Cr³⁺ als Farbträger: Gehalte, wie sie kaum ein Schmuckstein erreicht
Das Grün von Maw-sit-sit beruht auf dreiwertigem Chrom. In den Pyroxenen besetzt es die Position, die sonst Aluminium oder Magnesium einnimmt, und erzeugt dort Absorptionsbanden im Rot und im Blauvioletten; übrig bleibt ein Durchlassfenster im Grün. Es ist derselbe Mechanismus, der Smaragd und Chromdiopsid färbt. Im Kosmochlor ist Chrom nicht nur Spurenelement, sondern Formelbestandteil: NaCr(Si2O6). Die 2025 veröffentlichte Untersuchung hochwertigen Materials ermittelte im Chrom-Omphacit Gehalte von 11,01 bis 13,21 Gewichtsprozent Cr2O3. Zum Vergleich: In einem guten Smaragd liegt der Chromgehalt im Bereich von Zehntelprozenten. Geology.com bezeichnet Maw-sit-sit deshalb als das chromreichste bekannte Schmuckgestein. Ein Handspektroskop hilft bei der Bestimmung trotzdem kaum weiter, weil das Aggregat so viel Licht streut, dass die Chromlinien im Rot meist nicht sauber hervortreten. Für die Farbwirkung heißt der hohe Gehalt allerdings: Das Grün bleibt auch bei schwacher Beleuchtung gesättigt und kippt nicht ins Gräuliche.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Maw-sit-sit, Handelsqualität | leuchtend chromgrün mit schwarzer Zeichnung | häufigste Ausbildung; Dichte meist um 2,7 bis 2,9 |
| kosmochlorreiche Partien | dunkelgrün bis schwarzgrün, lebhafter Glanz | höchste Dichte und höchster Brechungsindex im Gestein |
| albitreiche Verwachsung mit Chrom-Omphacit | smaragdgrün auf hellem Grund | gemessen 2,69 bis 2,73 g/cm³ und Brechungsindex 1,55 bis 1,56 |
| jadeitreiche Partien | kräftiges, feinkörniges Grün | Spotwert steigt auf 1,65 bis 1,67, Dichte Richtung 3,2 |
| Kyet tayoe | blasses, helles Grün | burmesischer Handelsname für chromärmere Ware |
| Chromitzeichnung | tiefschwarz | opake Erzkörner aus dem Ausgangsgestein, stumpferer Glanz |
| albitreiche Zonen | weiß bis hellgrau | weicher als die Pyroxene, senken Dichte und Brechungsindex |
| Chromjadeit, Jade-Albit, Chrome Jade | kein eigener Farbtyp | reine Handelsnamen, mineralogisch irreführend |
Das Schwarz und das Weiß: Chromit, Kosmochlornester und Albit
Die Zeichnung ist das zweite Gestaltungsmittel dieses Gesteins, und sie hat zwei Ursachen. Die tiefschwarzen Punkte, Adern und Schlieren gehen überwiegend auf Chromit zurück, ein opakes Erzmineral aus der Spinellgruppe, das als Relikt des Ausgangsgesteins überlebt hat. Daneben verdunkeln sich besonders kosmochlorreiche Zonen bis ins Schwarzgrüne; sie unterscheiden sich vom Chromit durch ihren deutlich lebhafteren Glanz auf der polierten Fläche, was bei der Beurteilung eines Cabochons hilft. Die weißen und hellgrauen Partien sind dagegen schlicht chromarmer Albit. Weil Albit weicher ist als die Pyroxene, zeichnen sich diese Bereiche auf einer alten Politur häufig als leicht vertiefte Zonen ab. Wer die drei Bestandteile am Stück unterscheiden kann, erkennt Maw-sit-sit meist schon mit der Lupe, noch bevor Dichte und Brechungsindex gemessen sind.
Handelsnamen: Chromjadeit, Jade-Albit und Kyet tayoe
Für Maw-sit-sit kursieren mehrere Namen, und keiner davon ist unproblematisch. Chromjadeit und Chrome Jade suggerieren eine Jadeitvarietät, obwohl Jadeit oft nur einen Nebenbestandteil bildet oder ganz fehlt. Jade-Albit oder Jade Albite beschreibt zwar den albitreichen Typ zutreffender, bleibt aber ein Handelsname. Vereinzelt wird auch Chloromelanit verwendet, was mineralogisch etwas anderes bezeichnet, nämlich einen dunklen eisenreichen Pyroxen. Als eigene Varietät führt der Handel Kyet tayoe, ein burmesischer Name für hellere, blassgrüne Ware. Gelegentlich taucht auch Kosmochlor-Jade auf. Für die Praxis gilt: Verlangen Sie die Bezeichnung Maw-sit-sit zusammen mit der Herkunftsangabe Kachin oder Tawmaw. Ein Angebot, das ausschließlich mit Jade wirbt, lässt offen, ob Sie Maw-sit-sit, echten Jadeit oder gefärbten Serpentin erhalten. Umgekehrt wird echtes Maw-sit-sit im Herkunftsland selbst häufig als Jade gehandelt, weil dieser Name auf dem asiatischen Markt mehr Geld einbringt. Die Namensverwirrung läuft also in beide Richtungen.
