Typlokalität: der äußere Godthåbsfjord bei Nuuk
Der Name sagt die Herkunft: Nuummit bedeutet auf Grönländisch so viel wie aus Nuuk stammend. Die Typlokalität liegt im äußeren Godthåbsfjord in der Kommune Sermersooq, im Umfeld der grönländischen Hauptstadt. Bekannt sind acht Vorkommen innerhalb eines Radius von rund 50 Kilometern um Nuuk. Die genauen Koordinaten wurden vom abbauenden Unternehmen schon in den achtziger Jahren vertraulich behandelt und sind bis heute nicht allgemein publiziert. Das Gelände ist lizenziert; Gewinnung und Ausfuhr unterliegen dem grönländischen Rohstoffrecht, das seit dem Mineral Resources Act von 2009 auch geregelte Kleinabbaulizenzen kennt. Erreichbar sind die Aufschlüsse nur per Boot, und die Saison ist kurz. Dieser logistische Aufwand ist der eigentliche Preistreiber, nicht die Seltenheit des Gesteins als solches. Hinzu kommt, dass das Material in dünnen Lagen sitzt und von Hand aus dem Anstehenden gelöst werden muss. Maschineneinsatz lohnt bei diesen Mengen nicht, die Gewinnung bleibt Handarbeit mit Hammer und Meißel.
| Fundort | Land | Besonderheit |
|---|---|---|
| Äußerer Godthåbsfjord bei Nuuk, Sermersooq | Grönland | Typlokalität; acht Vorkommen im Umkreis von 50 km, lizenziertes Gelände, nur per Boot erreichbar, genaue Punkte nicht publiziert |
| Malene-Supracrustals im Raum Nuuk | Grönland | archaische Abfolge mit Kissenlaven und Sedimentschichtung, über 3 Milliarden Jahre alt; Wirtsgestein des gesamten Materials |
| Zentrale Sahara, Zentralmauretanien | Mauretanien | seit 2009; Handelsnamen Sahara-Nuummit und Jenakit, überwiegend blauer Schiller, Dichte etwa 2,98 g/cm³ |
| Kainuanmäki bei Paltamo, Kainuu | Finnland | 1990 kartiert, 1993 untersucht, seit Oktober 2022 Probeabbau; 40 bis 80 Volumenprozent Anthophyllit-Gedrit |
| Kangasjärvi bei Outokumpu, Nordkarelien | Finnland | schillerndes Orthoamphibolgestein aus dem Umfeld der alten Kupfergrube, überwiegend Sammlermaterial |
| Perniö, Südwestfinnland | Finnland | Rohmaterial wird kiloweise an Schleifer abgegeben, Qualität stark schwankend |
| Wyoming, New Hampshire, Massachusetts | USA | Orthoamphibolite mit Schiller, sehr kleine Mengen, praktisch kein Handelsgewicht |
| Südnorwegen und Kanada | Norwegen, Kanada | vergleichbare Gesteine bekannt, bisher ohne nennenswerte Schmucksteinproduktion |
Mauretanien: das blaue Material seit 2009
2009 tauchte in der zentralen Sahara Mauretaniens ein zweites schillerndes Orthoamphibolgestein auf. Es wird als Sahara-Nuummit oder unter dem Handelsnamen Jenakit verkauft. Mineralogisch handelt es sich wie beim grönländischen Material um eine Verwachsung von Anthophyllit und Gedrit, die Nadeln sind aber oft dichter gepackt und schillern überwiegend blau bis blaugrün. Die Dichte liegt mit etwa 2,98 g/cm³ unter der des grönländischen Materials, der Brechungsindex mit 1,649 bis 1,669 etwas höher, und das Gestein bleibt unter lang- und kurzwelligem UV inert. Optisch sind beide Herkünfte mit bloßem Auge schwer zu unterscheiden, besonders bei goldschillernder Ware. Mengenmäßig deckt Mauretanien inzwischen einen erheblichen Teil des Marktes ab, ohne dass dies beim Verkauf immer offengelegt wird. Wer ein Stück mit flächigem Blauschiller sucht, findet es dort meist schneller und günstiger als in grönländischer Ware. Der Aufschlag für die grönländische Provenienz ist ein Sammler-, kein Qualitätsargument.
Finnland und die übrigen Vorkommen
Finnland hat sich zur dritten ernstzunehmenden Quelle entwickelt. Das Vorkommen bei Kainuanmäki nahe Paltamo in Kainuu wurde 1990 bei einer geologischen Kartierung gefunden und 1993 von der Geologischen Landesanstalt untersucht. Grobkörnige Partien enthalten dort 40 bis 80 Volumenprozent Anthophyllit-Gedrit bei 0 bis 10 Prozent Hornblende, feinkörnige Partien deutlich mehr Hornblende. Seit Oktober 2022 läuft dort ein Probeabbau. Weitere finnische Vorkommen liegen bei Kangasjärvi nahe der alten Grube Outokumpu, bei Perniö sowie im Raum Helsinki und in Savo. Vergleichbare Gesteine sind aus Südnorwegen, aus Wyoming, New Hampshire und Massachusetts sowie aus Kanada bekannt, spielen im Schmuckhandel aber kaum eine Rolle. Für Sie heißt das: Die Verfügbarkeit hat zugenommen, die Herkunftsangabe damit an Bedeutung gewonnen. Preislich liegt finnisches Material derzeit unter dem grönländischen, weil die Produktion noch im Aufbau steht und die Qualität von Charge zu Charge schwankt.
