Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Smithsonit Lexikon · Im Schmuck

Smithsonit – Im Schmuck

Smithsonit

Wofür Smithsonit taugt und wofür nicht

Smithsonit ist ein Schmuckstein für Stücke, die selten getragen und wenig beansprucht werden. Anhänger, Broschen, Ohrschmuck und Colliers aus großen Perlen sind unproblematisch. Ringe und Armbänder dagegen sind die falsche Wahl: Mit Härte 4 bis 4,5 zerkratzt der Stein im Alltag, die vollkommene rhomboedrische Spaltbarkeit lässt ihn bei einem Stoß aufspringen, und als Carbonat reagiert er auf jede Säure, auch auf Handschweiß. Wer den Stein dennoch im Ring tragen will, braucht eine hohe Zargenfassung, einen flachen Cabochon und die Bereitschaft, den Ring bei jeder Tätigkeit abzulegen. Optisch ist Smithsonit dankbar: Das kräftige Türkisblau der Kelly-Mine-Ware wirkt in Silber und in mattiertem Gelbgold gleichermaßen, das kobaltrosa Material besonders gut in Roségold. Der seidige Schimmer der traubigen Oberfläche verträgt keine zu hochglänzende Fassung.

Fassen ohne Schaden

Beim Fassen gelten drei Regeln. Erstens: kein Löten am gefassten Stein. Carbonate zersetzen sich bei starker Erwärmung, und die Farbe geht dabei unwiederbringlich verloren. Stellen Sie die Fassung vollständig fertig, bevor der Smithsonit eingesetzt wird. Zweitens: kein punktueller Druck. Die rhomboedrische Spaltbarkeit macht den Stein anfällig, wenn eine Krappe oder ein Zargenrand ungleichmäßig aufliegt. Arbeiten Sie mit einer passgenauen Zarge und legen Sie eine dünne Folie oder Papier unter, um Unebenheiten auszugleichen. Drittens: keine Beizen und Säurebäder. Selbst verdünnte Schwefelsäure, wie sie zum Abbeizen nach dem Löten dient, zerstört die Oberfläche in Sekunden. Rhodinieren und galvanische Arbeiten erledigen Sie vor dem Fassen. Planen Sie zudem ein, dass ein gefasster Smithsonit sich später kaum ohne Schaden wieder ausfassen lässt. Kalkulieren Sie deshalb schon beim Entwurf, wie ein späterer Steinwechsel aussehen könnte.

Vom Zinkerz zum Sammlerstück

Über Jahrhunderte war Smithsonit kein Schmuckstein, sondern Erz. Unter dem Namen Galmei bildete er zusammen mit Hemimorphit die Grundlage der Messingherstellung, weil sich metallisches Zink aus Sphalerit erst ab dem 18. Jahrhundert gewinnen ließ. Ganze Regionen lebten davon, etwa der Aachener Raum, Sardinien und der griechische Bezirk Lavrion. Mit dem Aufkommen der modernen Zinkhüttentechnik verlor das Oxidationszonenerz seine wirtschaftliche Bedeutung; die letzten großen Smithsonit-Gruben schlossen im 20. Jahrhundert. Heute ist der Stein fast ausschließlich ein Sammler- und Liebhabermineral. Im Schmuck ist er eine bewusste Nischenentscheidung: Wer ein Türkisblau möchte, das nicht Türkis ist, und bereit ist, den Stein pfleglich zu behandeln, findet hier ein ungewöhnliches Material mit einer gut dokumentierten Bergbaugeschichte. Für Serienschmuck und Alltagsstücke ist er ungeeignet. Wer ein Einzelstück sucht und sich an diese Grenzen hält, bekommt dafür einen Stein mit ungewöhnlicher Farbe und nachvollziehbarer Geschichte.

Häufige Fragen

Welche Fassung ist für Smithsonit richtig?
Eine Zargenfassung, die den Cabochon rundum umschließt und die empfindliche Kante schützt. Krappen sind ungeeignet, weil sie punktuell drücken und dadurch entlang der rhomboedrischen Spaltbarkeit Schäden auslösen können. Die Zarge sollte passgenau, aber nicht stramm sitzen; eine dünne Einlage gleicht Unebenheiten aus. Fassen Sie den Stein erst ein, wenn alle Löt- und Beizarbeiten abgeschlossen sind.
Kann ich Smithsonit als Perlenkette tragen?
Ja, mit Einschränkungen. Große, glatt polierte Kugeln zeigen die Farbe gut, und eine Kette bekommt weniger Stöße ab als ein Ring. Achten Sie aber darauf, dass die Perlen einzeln geknotet sind, damit sie nicht aneinander reiben, und legen Sie die Kette vor dem Auftragen von Parfüm und Sonnenschutz an. Hautschweiß ist leicht sauer und mattiert die Oberfläche mit der Zeit.
Passt Smithsonit zu Gold oder Silber?
Beides funktioniert, je nach Farbe des Steins. Das türkisblaue Material aus der Kelly Mine wirkt in Silber und in mattiertem Gelbgold besonders gut, das kobaltrosa Material harmoniert mit Roségold. Hochglänzend poliertes Weißgold konkurriert dagegen mit dem seidigen Schimmer der traubigen Oberfläche und lässt den Stein oft stumpf erscheinen. Mattierte oder gebürstete Oberflächen sind hier meist die bessere Wahl.