Was das Rohmaterial hergibt
Pollucit wächst nach Angaben der IGS massig und feinkörnig; Kristalle sind sehr selten und dann trapezoedrisch oder würfelig. Für den Schleifer heißt das: Sie arbeiten nicht mit Kristallflächen als Orientierung, sondern mit Bruchstücken aus einer derben Masse. Die klaren Zonen sind klein und unregelmäßig verteilt, weshalb die Ausbeute niedrig und schwer planbar ist. Die dokumentierten Größen bestätigen das: Der größte von der IGS abgebildete geschliffene Stein misst 16,3 mal 12,7 Millimeter bei 9,51 Karat, die Museumsstücke des Smithsonian liegen bei 8,5 und 7,0 Karat, und der reguläre Handel bewegt sich überwiegend darunter. Weil Pollucit keine Spaltbarkeit zeigt, können Sie das Rohstück allein nach den Einschlusswolken einteilen — ein Vorteil gegenüber Topas oder Kunzit. Gleichzeitig entfällt damit jede Möglichkeit, größere Stücke sauber zu teilen; Sie müssen sägen.
Spröde ohne Spaltrichtung — und mit Wasser im Gitter
Die Härte von 6,5 bis 7 entspricht ungefähr der von Quarz, die Zähigkeit wird in einer gemmologischen Tabelle als „gut“ eingestuft, gleichzeitig aber ausdrücklich auf die Sprödigkeit hingewiesen. Die Wikipedia führt die Tenazität schlicht als spröde. Praktisch bedeutet das: Kanten brechen leicht aus, wenn Sie beim Vorschleifen zu viel Druck geben oder eine zu grobe Körnung zu lange laufen lassen. Ein zweiter Punkt ist der Wassergehalt. Die Formel führt zeolithisches Wasser, und in einem offenen Gerüstsilikat ist dieses Wasser temperaturempfindlich. Dopwachs mit hoher Schmelztemperatur, heißes Abnehmen vom Dop und starke Reibungswärme an der Polierscheibe sind deshalb Risiken, die Sie vermeiden sollten. Arbeiten Sie mit kaltem Kitt oder mechanischen Haltern, kühlen Sie durchgehend und nehmen Sie den Stein nach dem Schliff langsam auf Raumtemperatur zurück.
Brillanz planen, Feuer nicht erwarten
Bei einem Brechungsindex von 1,517 bis 1,525 liegt Pollucit knapp unter Quarz und deutlich unter Topas oder Beryll. Der kritische Winkel ist entsprechend flach, das heißt: Sie brauchen eine gut getroffene Pavillonneigung, sonst verliert der Stein Licht durch den Unterteil und wirkt fensterig. Bewährt haben sich die Designs, die für Quarz entwickelt wurden; sie übertragen sich wegen der ähnlichen Werte weitgehend. Beim Feuer sind die Quellen uneins: Die IGS gibt eine Dispersion von 0,012 an, eine Gemopedia-Tabelle vermerkt dagegen „keine“. Beide Angaben führen zur selben Praxis — rechnen Sie nicht mit sichtbarem Farbenspiel, sondern gestalten Sie den Stein über Brillanz und saubere Facettenspiegelungen. Weil das Material leicht fettig wirkt, zahlt sich eine besonders sorgfältige Endpolitur aus; sie ist der wirkungsvollste Hebel für das Erscheinungsbild eines farblosen Pollucits.
