Cabochon, Platte und die seltene Facette
Fast alles, was aus Smithsonit geschliffen wird, ist ein Cabochon. Traubige Krusten liefern dafür ideales Ausgangsmaterial: Man kann eine einzelne Halbkugel als fertige Wölbung stehenlassen und nur polieren, oder man sägt die Kruste an und nutzt die konzentrische Bänderung des Anschnitts. Beliebt sind außerdem flache Platten und Scheiben für Intarsien sowie Kugeln und kleine Schnitzarbeiten. Facettierte Steine sind die große Ausnahme, weil durchsichtiges Material in verwertbarer Größe kaum vorkommt; die wenigen bekannten Steine stammen überwiegend aus Tsumeb, vereinzelt auch aus Mexiko und Sardinien. Wenn facettiert wird, dann meist im Ovalbrillant- oder Treppenschliff, der die hohe Dispersion von 0,037 zur Geltung bringt. Steine über 10 Karat gelten als außergewöhnlich und sind praktisch nur in Museen und großen Privatsammlungen zu sehen. Für den normalen Schmuckbedarf sollten Sie deshalb von vornherein mit einem Cabochon planen.
Die rhomboedrische Spaltbarkeit im Griff behalten
Smithsonit besitzt eine vollkommene Spaltbarkeit nach dem Rhomboeder, in drei Richtungen zugleich. Das ist der kritische Punkt beim Schleifen. An kristallinem Material kann schon ein zu hoher Anpressdruck oder ein Schlag beim Aufkitten den Stein entlang einer Spaltfläche aufreißen. Traubiges, feinfaseriges Material ist deutlich gutmütiger, weil die zahllosen radial orientierten Fasern keine durchgehende Spaltfläche bilden; hier liegt auch der Grund, warum sich gerade dieses Material für Cabochons eignet. Arbeiten Sie dennoch mit geringem Druck, nass und mit gedrosselter Drehzahl. Orientieren Sie den Schliff so, dass keine Spaltfläche die Oberfläche flach anschneidet, denn dort entsteht beim Polieren eine matte, nicht glänzende Zone. Eine angeschnittene Spaltfläche mindert den Wert eines Cabochons erheblich und lässt sich nachträglich nicht mehr beheben. Prüfen Sie das Rohstück vor dem Sägen im Gegenlicht auf bereits angelegte Spaltrisse, die sich sonst erst beim Polieren zeigen.
Weich, spröde und säureempfindlich beim Schleifen
Mit Härte 4 bis 4,5 lässt sich Smithsonit schnell formen, aber nur schwer auf Hochglanz bringen. Nutzen Sie feine Körnungen, weiche Träger und Zinnoxid oder Ceroxid als Poliermittel. Die hohe Dichte täuscht Robustheit vor; tatsächlich ist der Stein spröde und bricht leicht an dünnen Rändern aus. Lassen Sie Cabochons deshalb nicht zu flach auslaufen, sondern geben Sie ihnen einen tragenden Rand. Achten Sie außerdem auf das Kühlwasser: Als Carbonat reagiert Smithsonit auf jede Säure, und bereits leicht saures Prozesswasser oder saure Schleifzusätze mattieren die Oberfläche. Wärme ist ebenfalls kritisch, weil Carbonate bei starker Erhitzung zersetzt werden. Verwenden Sie zum Aufkitten kalt abbindende Klebstoffe statt Heißkitt. Poröse Partien traubiger Ware saugen Schleifschlamm auf und bleiben danach dauerhaft stumpf. Rechnen Sie außerdem mit einer niedrigen Ausbeute, weil poröse und rissige Zonen großzügig wegfallen.
