Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

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Pollucit Lexikon · Übersicht

Pollucit – Eigenschaften, Herkunft und Qualität im Überblick

Pollucit

Pollucit ist das einzige Mineral, in dem Cäsium ein wesentlicher Bestandteil ist, und zugleich das einzige wirtschaftlich bedeutende Cäsiumerz der Welt. Geschliffen ist er ein farbloser, kubisch-isotroper Sammlerstein mit einem Brechungsindex um 1,52 — selten, unbehandelt und im Prüflabor leichter mit Glas zu verwechseln als mit irgendeinem anderen Edelstein.

Pollucit – die Kennzahlen

EigenschaftWert
MineralklasseSilikate, Gerüstsilikate (Tektosilikate); Strunz-Klasse 9.GB.05, Analcim-Verwandtschaft, in der deutschsprachigen Literatur häufig zu den Zeolithen gestellt
Chemische FormelCs(Si2Al)O6 · nH2O, ältere Schreibweise (Cs,Na)2Al2Si4O12 · 2 H2O
Kristallsystemkubisch, Raumgruppe Ia3d, a = 13,67 Å, Z = 16
Mohs-Härte6,5 bis 7
Dichte2,85 bis 2,94 g/cm³ bei Schleifqualität; Mineralquellen nennen weiter gefasst 2,7 bis 3,0 bzw. 2,68 bis 3,03 g/cm³
Brechungsindex1,517 bis 1,525 (Gemmologie); mineralogische Quellen geben 1,507 bis 1,528 an; einfachbrechend
Doppelbrechungkeine (isotrop); Wikipedia vermerkt gelegentlich sehr schwache Anisotropie, kein Pleochroismus
GlanzGlasglanz, auf Bruchflächen leicht fettig, an derben Stücken auch matt
Spaltbarkeitnicht beobachtet; eine gemmologische Quelle nennt Spaltbarkeit „in Spuren“
Bruchmuschelig bis uneben, spröde
Transparenzdurchsichtig bis durchscheinend, derbe Massen undurchsichtig
Farbenfarblos, weiß, grau; seltener zartrosa, blass blau oder violett getönt
Wichtigste FundorteElba (Italien, Typlokalität); Bernic Lake / Tanco-Mine, Manitoba (Kanada); Bikita, Masvingo (Simbabwe); Sinclair, Westaustralien; Kunar und Nuristan (Afghanistan); Newry und Mount Mica, Maine (USA); Karibib (Namibia); Schweden, Finnland, Brasilien, Pakistan
Behandlungenkeine bekannt; Pollucit wird im Handel unbehandelt angeboten. Synthetischer Pollucit wird hydrothermal hergestellt, hat aber keine Schmuckanwendung
Erstbeschreibung1846 durch August Breithaupt als „Pollux“, Annalen der Physik und Chemie 69, S. 439, nach Funden auf Elba

Das einzige Mineral mit Cäsium als Hauptbestandteil

Pollucit ist ein Gerüstsilikat mit der Formel Cs(Si2Al)O6 · nH2O, in der älteren Schreibweise (Cs,Na)2Al2Si4O12 · 2 H2O. Er ist das einzige Mineral, in dem Cäsium ein wesentlicher Bestandteil ist, und damit das einzige wirtschaftlich bedeutende Cäsiumerz. Der US-amerikanische Geologische Dienst gibt den Cäsiumoxidgehalt handelsüblicher Erze mit 5 bis 32 Prozent an; die Behörde ATSDR nennt dieselbe Spanne. Pollucit kristallisiert kubisch in der Raumgruppe Ia3d mit einer Gitterkonstanten von 13,67 Ångström, wächst aber fast immer derb; gut ausgebildete Trapezoeder oder Würfel sind ausgesprochen selten. Die Mohshärte liegt bei 6,5 bis 7, die Dichte geschliffener Ware bei 2,85 bis 2,94 g/cm³. Der Strich ist weiß, der Glanz glasartig bis leicht fettig. Für Sie als Käufer heißt das: Sie halten einen farblosen bis weißen, einfachbrechenden Stein in der Hand, dessen Reiz nicht in der Farbe liegt, sondern in seiner Chemie und seiner Seltenheit.

Vom Bohrloch in die Vitrine — warum Schleifware knapp bleibt

Pollucit wird nicht für Schmuck abgebaut, sondern für Cäsium. Die größte Anwendung nach Gewicht sind laut USGS Cäsiumformat-Solen, die beim Bohren von Öl- und Gasbohrungen unter hohem Druck und hoher Temperatur eingesetzt werden; die Lösung erreicht Dichten bis 2,3 g/cm³. Daneben stehen Photozellen, Szintillationszähler, Röntgenleuchtstoffe, Infrarotdetektoren, Katalysatoren der Erdölspaltung, Pyrotechnik und Atomuhren. Cäsiumformat wird an die Bohrfirmen vermietet, zurückgenommen und mit einer Rückgewinnungsrate von etwa 85 Prozent wiederaufbereitet. Diese industrielle Verwertungskette bestimmt, was am Markt übrig bleibt: Rohware wandert in die Aufbereitung, nicht in die Schleiferei. Klare, facettierfähige Partien fallen als Nebenprodukt an und erreichen den Handel nur in kleinen Mengen. Wer geschliffenen Pollucit sucht, konkurriert nicht mit anderen Sammlern, sondern mit einem Chemiebetrieb, der dieselbe Substanz in Tonnen umrechnet.

Cs-133 statt Cs-137 — die Radioaktivitätsfrage sachlich

Im Handel begegnet Ihnen regelmäßig die Sorge, ein cäsiumhaltiger Stein könne strahlen. Der Grund ist Cäsium-137, ein bekanntes Spaltprodukt mit rund 30 Jahren Halbwertszeit. Natürliches Cäsium ist damit nicht identisch. Die ATSDR formuliert es eindeutig: Natürliches Cäsium kommt in der Umwelt in nur einer stabilen Form vor, als Isotop Cs-133. Cäsium-134 und Cäsium-137 entstehen dagegen durch die Spaltung von Uran in Brennstäben von Kernkraftwerken oder bei der Zündung von Kernwaffen — also nicht in einem Pegmatit. Cs-133 ist stabil und macht die gesamte natürliche Häufigkeit aus; dasselbe Isotop definiert seit 1967 über 9 192 631 770 Schwingungen die SI-Sekunde. Zur chemischen Giftigkeit stellt die ATSDR fest, dass von stabilem Cäsium keine Gesundheitseffekte zu erwarten sind; die LD50 von Cäsiumchlorid bei Mäusen liegt mit 2,3 g/kg in der Größenordnung von Kochsalz. Ein Pollucit im Schmuckstück ist strahlungstechnisch unauffällig.

Isotrop bei 1,52 — Prüfung, Angebot und Preisniveau

Gemmologisch ist Pollucit ein unauffälliger Stein und genau deshalb ein Prüffall. Er ist kubisch, also einfachbrechend, hat keine Doppelbrechung und keinen Pleochroismus, und sein Brechungsindex von 1,517 bis 1,525 liegt mitten im Bereich gewöhnlicher Gläser, die die IGS-Tabelle mit 1,440 bis 1,900 und ebenfalls ohne Doppelbrechung führt. Quarz scheidet dagegen sauber aus: 1,544 bis 1,553 mit einer Doppelbrechung von 0,009 und einer Dichte um 2,66. Die Dichte trennt Pollucit auch von vielen Gläsern. Im Angebot dominieren afghanische Steine aus der Provinz Kunar, meist unter drei Karat. Der Smithsonian führt farblose Steine von 8,5 und 7,0 Karat, die IGS bildet einen ovalen Brillanten von 9,51 Karat aus Afghanistan ab. Händlerpreise einzelner Angebote reichen von etwa 14 bis 81 US-Dollar je Karat — der Stein ist selten, aber nicht teuer.

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Kurz gefasst

Pollucit ist ein Stein für Sammler und für Gemmologen, nicht für den Alltagsschmuck. Kaufen Sie ihn wegen seiner Chemie: Er ist das einzige Mineral, in dem Cäsium Hauptbestandteil ist, und das einzige bedeutende Cäsiumerz der Welt. Verlangen Sie eine Herkunftsangabe — praktisch alle Schleifware stammt derzeit aus Afghanistan — und lassen Sie Brechungsindex und Dichte messen, denn gegen Glas trennt nur die Messung. Bei Preisen von rund 12 bis 71 Euro je Karat ist das Risiko überschaubar. Fassen Sie ihn in einem Anhänger oder Ohrschmuck, nicht in einem Ring für jeden Tag.

Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.

Über dieses Lexikon

Die Angaben zu Pollucit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.

Häufige Fragen

Ist Pollucit radioaktiv, weil er Cäsium enthält?
Nein. Natürliches Cäsium liegt laut ATSDR ausschließlich als stabiles Isotop Cs-133 vor. Die radioaktiven Isotope Cs-134 und Cs-137 entstehen durch Uranspaltung in Kernreaktoren oder bei Kernwaffenexplosionen und kommen in Pegmatiten nicht vor. Die IGS hält ausdrücklich fest, dass das natürlich vorkommende Cäsium im Pollucit kein Gesundheitsrisiko darstellt.
Wie selten ist geschliffener Pollucit wirklich?
Selten in der Vitrine, nicht im Boden. Nach Angaben von Grid Metals haben weltweit überhaupt nur drei Bergwerke jemals Cäsium produziert: Tanco in Manitoba, Bikita in Simbabwe und Sinclair in Westaustralien. Fast alle Rohware geht in die Cäsiumchemie. Facettierbare, klare Partien sind ein Nebenprodukt, das den Handel nur in kleinen Stückzahlen erreicht, derzeit überwiegend aus Afghanistan.
Woran erkenne ich Pollucit im Labor?
Über die Kombination aus Einfachbrechung, Brechungsindex 1,517 bis 1,525 und einer Dichte von 2,85 bis 2,94 g/cm³. Quarz fällt durch seine Doppelbrechung von 0,009 und den höheren Brechungsindex heraus. Gegen Glas hilft die Dichte, außerdem die typischen weißlichen Einschlüsse, die die IGS als Spieße, Kügelchen oder winzige Schneeflocken beschreibt.
Wird Pollucit behandelt oder synthetisch hergestellt?
Behandlungen sind nicht bekannt; die IGS führt den Stein ohne Behandlungseintrag, Händler deklarieren ihn als unbehandelt. Synthetischer Pollucit existiert und wird hydrothermal erzeugt, hat aber nach Angaben der IGS keine kommerzielle Schmuckanwendung. Sie müssen im Handel also eher mit Verwechslung als mit gezielter Fälschung rechnen.