Kissenlaven und Meeresbodensedimente im Archaikum
Das grönländische Nuummitmaterial steckt in den sogenannten Malene-Supracrustals, einer Abfolge archaischer Gesteine, die älter als drei Milliarden Jahre ist. In dieser Abfolge sind noch sedimentäre Schichtung und Kissenlaven erkennbar, beides Hinweise auf eine Ablagerung am Meeresboden. Ausgangsmaterial waren also magnesium- und eisenreiche Vulkanite und die dazugehörigen Sedimente, nicht ein einzelnes Ganggestein. Ein Teil der Literatur nennt stattdessen Peridotit als Muttergestein; die gemmologische Primärarbeit von 1987 beschreibt dagegen ausdrücklich die vulkanisch-sedimentäre Abfolge, und diese Deutung trägt die Feldbefunde besser. Datierungen ordnen die magmatische Anlage etwa 2800 Millionen Jahren zu, die beiden metamorphen Überprägungen rund 2700 und 2500 Millionen Jahren. Der Schmuckstein ist damit älter als jedes Leben, das größer war als eine Bakterienmatte. Für die Praxis heißt das: Das Wirtsgestein ist ein Orthoamphibolit, der als dünne Lage in einer viel mächtigeren Gneis- und Amphibolitabfolge steckt. Nur diese Lagen führen schillerndes Material, das umgebende Gestein ist schmucksteintechnisch wertlos.
Amphibolitfazies, Entmischung und die Rolle der Verformung
Damit aus einem magnesiumreichen Ausgangsgestein Orthoamphibol wird, braucht es Temperaturen von mindestens 550 Grad Celsius bei mittlerem Druck, also Amphibolitfazies. Unter diesen Bedingungen kristallisierte zunächst ein einheitlicher, aluminiumhaltiger Orthoamphibol. Erst beim langsamen Abkühlen wurde dieser Mischkristall instabil und entmischte sich in abwechselnde Lagen von aluminiumreichem Gedrit und aluminiumärmerem Anthophyllit. Genau diese Entmischung liefert später den Schiller. Entscheidend für die Schleifwürdigkeit ist die anschließende Verformung: Das brauchbare Material konzentriert sich in Zonen hoher Deformation, vor allem in Faltenscharnieren, wo die Nadeln eingeregelt und zu dichten Bündeln zusammengeschoben wurden. Ruhige Bereiche liefern grobes, schillerarmes Gestein. Deshalb sind die abbauwürdigen Lagen dünn und räumlich eng begrenzt, obwohl Orthoamphibolit selbst nicht selten ist. Wichtig ist außerdem die Chemie des Ausgangsgesteins: Es muss magnesiumreich und vergleichsweise calciumarm sein. Bei höherem Calciumgehalt kristallisiert statt Anthophyllit und Gedrit die gewöhnliche Hornblende, und der Schiller bleibt vollständig aus.
Paragenese: Sulfide als Begleiter und als Problem
Zur Gesellschaft des Nuummits gehören neben Anthophyllit und Gedrit regelmäßig Hornblende, Biotit, Cordierit, Quarz, Plagioklas und Granat. Wirtschaftlich und optisch am wichtigsten sind jedoch die Sulfide: Pyrit, Pyrrhotin und Kupferkies. Sie sitzen in schmalen Lagen und Nestern und erzeugen im polierten Stein gelbe bis messingfarbene Bänder, die viele Käufer fälschlich für Schiller halten. Der Pyrrhotin ist außerdem magnetisch und macht grönländische Stücke oft deutlich magnetisch, was sich mit einem kräftigen Neodym-Magneten prüfen lässt. Für die Verarbeitung sind die Sulfide ein Nachteil: Sie sind weicher als die Amphibolnadeln, arbeiten sich beim Polieren zu Vertiefungen aus und reagieren empfindlich auf Säuren und Feuchtigkeit. Stücke mit breiten Sulfidbändern sehen im Rohzustand spektakulär aus und lassen sich schlechter sauber auspolieren. Prüfen Sie ein Rohstück deshalb vor dem Kauf auf den Sulfidanteil; er lässt sich an der messingfarbenen, unbeweglichen Färbung erkennen und mindert die polierbare Fläche.
