Aus der Oxidationszone der Zinklagerstätten
Smithsonit ist ein Sekundärmineral. Er entsteht dort, wo sulfidische Zinkerze, vor allem Sphalerit, im oberflächennahen Bereich verwittern. Sauerstoffhaltige Grundwässer oxidieren das Sulfid, Zink geht in Lösung, und wo diese Lösung auf Carbonatgestein trifft, fällt Zinkcarbonat aus. Deshalb liegen die klassischen Vorkommen fast ausnahmslos in Kalkstein oder Dolomit: Das Nebengestein liefert das Carbonat und puffert zugleich die Säure. Häufig verdrängt Smithsonit den Kalkstein direkt und bildet unregelmäßige Körper im Gestein. Wo er in Hohlräume und Klüfte wächst, entstehen die traubig-nierigen Krusten und stalaktitischen Formen, für die das Mineral bekannt ist. Die Oxidationszone reicht selten tiefer als einige Dutzend bis wenige Hundert Meter; darunter steht das unverwitterte Sulfiderz an. Praktisch bedeutet das: Smithsonit wurde meist in den obersten Sohlen alter Gruben gewonnen.
Was neben dem Smithsonit im Gestein sitzt
Smithsonit tritt nie allein auf. Zur typischen Paragenese gehören Hemimorphit, das Zinksilikat, mit dem er jahrhundertelang verwechselt wurde, außerdem Hydrozinkit, Aurichalcit, Willemit und Cerussit. Wo Kupfer im System ist, kommen Malachit und Azurit dazu, wo Blei vorherrscht, Anglesit und Cerussit. Aurichalcit bildet auf Kelly-Mine-Stufen hellblaue, nadelige Büschel auf blaugrünen Smithsonittrauben und macht solche Stücke für Sammler besonders attraktiv. Diese Begleitminerale sind zugleich der Schlüssel zur Farbe: Ein Vorkommen, in dem Kupfermineralien auftreten, liefert kupferhaltigen, blaugrünen Smithsonit; wo Kobalterze verwittern, entsteht rosa Material. Für die Bestimmung ist die Begleitung nützlich, aber nicht beweisend. Der sichere Test bleibt die Kombination aus hoher Dichte von 4,3 bis 4,5 und dem Aufbrausen in kalter, verdünnter Salzsäure. Wenn Sie eine Stufe kaufen, lohnt der Blick auf die Begleitminerale ohnehin, denn sie erhöhen den Sammlerwert oft stärker als der Smithsonit selbst.
Von der Galmei-Verwirrung zur eigenen Spezies
Bis ins 19. Jahrhundert galten Zinkcarbonat und Zinksilikat als ein und dasselbe Erz. Der Begriff „Lapis calaminaris“ geht auf Agricola und das Jahr 1546 zurück, im Deutschen wurde daraus der Galmei. Dieses Erz war wirtschaftlich zentral, denn vor der Entwicklung der Sphaleritverhüttung im 18. Jahrhundert ließ sich Messing nur aus Galmei und Kupfer herstellen. James Smithson analysierte die Galmei-Erze um 1802 und 1803 und trennte Carbonat und Silikat sauber voneinander. 1832 gab François Sulpice Beudant dem Carbonat den Namen Smithsonit. Kurios ist, dass sich die Bezeichnung „calamine“ im englischsprachigen Raum anschließend teilweise auf das Silikat verschob, was bis heute für Missverständnisse in älterer Literatur sorgt. Wenn Sie Altbestände oder historische Etiketten vor sich haben, prüfen Sie im Zweifel die Dichte nach.
