen Sie den Stein in Bewegung und unter einer punktförmigen Lampe: Zeigt er neben Blau und Grün auch Gold, Orange, Rot oder Violett, und feuert dabei mehr als die halbe Fläche, ist er sein Geld wert. Für einen guten Cabochon in 18 mal 13 Millimetern sollten Sie 80 bis 300 Euro einplanen, Spitzenware mit vollem Spektrum liegt darüber. Einfarbig blaue Ware kaufen Sie günstiger als Labradorit. Fassen Sie den Stein in eine Zarge, nicht in Krappen.

Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.

Über dieses Lexikon

Die Angaben zu Spektrolith stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.

Häufige Fragen

Ist Spektrolith dasselbe wie Labradorit?
Mineralogisch ja. Beides ist Plagioklas der Labradorit-Reihe mit identischer Formel, Härte und Dichte. Spektrolith ist ein finnischer Handelsname, der nur für Material aus den Anorthositvorkommen von Ylämaa und Umgebung verwendet werden sollte. Er bezeichnet zugleich eine Qualitätsstufe: Labradoreszenz über das gesamte Spektrum statt nur in Blau und Grün. Wer Spektrolith kauft, kauft Herkunft und Farbumfang, nicht eine andere Mineralart.
Warum schillert Spektrolith in mehr Farben als anderer Labradorit?
Weil das Lamellenpaket in seinem Inneren über einen größeren Dickenbereich streut. Die Farbe der Labradoreszenz hängt direkt vom Abstand der Entmischungslamellen ab. Liegt er im Bereich um 160 Nanometer, erscheint Blau; wächst er auf 300 bis 350 Nanometer, erscheint Rot. Im Ylämaa-Material treten beide Extreme und alles dazwischen oft in einem einzigen Kristall auf, weil die Abkühlung im Rapakivi-Batholith außergewöhnlich langsam und gleichmäßig verlief.
Wird Spektrolith behandelt oder gefärbt?
Nein. Der Effekt ist strukturell und lässt sich weder durch Brennen noch durch Färben erzeugen oder verstärken. Auf dem Markt begegnen Ihnen stattdessen zwei andere Dinge: beschichtetes Material, bei dem eine aufgedampfte Metallschicht ein buntes Schimmern vortäuscht, und gewöhnlicher Labradorit aus Madagaskar oder der Ukraine, der als Spektrolith angeboten wird. Beschichtungen erkennen Sie an gleichmäßigem Öl- oder Benzinschimmer, der sich beim Kippen nicht in scharfe Farbfelder auflöst.
Taugt Spektrolith für einen Ring, den man täglich trägt?
Nur mit Einschränkungen. Mit Mohs-Härte 6 bis 6,5 liegt der Stein unter der Härte von Quarzstaub, er stumpft also im Alltag ab. Kritischer ist die vollkommene Spaltbarkeit nach zwei Richtungen: Ein Schlag gegen die Kante kann eine glatte Spaltfläche erzeugen. Für einen täglich getragenen Ring empfehlen wir eine Zargenfassung mit umlaufendem Rand und flacher Wölbung. Für Anhänger und Ohrschmuck bestehen diese Bedenken nicht.