LCT-Pegmatite: wo sich Cäsium überhaupt sammelt
Pollucit entsteht in zonierten Granitpegmatiten, die reich an Lithium sind und Lepidolith oder Petalit führen — dem Milieu, das die Fachliteratur als LCT-Pegmatite (Lithium, Cäsium, Tantal) bezeichnet. Der USGS beschreibt genau diese Bindung: Pollucit findet sich hauptsächlich in Verbindung mit lithiumreichen, lepidolith- oder petalitführenden zonierten Granitpegmatiten. Deutschsprachige Quellen ordnen die Bildung als magmatisch-hydrothermal innerhalb solcher Pegmatite ein. Der Grund liegt in der Geochemie: Cäsium ist ein großes, einfach geladenes Ion, das in die gewöhnlichen gesteinsbildenden Minerale nicht hineinpasst. Es reichert sich in der Restschmelze an, bis diese in den innersten Zonen eines Pegmatits erstarrt. Erst dort erreichen die Gehalte ein Niveau, bei dem ein eigenständiges Cäsiummineral kristallisieren kann. Deshalb ist Pollucit an wenige, aber große Lagerstätten gebunden, statt in Spuren überall aufzutreten. Im Durchschnitt liegt Cäsium in der Erdkruste bei etwa 3 ppm.
Ein Käfig aus Silizium, Aluminium und Sauerstoff
Strukturell ist Pollucit ein Gerüstsilikat, das dem Analcim entspricht: ein dreidimensionales Netz aus SiO4- und AlO4-Tetraedern mit weiten Kanälen, in denen die großen Cäsiumionen und etwas Natrium sitzen. Dazu kommt Wasser, das in der Formel als n H2O geführt wird; die ältere Schreibweise (Cs,Na)2Al2Si4O12 · 2 H2O nennt es explizit. Wegen dieses Aufbaus wird Pollucit in vielen Quellen zu den Zeolithen gestellt — Händler nennen ihn gern einen der wenigen facettierfähigen Zeolithe überhaupt. Die Strunz-Klasse 9.GB.05 stellt ihn allerdings zu den Gerüstsilikaten mit zeolithischem Wasser, nicht in die eigentliche Zeolithgruppe. Der Wassergehalt ist für Sie praktisch bedeutsam: Er ist der Grund, warum starke Hitze beim Schleifen und Fassen ein Risiko bleibt. Chemisch ist Pollucit in Flusssäure leicht löslich und in heißer Salzsäure nur schwer angreifbar; als Begleitminerale treten Quarz, Spodumen, Petalit, Amblygonit, Lepidolith, Elbait, Kassiterit, Columbit, Apatit, Eukryptit, Muskovit, Albit und Mikroklin auf.
Elba 1846: Breithaupt, Pollux und Castor
Die Erstbeschreibung stammt von August Breithaupt, der das Mineral 1846 nach Funden auf Elba unter dem Namen „Pollux“ in den Annalen der Physik und Chemie, Band 69, Seite 439, vorstellte. Der Name spielt auf Pollux aus der antiken Zwillingssage an — denn am selben Fundpunkt trat ein zweites, äußerlich ähnliches Mineral auf, das den Zwillingsnamen „Castorit“ erhielt. Castorit wurde später als Petalit eingeordnet und gilt heute nicht mehr als eigene Art; der Doppelname blieb als historische Reminiszenz erhalten. Besonders aufschlussreich ist der weitere Verlauf: Eine frühe Analyse von 1848 übersah den hohen Cäsiumgehalt vollständig. Das ist kein Vorwurf, sondern Chronologie — Cäsium wurde erst 1860 als Element entdeckt. Erst eine erneute Untersuchung im Jahr 1864 wies den hohen Cäsiumanteil nach. Zwischen Entdeckung und Verständnis des Minerals lagen also achtzehn Jahre.
