Die Orientierung entscheidet über den Schiller
Nuummit verzeiht keine beliebige Sägerichtung. Weil der Schiller an die Entmischungslamellen in den einzelnen Nadeln gebunden ist, leuchtet eine Fläche nur dann, wenn sie die Nadeln in einem günstigen Winkel anschneidet. Schneiden Sie quer zur Nadelrichtung, sehen Sie viele kurze Punkte; schneiden Sie zu flach, bleibt die Fläche stumpf. Erfahrene Schleifer nässen das Rohstück an und drehen es unter einer punktförmigen Lampe, bis die größte zusammenhängende Leuchtfläche gefunden ist, und legen erst dann den Schnitt fest. Dieser Suchvorgang kostet Material und ist der Hauptgrund für die niedrige Ausbeute. Beim mauretanischen Material ist es noch enger: Dort liegen die farbigen Nadeln oft nur in dünnen Ebenen, die nur aus einem schmalen Blickwinkel leuchten. Gefragt ist also Geduld, nicht Tempo. Planen Sie außerdem die Wölbung mit ein: Ein flacher Cabochon zeigt mehr zusammenhängende Schillerfläche als eine hohe Kuppe, bei der der Effekt an den Flanken abreißt.
Nass arbeiten: Anthophyllit ist ein Asbestmineral
Anthophyllit gehört zu den regulierten Asbestmineralen, und Gedrit ist ihm strukturell eng verwandt. Am fertig polierten, gefassten Stein ist das ohne Bedeutung: Die Nadeln sitzen fest im Gefüge und werden nicht freigesetzt. Beim Sägen, Schleifen und Bohren sieht das anders aus. Arbeiten Sie ausschließlich nass, halten Sie die Scheibe feucht, vermeiden Sie jedes Trockenschleifen und jedes Ausblasen mit Druckluft. Eine Absaugung mit Feinstaubfilter und, bei längeren Arbeiten, eine Halbmaske der Klasse FFP3 sind angemessen. Schleifschlamm gehört in den Abfall, nicht ins Abwasser, und die Kleidung wird nicht ausgeschüttelt. Dieselben Regeln gelten übrigens für Tigerauge und Falkenauge. Wer diese Vorsichtsmaßnahmen einhält, kann Nuummit ohne Bedenken verarbeiten; wer sie ignoriert, geht ein unnötiges Risiko ein. Für gewerbliche Werkstätten gelten in Deutschland zusätzlich die Vorgaben der Gefahrstoffverordnung zu asbesthaltigen Materialien; klären Sie das vor der Aufnahme einer Serienfertigung ab.
Politur: nur Diamant bringt den Spiegel
Nuummit hat einen Härtebereich von 5,5 bis 6 und ist damit deutlich weicher als Quarz, gleichzeitig aber ungleichmäßig aufgebaut: harte Amphibolnadeln, weichere Sulfide, dazwischen Korngrenzen. Beim Polieren arbeitet sich dieses Gefüge unterschiedlich schnell ab, es entsteht Orangenhaut. Die gemmologische Untersuchung des grönländischen Materials kam zu einem klaren Ergebnis: Zinnoxid und Ceroxid bringen keine befriedigende Politur, nötig ist eine Endpolitur mit Diamant in drei Mikrometer Körnung. Arbeiten Sie die Körnungsfolge sauber ab und überspringen Sie keine Stufe, sonst bleiben Schleifspuren im weicheren Anteil stehen. Klüftiges Material sollte vor dem Schleifen mit dünnflüssigem Kunstharz getränkt werden, sonst bricht es an den Nadelgrenzen aus. Übliche Formen sind flache bis mittelhohe Cabochons, Platten, Kugeln und Trommelsteine; facettiert wird das undurchsichtige Material praktisch nie. Rechnen Sie außerdem mit längeren Polierzeiten als bei Achat oder Jaspis, weil jede Stufe den weicheren Anteil stärker abträgt als den harten.
