Interferenz statt Pigment
Die Grundfarbe des Nuummits ist unspektakulär: dunkelgrau, bräunlichschwarz bis schwarz, verursacht vom Eisengehalt der beiden Amphibole. Alles, was den Stein interessant macht, ist kein Farbstoff, sondern ein optischer Effekt. In den Nadeln wechseln sich Gedrit- und Anthophyllitlamellen im Submikrometerbereich ab. Licht, das auf diese Stapel trifft, wird an jeder Grenzfläche teilweise reflektiert; die Teilwellen überlagern sich, löschen bestimmte Wellenlängen aus und verstärken andere. Welche Farbe sichtbar wird, hängt direkt von der Lamellendicke ab. Gemessen wurden Gedritlagen um 0,8 und Anthophyllitlagen um 0,2 Mikrometer, in den lebhaftesten Partien liegen beide unter 0,2 Mikrometern. Weil jede Nadel ihre eigene Lamellendicke und ihre eigene Orientierung hat, schillert Nuummit nicht flächig, sondern in tausenden einzelnen Strichen, die beim Kippen nacheinander aufleuchten. Für die Kaufpraxis folgt daraus ein einfacher Test: Kippen Sie den Stein und beobachten Sie, ob die Reflexe wandern und dabei die Farbe wechseln. Genau das unterscheidet echten Interferenzschiller von starrem Metallglanz.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Grönländischer Nuummit, feinnadelig | schwarzgraue Grundmasse, Schiller in Grün, Blau, Gelb, Gold und Rot nebeneinander | das gesuchteste Material; breitestes Farbspektrum, weil die Entmischungslamellen sehr fein sind |
| Grönländischer Nuummit, mittelgrob | Schiller überwiegend Gold bis Kupferrot, wenig Farbwechsel | Nadeln etwa 0,5 bis 2 cm; ruhiger, sehr satter Gesamteindruck |
| Grobnadeliges Orthoamphibolit | schwarzgrau, schillerfrei | Kristalle über 15 cm; als Schmuckstein wertlos, kommt als Rohstück in den Mineralienhandel |
| Sahara-Nuummit, auch Jenakit | Schiller blau bis blaugrün, teils goldgelb, selten reines Blau | Zentralmauretanien, seit 2009; Blau wird auf Titan im Anthophyllit zurückgeführt, Dichte etwa 2,98 g/cm³ |
| Finnischer Nuummit | graubraun bis schwarz, Schiller golden bis grünlich, oft fleckig verteilt | Kainuanmäki, Kangasjärvi, Perniö; höherer Hornblendeanteil, schillerfreie Partien häufiger |
| Sulfidreiche Ware | messinggelbe bis bronzene Bänder in dunkler Grundmasse | Pyrit, Pyrrhotin, Kupferkies; kein Schiller, sondern Metallglanz, poliert schwieriger aus |
| Coppernite, Star Galaxy, Black Galaxy | schwarz mit kupferfarbenen Blitzen an eckigen Körnern | Gabbro aus Indien und China mit Plagioklas und Enstatit; kein Nuummit, wird aber als solcher angeboten |
Die Korngröße steuert das Farbspektrum
Zwischen Korngröße und Schillerfarbe besteht ein klarer Zusammenhang, den Sie beim Kauf nutzen können. Feinkörniges Material mit kurzen, dünnen Nadeln zeigt das breiteste Spektrum: Grün, Metallblau, Gelb, Gold, Rot und selten Violett nebeneinander. Mittleres Material mit Nadeln von etwa 0,5 bis 2 Zentimetern schillert überwiegend golden bis rötlich, oft in sehr kräftigem Kupferton, aber mit weniger Farbwechsel. Sehr grobes Material mit Kristallen über 15 Zentimeter zeigt gar keinen Schiller mehr, weil die Entmischungslamellen dort zu grob geworden sind. Wer also ein vielfarbiges Stück sucht, greift zu feinnadeliger Ware; wer eine ruhige, satte Kupferfläche will, nimmt mittelgrobes Material. Dazu kommen die messinggelben Reflexe der Sulfide, die technisch kein Schiller sind, den Gesamteindruck aber mitprägen. Auch Übergänge innerhalb eines Stücks sind häufig, wenn die Verformung über die Fläche hinweg abnimmt. Solche Stücke zeigen auf einer Seite Mehrfarbenschiller und auf der anderen nur noch mattes Schwarz.
Handelsnamen: Sahara-Nuummit, Jenakit und Star Galaxy
Unter dem Namen Nuummit läuft heute mehr als ein Material. Das mauretanische Gestein aus der zentralen Sahara, seit 2009 im Handel, wird als Sahara-Nuummit oder Jenakit angeboten. Es ist mineralogisch ebenfalls ein Orthoamphibolgestein, schillert aber überwiegend blau bis blaugrün; verantwortlich ist ein Titangehalt in den Anthophyllitnadeln. Reines Blau gilt als besonders gesucht. Finnisches Material aus Kainuu und Nordkarelien wird schlicht als finnischer Nuummit gehandelt, im Handel tauchen dafür auch lokale Flurnamen wie Jouttiaapa auf. Davon klar zu trennen sind die indischen und chinesischen Gabbros, die als Coppernite, Copperlite, Star Galaxy oder Black Galaxy Granite verkauft und gelegentlich als Nuummit ausgegeben werden. Diese bestehen aus Plagioklas und Enstatit und haben mit Amphibolen nichts zu tun. Für Sie ist die Unterscheidung einfacher, als sie klingt: Nadeln bedeuten Nuummit, eckige Körner bedeuten Gabbro. Ein Blick mit der zehnfachen Lupe genügt in den meisten Fällen.
