Typlokalität Maw-sit-sit: ein Dorf gibt dem Gestein den Namen
Die Typlokalität ist zugleich die einzige bekannte Lagerstätte. Sie liegt beim Dorf Maw-sit-sit unweit von Tawmaw im Hpakant-Tawmaw Jade Tract, Hpakant Township im Mohnyin-Distrikt des Kachin-Staates; ältere gemmologische Literatur ordnet den Ort dem Distrikt Myitkyina-Mogaung zu. Das Gebiet liegt im Vorland des Himalaya, schwer zugänglich und mehrere Hundert Kilometer von Mandalay entfernt. Der Handel nennt daneben die benachbarten Stellen Kansi und Namshawa, die aber demselben Gangsystem angehören. Abgebaut wird sowohl aus anstehenden Gängen im metamorph überprägten Peridotitkörper als auch aus alluvialen Geröllen und Blöcken. Dass trotz jahrzehntelanger Suche in den Jadeitgebieten Guatemalas, Japans, Kaliforniens, Russlands und der Türkei kein zweites Maw-sit-sit-Vorkommen bekannt wurde, macht dieses Gestein zu einem der räumlich am engsten begrenzten Schmucksteine überhaupt. Für den Käufer hat das zwei Folgen: Eine Herkunftsangabe außerhalb Myanmars ist bei Maw-sit-sit immer ein Warnzeichen, und die Menge im Markt hängt allein davon ab, ob in diesem einen Revier gerade gefördert werden kann.
| Fundort | Land | Besonderheit |
|---|---|---|
| Dorf Maw-sit-sit bei Tawmaw, Hpakant Township, Kachin-Staat | Myanmar | Typlokalität und weltweit einziges bekanntes Vorkommen |
| Tawmaw | Myanmar | historisches Jadeitrevier; erster bedeutender irdischer Fundort von Kosmochlor |
| Hpakant-Tawmaw Jade Tract | Myanmar | Rahmen des Abbaus; Gänge im metamorph überprägten Peridotitkörper |
| Kansi und Namshawa | Myanmar | im Handel genannte Nebenfundstellen desselben Gangsystems |
| alluviale Gerölle und Blöcke im Abbaugebiet | Myanmar | verwitterungsbeständiges Material aus Fluss- und Hangschutt |
| Toluca-Eisenmeteorit | Mexiko | Typlokalität des Minerals Kosmochlor, 1897; kein Schmucksteinmaterial |
| Jadeitite in Guatemala, Japan, Kalifornien, Russland, Türkei | verschiedene | chromhaltige Jadeitite bekannt, aber kein Maw-sit-sit |
Der Jadegürtel Myanmars und warum Maw-sit-sit dort auftritt
Das Vorkommen ist kein Zufall. Der Jadegürtel Myanmars entstand bei der Subduktion der östlichen Indischen Platte und bietet genau die Bedingungen, die Jadeitit und Maw-sit-sit gemeinsam brauchen: hohen Druck, niedrige Temperatur und natriumreiche Fluide, die einen großen Serpentinitkörper durchsetzen. Was Maw-sit-sit von der Jade unterscheidet, ist die unmittelbare Nachbarschaft zu chromitreichen Zonen dieses Serpentinits. Nur wo die Fluide auf Chromit trafen, konnte Chrom in solchen Mengen in die neu gebildeten Pyroxene eingehen. Deshalb liegen die Maw-sit-sit-Gänge unmittelbar neben den berühmten Jadeitrevieren, liefern aber ein ganz anderes Material. Für den Handel hat das eine praktische Folge: Beide Steine kommen aus derselben Gegend, werden von denselben Leuten gefördert und gehen über dieselben Wege in den Verkauf. Verwechslungen sind deshalb an der Quelle angelegt.
Sanktionen und Kachin-Konflikt: der Stand bei der Einfuhr
Die Verfügbarkeit hängt heute weniger von der Geologie ab als von der politischen Lage. Nach dem Militärputsch vom Februar 2021 listeten die Vereinigten Staaten, die Europäische Union und das Vereinigte Königreich die staatliche Myanma Gems Enterprise, die Schürflizenzen vergibt und die offiziellen Verkaufsmessen ausrichtet. Ein pauschales Einfuhrverbot für Schmucksteine aus Myanmar kennt das EU-Recht nicht; die Maßnahmen sind personen- und unternehmensbezogen und verbieten es, gelisteten Stellen Gelder oder wirtschaftliche Ressourcen zur Verfügung zu stellen. In der Praxis heißt das: Der offizielle Weg über die staatlichen Emporien ist versperrt, und jeder Importeur muss die Lieferkette selbst belegen. Hinzu kommt der bewaffnete Konflikt; das Abbaugebiet Hpakant ging ab Herbst 2024 weitgehend an die Kachin Independence Army über, Transportwege und Grenzübergänge sind unzuverlässig. Prüfen Sie vor jedem Import den tagesaktuellen Stand der Sanktionslisten.
