Was den Preis bestimmt: Reinheit, Größe, Schliffqualität
Weil Pollucit farblos ist, entfällt das wichtigste Preiskriterium anderer Edelsteine. Übrig bleiben drei Größen. Erstens die Reinheit: Weißliche Einschlüsse in Form von Spießen, Kügelchen und winzigen Schneeflocken sind nach Darstellung der IGS materialtypisch, ein augenreiner Stein ist die Ausnahme. Zweitens die Größe: Der Handel bewegt sich überwiegend unter drei Karat; zweistellige Karatgewichte sind Ausnahmeerscheinungen. Die IGS bildet als größten dokumentierten geschliffenen Stein einen ovalen Brillanten von 9,51 Karat mit 16,3 mal 12,7 Millimetern aus Afghanistan ab, der Smithsonian führt farblose Steine von 8,5 Karat aus Maine und 7,0 Karat aus Connecticut. Drittens die Schliffqualität: Bei einem Stein ohne Farbe und mit fettigem Grundcharakter entscheidet die Präzision der Facetten über den optischen Eindruck. Ein präzise geschliffener Stein aus einer Facettierwerkstatt kostet dementsprechend ein Vielfaches eines kommerziell geschliffenen Steins gleichen Gewichts.
| Qualitätsstufe | Merkmale | Preisspanne |
|---|---|---|
| Mineralstufe, derb | Weiß bis grau, undurchsichtig, feinkörnig; als Beleg für das Cäsiumerz gesammelt | Stückpreise, keine Karatpreise; einfache Stufen aus Afghanistan werden im zweistelligen Eurobereich gehandelt |
| Sammlerschliff, sichtbar eingeschlossen | Farblos, mit weißlichen Spießen, Kügelchen oder Schneeflocken; 1 bis 3 Karat | rund 30 bis 40 Euro je Karat (Auktionsergebnis 2,94 ct für 110 US-Dollar) |
| Handelsware, größer und klarer | Als augenrein angeboten, kommerzieller Ovalschliff, 6 bis 10 Karat | rund 12 bis 22 Euro je Karat (9,15 ct für 129,03 US-Dollar; 6,65 ct für 148,88 Euro) |
| Präzisionsschliff aus der Werkstatt | Exakte Facetten, dokumentierte Herkunft (Kunar), 2 bis 3 Karat | rund 70 bis 80 Euro je Karat (2,15 ct für 175 US-Dollar) |
| Museums- und Ausnahmesteine | Farblos, über 7 Karat; Smithsonian führt 8,5 ct aus Maine und 7,0 ct aus Connecticut, IGS zeigt 9,51 ct aus Afghanistan | Nicht im regulären Handel; Preise für diese Stücke sind nicht veröffentlicht |
Preisspannen: was Sie 2026 tatsächlich zahlen
Pollucit ist selten, aber nicht teuer — eine Kombination, die im Edelsteinhandel ungewöhnlich ist. Vier konkrete Angebote, die wir eingesehen haben, geben die Spanne wieder. Ein präzise geschliffener Tropfen von 2,15 Karat aus Kunar, nicht augenrein, kostet 175 US-Dollar, also rund 81 Dollar je Karat. Ein Paar von 6,65 Karat aus Afghanistan wird für 148,88 Euro angeboten, was der Anbieter mit 171 US-Dollar angibt; das entspricht etwa 22 Euro je Karat. Ein als augenrein beschriebener Ovalschliff von 9,15 Karat steht bei 129,03 US-Dollar, reduziert von 151,80 — rund 14 Dollar je Karat. Auf einer Mineralauktion erzielte ein Tropfen von 2,94 Karat im April 2021 110 US-Dollar, gut 37 Dollar je Karat. Umgerechnet mit dem Kurs, den das Euro-Angebot selbst ausweist, liegt die Spanne bei rund 12 bis 71 Euro je Karat. Größe senkt hier den Karatpreis, statt ihn zu heben — ein deutliches Zeichen für einen dünnen Sammlermarkt.
Verwechslung ist wahrscheinlicher als Fälschung
Bei diesen Preisen lohnt sich eine gezielte Fälschung kaum. Das eigentliche Risiko ist die Verwechslung. Pollucit ist kubisch und damit einfachbrechend, zeigt keinen Pleochroismus und liegt mit 1,517 bis 1,525 im Brechungsindexbereich gewöhnlicher Gläser, die die IGS-Tabelle mit 1,440 bis 1,900 und ebenfalls ohne Doppelbrechung führt. Ein Glas mit passendem Index ist am Refraktometer allein nicht zu trennen. Der Weg führt über die Dichte: 2,85 bis 2,94 g/cm³ für Pollucit, dazu die charakteristischen weißlichen Einschlüsse, während viele Gläser Schlieren oder runde Gasblasen zeigen. Quarz scheidet dagegen klar aus, denn er ist einachsig doppelbrechend mit 0,009, hat einen höheren Brechungsindex von 1,544 bis 1,553 und eine deutlich geringere Dichte um 2,66. Behandlungen sind für Pollucit nicht bekannt; synthetisches Material wird zwar hydrothermal hergestellt, hat aber laut IGS keine Schmuckanwendung.
