Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

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Pollucit Lexikon · Herkunft & Fundorte

Pollucit – Herkunft & Fundorte

Pollucit

Elba — die Typlokalität und ihr Nachspiel

Die Typlokalität liegt auf Elba, wo Breithaupt das Mineral 1846 beschrieb. Die Funde stammen aus den lithiumreichen Granitpegmatiten der Insel, in denen auch Petalit, Turmalin und Lepidolith auftreten. Historisch ist Elba damit der Ursprungsort zweier Namen zugleich: Pollux und Castor. Wirtschaftlich spielt die Insel heute keine Rolle mehr; Italien erscheint in den gemmologischen Fundortlisten nur noch als historische Nennung. Bedeutung hat Elba trotzdem behalten, und zwar für Sammler: Elba-Stufen sind Belegstücke der Erstbeschreibung. Wenn Ihnen ein Händler einen Elba-Pollucit anbietet, handelt es sich in aller Regel um ein Altfundstück aus einer aufgelösten Sammlung, nicht um Neumaterial. Prüfen Sie in diesen Fällen die Sammlungsgeschichte ebenso sorgfältig wie die Bestimmung, denn der Aufpreis für die Typlokalität bezieht sich allein auf die Provenienz.

Fundort Land Besonderheit
ElbaItalienTyplokalität; Erstbeschreibung durch Breithaupt 1846, gemeinsam mit dem später als Petalit erkannten „Castorit“
Bernic Lake / Tanco-Mine, ManitobaKanadaRund 350 000 Tonnen Pollucit mit etwa 24 Prozent Cs2O; Abbau Ende 2015 nach Einsturz beendet, Aufbereitung nach Angaben von Grid Metals weiterhin aktiv
Bikita, MasvingoSimbabweCäsium-Extraktionsanlage seit Juli 2025, 35 Millionen US-Dollar; Aufgabegehalt 0,12 Prozent Cs2O, Konzentrat 3 bis 5 Prozent
Sinclair, Pioneer DomeWestaustralienEines von weltweit nur drei Bergwerken, die je Cäsium produziert haben; laut Grid Metals nicht mehr in Produktion
Kunar und NuristanAfghanistanWichtigste Quelle für facettierfähige Ware; nahezu alle aktuellen Handelsangebote stammen von dort
Newry und Mount Mica, MaineUSAHistorische Quelle der großen farblosen Museumssteine; der Smithsonian führt Stücke von 8,5 und 7,0 Karat
KaribibNamibiaPegmatitvorkommen; USGS führte 2018 Reserven von 30 000 Tonnen Cs2O für Namibia
Luolamäki-RegionFinnlandKlassisches europäisches Pegmatitvorkommen, in gemmologischen Fundortlisten als Finnland geführt; ohne Marktbedeutung

Bernic Lake und die Tanco-Mine: der Kern des Weltmarkts

Der Pegmatit am Bernic Lake in Manitoba wurde Ende der 1920er Jahre entdeckt, 1929 erstmals abgebaut und 1969 als Tantalmine wiedereröffnet. Die Cabot Corporation kaufte den Betrieb 1993 und begann 1996 mit der Produktion von Cäsiumsole aus Pollucit; 2019 übernahm Sinomine die Mine für 135 Millionen US-Dollar. Der Erzkörper misst rund 1400 mal 600 mal 100 Meter und enthält etwa 350 000 Tonnen Pollucit mit ungefähr 24 Prozent Cs2O. Wie groß der Weltanteil ist, geben die Quellen unterschiedlich an: Die Wikipedia nennt an einer Stelle 82 Prozent der bekannten Weltreserven, an anderer „mehr als zwei Drittel“, der Artikel zur Mine spricht von zwei Dritteln. Der USGS wiederum zählte die Vorräte nach einem Einsturz 2015 nicht mehr zu den wirtschaftlich gewinnbaren Reserven; der Abbau endete Ende 2015, die Produktion lief aus Lagerbeständen weiter. Nach Angaben von Grid Metals produziert Tanco heute wieder und gilt als einzige Cäsium-Aufbereitung der westlichen Welt.

Bikita, Sinclair, Afghanistan — wo die Ware heute herkommt

Weltweit haben nach Darstellung von Grid Metals überhaupt nur drei Bergwerke jemals Cäsium produziert: Tanco in Kanada, Bikita in Simbabwe und Sinclair in Westaustralien, letzteres nur zeitweise. Bikita hat zuletzt kräftig aufgeholt: Im Juli 2025 eröffnete die zu Sinomine gehörende Bikita Minerals für 35 Millionen US-Dollar die erste Cäsium-Extraktionsanlage Simbabwes, die Pollucit aus den Rückständen der Petalitaufbereitung gewinnt. Eine Fachdarstellung vom September 2025 beziffert den Aufgabegehalt auf lediglich 0,12 Prozent Cs2O und das Konzentrat auf 3 bis 5 Prozent — eine Anreicherung um das 25- bis 40-Fache. Der USGS führte die Reserven 2018 mit 60 000 Tonnen Cs2O für Simbabwe und 30 000 Tonnen für Namibia, weltweit gerundet 90 000 Tonnen. Für den Schmuckhandel ist all das indirekt: Facettierfähige Ware kommt derzeit fast ausschließlich aus den Pegmatiten Afghanistans, vor allem aus der Provinz Kunar.

Häufige Fragen

Aus welchem Land stammt der Pollucit, den ich kaufen kann?
Mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Afghanistan. Alle von uns eingesehenen aktuellen Angebote — ein 2,15-Karäter aus der Provinz Kunar, ein Auktionsstein von 2,94 Karat, ein Paar von 6,65 Karat und ein Einzelstein von 9,15 Karat — werden als afghanisch deklariert. Auch die IGS und ein Fachhändler weisen darauf hin, dass afghanische Funde die Verfügbarkeit von Edelsteinqualität verändert haben.
Kann ich Material aus der Tanco-Mine bekommen?
Als Schleifware kaum. Die Tanco-Mine liefert Cäsiumsole und Cäsiumformat für die Industrie, nicht Rohsteine für die Schleiferei. Sammlerstufen aus Bernic Lake existieren, stammen aber überwiegend aus älteren Beständen. Ein aktueller Liefervertrag von Februar 2025 betrifft cäsiumhaltiges Material ab 5 Prozent Cs2O zu 1500 US-Dollar je Tonne — das ist Erzhandel, kein Edelsteinhandel.
Gibt es europäische Vorkommen?
Ja, aber ohne Marktbedeutung. Genannt werden Italien (Elba, Typlokalität), Schweden, Finnland, Russland, England und Tschechien. Gemmologische Fundortlisten führen zusätzlich Kasachstan. Diese Vorkommen liefern Mineralstufen und wissenschaftliches Material, keine Schleifware in nennenswerter Menge.