Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Nuummit Lexikon · Farben & Varietäten

Nuummit – Farben & Varietäten

Nuummit

Interferenz statt Pigment

Die Grundfarbe des Nuummits ist unspektakulär: dunkelgrau, bräunlichschwarz bis schwarz, verursacht vom Eisengehalt der beiden Amphibole. Alles, was den Stein interessant macht, ist kein Farbstoff, sondern ein optischer Effekt. In den Nadeln wechseln sich Gedrit- und Anthophyllitlamellen im Submikrometerbereich ab. Licht, das auf diese Stapel trifft, wird an jeder Grenzfläche teilweise reflektiert; die Teilwellen überlagern sich, löschen bestimmte Wellenlängen aus und verstärken andere. Welche Farbe sichtbar wird, hängt direkt von der Lamellendicke ab. Gemessen wurden Gedritlagen um 0,8 und Anthophyllitlagen um 0,2 Mikrometer, in den lebhaftesten Partien liegen beide unter 0,2 Mikrometern. Weil jede Nadel ihre eigene Lamellendicke und ihre eigene Orientierung hat, schillert Nuummit nicht flächig, sondern in tausenden einzelnen Strichen, die beim Kippen nacheinander aufleuchten. Für die Kaufpraxis folgt daraus ein einfacher Test: Kippen Sie den Stein und beobachten Sie, ob die Reflexe wandern und dabei die Farbe wechseln. Genau das unterscheidet echten Interferenzschiller von starrem Metallglanz.

Varietät Farbe Bemerkung
Grönländischer Nuummit, feinnadeligschwarzgraue Grundmasse, Schiller in Grün, Blau, Gelb, Gold und Rot nebeneinanderdas gesuchteste Material; breitestes Farbspektrum, weil die Entmischungslamellen sehr fein sind
Grönländischer Nuummit, mittelgrobSchiller überwiegend Gold bis Kupferrot, wenig FarbwechselNadeln etwa 0,5 bis 2 cm; ruhiger, sehr satter Gesamteindruck
Grobnadeliges Orthoamphibolitschwarzgrau, schillerfreiKristalle über 15 cm; als Schmuckstein wertlos, kommt als Rohstück in den Mineralienhandel
Sahara-Nuummit, auch JenakitSchiller blau bis blaugrün, teils goldgelb, selten reines BlauZentralmauretanien, seit 2009; Blau wird auf Titan im Anthophyllit zurückgeführt, Dichte etwa 2,98 g/cm³
Finnischer Nuummitgraubraun bis schwarz, Schiller golden bis grünlich, oft fleckig verteiltKainuanmäki, Kangasjärvi, Perniö; höherer Hornblendeanteil, schillerfreie Partien häufiger
Sulfidreiche Waremessinggelbe bis bronzene Bänder in dunkler GrundmassePyrit, Pyrrhotin, Kupferkies; kein Schiller, sondern Metallglanz, poliert schwieriger aus
Coppernite, Star Galaxy, Black Galaxyschwarz mit kupferfarbenen Blitzen an eckigen KörnernGabbro aus Indien und China mit Plagioklas und Enstatit; kein Nuummit, wird aber als solcher angeboten

Die Korngröße steuert das Farbspektrum

Zwischen Korngröße und Schillerfarbe besteht ein klarer Zusammenhang, den Sie beim Kauf nutzen können. Feinkörniges Material mit kurzen, dünnen Nadeln zeigt das breiteste Spektrum: Grün, Metallblau, Gelb, Gold, Rot und selten Violett nebeneinander. Mittleres Material mit Nadeln von etwa 0,5 bis 2 Zentimetern schillert überwiegend golden bis rötlich, oft in sehr kräftigem Kupferton, aber mit weniger Farbwechsel. Sehr grobes Material mit Kristallen über 15 Zentimeter zeigt gar keinen Schiller mehr, weil die Entmischungslamellen dort zu grob geworden sind. Wer also ein vielfarbiges Stück sucht, greift zu feinnadeliger Ware; wer eine ruhige, satte Kupferfläche will, nimmt mittelgrobes Material. Dazu kommen die messinggelben Reflexe der Sulfide, die technisch kein Schiller sind, den Gesamteindruck aber mitprägen. Auch Übergänge innerhalb eines Stücks sind häufig, wenn die Verformung über die Fläche hinweg abnimmt. Solche Stücke zeigen auf einer Seite Mehrfarbenschiller und auf der anderen nur noch mattes Schwarz.

Handelsnamen: Sahara-Nuummit, Jenakit und Star Galaxy

Unter dem Namen Nuummit läuft heute mehr als ein Material. Das mauretanische Gestein aus der zentralen Sahara, seit 2009 im Handel, wird als Sahara-Nuummit oder Jenakit angeboten. Es ist mineralogisch ebenfalls ein Orthoamphibolgestein, schillert aber überwiegend blau bis blaugrün; verantwortlich ist ein Titangehalt in den Anthophyllitnadeln. Reines Blau gilt als besonders gesucht. Finnisches Material aus Kainuu und Nordkarelien wird schlicht als finnischer Nuummit gehandelt, im Handel tauchen dafür auch lokale Flurnamen wie Jouttiaapa auf. Davon klar zu trennen sind die indischen und chinesischen Gabbros, die als Coppernite, Copperlite, Star Galaxy oder Black Galaxy Granite verkauft und gelegentlich als Nuummit ausgegeben werden. Diese bestehen aus Plagioklas und Enstatit und haben mit Amphibolen nichts zu tun. Für Sie ist die Unterscheidung einfacher, als sie klingt: Nadeln bedeuten Nuummit, eckige Körner bedeuten Gabbro. Ein Blick mit der zehnfachen Lupe genügt in den meisten Fällen.

Häufige Fragen

Gibt es blauen Nuummit?
Ja, aber überwiegend aus Mauretanien. Dort schillern die Anthophyllitnadeln blau bis blaugrün, was auf einen Titangehalt zurückgeführt wird. Grönländisches Material zeigt Blau ebenfalls, meist aber nur als eine Farbe unter mehreren und seltener flächig. Rein blaue Stücke sind in beiden Herkünften der kleinere Teil der Produktion und entsprechend teurer. Prüfen Sie bei blauer Ware immer, ob die Herkunft ausgewiesen ist.
Bleicht der Schiller mit der Zeit aus?
Nein. Der Effekt beruht auf Interferenz an einer festen Lamellenstruktur, nicht auf einem Farbstoff, der zerfallen könnte. Bei über einem Jahr Sonnenlichtexposition wurde in der gemmologischen Untersuchung keine Veränderung festgestellt. Matt wirkende Stücke haben in aller Regel eine abgenutzte Politur, kein verblasstes Farbspiel; Nachpolieren stellt den Effekt wieder her.
Sind die goldgelben Bänder auch Schiller?
Meist nicht. Breite, durchgehende messingfarbene Bänder sind eingelagerte Sulfide, überwiegend Pyrit und Pyrrhotin. Sie leuchten metallisch, wechseln beim Kippen aber die Farbe nicht. Echter Schiller wandert und wechselt beim Drehen zwischen Grün, Gold und Blau. Große Sulfidflächen gelten eher als Qualitätsminderung, weil sie sich schlecht auspolieren lassen.