Ein Stein ohne Farbträger
Pollucit besteht aus Cäsium, Aluminium, Silizium, Sauerstoff und Wasser. Keines dieser Elemente ist ein Farbträger im gemmologischen Sinn: Es fehlen die Übergangsmetalle, die in Beryll, Korund oder Turmalin für Farbe sorgen. Entsprechend beschreiben alle eingesehenen Quellen den Normalfall als farblos oder weiß. Die Wikipedia führt „üblicherweise farblos; auch weiß, grau, rosa, blau oder violett“, die IGS „farblos, weiß, grau; getönt in blassem Rosa, Blau, Violett“, eine deutschsprachige Mineralübersicht „farblos, weiß oder helle Blau-, Grau-, Violett- oder Rosatöne“. Wichtig für Ihre Kaufentscheidung: Keine der Quellen, die wir geprüft haben, erklärt, welches Element oder welcher Mechanismus diese Tönungen verursacht. Wir geben diese Lücke hier offen an, statt eine Vermutung als Tatsache auszugeben. Was Sie in der Praxis sehen, ist fast immer farblos bis leicht grauweiß, häufig mit einem leicht fettigen Oberflächeneindruck, den mehrere Quellen ausdrücklich erwähnen.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Pollucit, farblos | farblos | Der Regelfall und die einzige Qualität, die regelmäßig facettiert wird; aktuelle Ware fast ausschließlich aus Afghanistan |
| Pollucit, weiß bis grau | weiß, grau | Derbe, feinkörnige Massen; als Mineralstufe und als Erz verbreitet, für den Schliff ungeeignet |
| Rosa getönter Pollucit | zartrosa | Von der IGS belegt, unter anderem ein Stein von 3,85 Karat aus Maine; Ursache der Tönung in den Quellen nicht erklärt |
| Blau getönter Pollucit | blass blau | Von Wikipedia und Gemopedia als Farbvariante geführt, im Handel praktisch nicht anzutreffen |
| Violett getönter Pollucit | violettstichig | Ebenfalls nur als Farbangabe der Mineralliteratur belegt, keine eigene Handelskategorie |
| „Castorit“ | farblos bis weiß | Kein Pollucit: historischer Zwillingsname für das auf Elba mitgefundene Mineral, heute als Petalit eingeordnet |
Weiß, grau, trübe: was die Klarheit wirklich bestimmt
Bei einem farblosen Mineral entscheidet nicht die Farbe über das Aussehen, sondern die Trübung. Pollucit wächst nach Angaben der IGS „massig, feinkörnig“; Kristalle sind sehr selten. Derbe Massen erscheinen weiß bis grau und undurchsichtig, klare Partien liegen in dieser Matrix wie Fenster. Die typischen Einschlüsse beschreibt die IGS als weißliche, sehr kleine Gebilde, die an Spieße oder Kügelchen erinnern, dazu winzige „Schneeflocken“. Ein Händler bestätigt das für einen afghanischen Stein von 2,15 Karat wörtlich und verkauft ihn ausdrücklich als nicht augenrein. Daraus folgt die Preislogik dieses Steins: Nicht ein Farbton, sondern der Anteil einschlussfreier Substanz macht den Unterschied zwischen einem Schaustück und einem milchigen Sammlerbeleg. Grauschleier und Schneeflockenwolken sind bei Pollucit die Regel, vollkommene Reinheit ist die Ausnahme. Prüfen Sie deshalb jedes Angebot gegen das Licht und gegen einen dunklen Hintergrund: Erst im Durchlicht zeigt sich, wie viel der sichtbaren Masse tatsächlich klar ist und wie viel nur hell erscheint.
Fluoreszenz: die Quellen widersprechen sich
Die Lumineszenz ist der Punkt, an dem die Literatur auseinanderläuft, und das sollten Sie wissen, bevor Sie eine UV-Lampe als Prüfmittel einsetzen. Die Wikipedia nennt Pollucit „manchmal schwach fluoreszierend im kurz- und langwelligen UV“. Die IGS beschreibt blauweiße sowie orange bis rosa Fluoreszenz unter UV und Röntgenstrahlung und selten ein blasses Gelb im kurzwelligen UV. Eine Gemopedia-Tabelle gibt „inert bis blaugrün oder gelblichweiß“ im kurzwelligen und „inert bis schwach orange“ im langwelligen UV an. Eine deutschsprachige Mineralübersicht nennt cremeweiß bis grünblau im kurzwelligen und orange im langwelligen UV. Ein gemmologisches Datenblatt eines Naturkundemuseums vermerkt dagegen ausdrücklich keine Lumineszenz. Fazit für die Praxis: Fluoreszenz ist bei Pollucit variabel und kein Ausschlusskriterium. Ein inerter Stein ist deshalb nicht falsch, ein leuchtender nicht bewiesen echt.
