Cabochon und Schnitzarbeit: mehr Formen gibt es nicht
Maw-sit-sit ist undurchsichtig, und damit ist die Frage nach dem Schliff schon beantwortet. Facetten hätten nichts zu brechen; sie würden das Muster zerschneiden, statt es zu zeigen. Sinnvoll sind ausschließlich Formen mit geschlossener, gewölbter oder ebener Fläche: flache bis mittelhohe Cabochons in oval, rund, Kissen- und Tropfenform, freie Formen entlang der Zeichnung, Platten und Inlays, Perlen und Armreifen sowie Schnitzarbeiten. Gerade die Schnitzerei hat bei diesem Material Tradition, weil sich die schwarzen Adern in ein Motiv einbeziehen lassen. Vereinzelt werden facettierte Steine angeboten, meist als Sammlerkuriosität; einen gestalterischen Gewinn bringen sie nicht. Für Anhänger und Broschen sind flache Cabochons die bessere Wahl, weil sie mehr Fläche für die Zeichnung bieten und in der Fassung weniger auftragen. Kalibrierte Maße wie 18 mal 13 oder 25 mal 18 Millimeter sind im Handel erhältlich, freie Formen entlang der Adern wirken jedoch fast immer lebendiger.
Die eigentliche Schwierigkeit: drei Härten in einem Stein
Beim Schleifen macht sich bemerkbar, dass Maw-sit-sit ein Gemenge ist. Albit liegt bei Mohs 6 bis 6,5, die Pyroxene erreichen 6,5 bis 7, Chromit ist mit rund 5,5 weicher, aber spröde. Auf der Vorpolitur arbeitet sich das weichere Material schneller ab, und es entsteht eine leicht wellige Oberfläche, die im Streiflicht sofort auffällt. Die Abhilfe ist bekannt: hart unterlegte Schleifmittel, vorsichtiger Druck, keine zu schnellen Körnungssprünge und eine Endpolitur mit Diamantpaste auf einer festen Unterlage statt auf Leder. Die Pyroxene besitzen für sich eine gute prismatische Spaltbarkeit, die sich am Aggregat zwar nicht als durchgehende Spaltfläche zeigt, aber Ausbrüche an Kanten begünstigen kann. Insgesamt ist das Material sehr zäh; gefährlich sind nicht Schläge, sondern Kanten, die zu dünn ausgeschliffen werden.
Ausbeute und Orientierung: das Beste aus dem Rohblock
Die Ausbeute entscheidet bei diesem Stein über die Wirtschaftlichkeit. Rohblöcke sind häufig von Klüften durchzogen und zeigen erst nach dem Sägen, wie weit das kräftige Grün reicht. Erfahrene Schleifer sägen deshalb zunächst eine dünne Probescheibe, nässen sie an und legen die Schnittrichtung erst danach fest. Maßgeblich ist die Zeichnung: Eine schwarze Ader, die diagonal über den Cabochon läuft, wirkt besser als eine, die eine Ecke abschneidet, und eine große weiße Albitzone verschenkt Fläche. Weil das Material nicht durchscheinend ist, spielt die Tiefe kaum eine Rolle; der Stein darf flach ausfallen und spart so Gewicht in der Fassung. Rechnen Sie damit, dass aus einem Rohblock je nach Klüftung nur ein Bruchteil in gute Cabochons geht. Der Rest liefert Perlen, Trommelsteine und Inlaymaterial.
