Wofür Smithsonit taugt und wofür nicht
Smithsonit ist ein Schmuckstein für Stücke, die selten getragen und wenig beansprucht werden. Anhänger, Broschen, Ohrschmuck und Colliers aus großen Perlen sind unproblematisch. Ringe und Armbänder dagegen sind die falsche Wahl: Mit Härte 4 bis 4,5 zerkratzt der Stein im Alltag, die vollkommene rhomboedrische Spaltbarkeit lässt ihn bei einem Stoß aufspringen, und als Carbonat reagiert er auf jede Säure, auch auf Handschweiß. Wer den Stein dennoch im Ring tragen will, braucht eine hohe Zargenfassung, einen flachen Cabochon und die Bereitschaft, den Ring bei jeder Tätigkeit abzulegen. Optisch ist Smithsonit dankbar: Das kräftige Türkisblau der Kelly-Mine-Ware wirkt in Silber und in mattiertem Gelbgold gleichermaßen, das kobaltrosa Material besonders gut in Roségold. Der seidige Schimmer der traubigen Oberfläche verträgt keine zu hochglänzende Fassung.
Fassen ohne Schaden
Beim Fassen gelten drei Regeln. Erstens: kein Löten am gefassten Stein. Carbonate zersetzen sich bei starker Erwärmung, und die Farbe geht dabei unwiederbringlich verloren. Stellen Sie die Fassung vollständig fertig, bevor der Smithsonit eingesetzt wird. Zweitens: kein punktueller Druck. Die rhomboedrische Spaltbarkeit macht den Stein anfällig, wenn eine Krappe oder ein Zargenrand ungleichmäßig aufliegt. Arbeiten Sie mit einer passgenauen Zarge und legen Sie eine dünne Folie oder Papier unter, um Unebenheiten auszugleichen. Drittens: keine Beizen und Säurebäder. Selbst verdünnte Schwefelsäure, wie sie zum Abbeizen nach dem Löten dient, zerstört die Oberfläche in Sekunden. Rhodinieren und galvanische Arbeiten erledigen Sie vor dem Fassen. Planen Sie zudem ein, dass ein gefasster Smithsonit sich später kaum ohne Schaden wieder ausfassen lässt. Kalkulieren Sie deshalb schon beim Entwurf, wie ein späterer Steinwechsel aussehen könnte.
Vom Zinkerz zum Sammlerstück
Über Jahrhunderte war Smithsonit kein Schmuckstein, sondern Erz. Unter dem Namen Galmei bildete er zusammen mit Hemimorphit die Grundlage der Messingherstellung, weil sich metallisches Zink aus Sphalerit erst ab dem 18. Jahrhundert gewinnen ließ. Ganze Regionen lebten davon, etwa der Aachener Raum, Sardinien und der griechische Bezirk Lavrion. Mit dem Aufkommen der modernen Zinkhüttentechnik verlor das Oxidationszonenerz seine wirtschaftliche Bedeutung; die letzten großen Smithsonit-Gruben schlossen im 20. Jahrhundert. Heute ist der Stein fast ausschließlich ein Sammler- und Liebhabermineral. Im Schmuck ist er eine bewusste Nischenentscheidung: Wer ein Türkisblau möchte, das nicht Türkis ist, und bereit ist, den Stein pfleglich zu behandeln, findet hier ein ungewöhnliches Material mit einer gut dokumentierten Bergbaugeschichte. Für Serienschmuck und Alltagsstücke ist er ungeeignet. Wer ein Einzelstück sucht und sich an diese Grenzen hält, bekommt dafür einen Stein mit ungewöhnlicher Farbe und nachvollziehbarer Geschichte.
