Wofür Gaspeit taugt — und wofür nicht
Gaspeit ist ein Stein für Schmuckstücke, die wenig einstecken müssen. Anhänger, Broschen, Ohrschmuck und Inlayarbeiten sind seine Domäne; klassisch erscheint er in Sterlingsilber gefasst und mit Türkis, Koralle, Lapislazuli oder Muschel kombiniert. Für Ringe, die täglich getragen werden, und für Armbänder ist er nur eingeschränkt geeignet. Die Gründe sind die Härte von 4,5 bis 5, die rhomboedrische Spaltbarkeit, die Sprödigkeit und die Empfindlichkeit gegen Säuren — eine gemmologische Quelle vermerkt ausdrücklich, dass schon Essig den Stein angreift und auflöst. Handschweiß, Obstsäfte, Reinigungsmittel und Kosmetik sind im Alltag eines Rings allgegenwärtig. Wenn es ein Ring sein soll, dann als Schmuckstück für besondere Anlässe, mit hohem Zargenrand und möglichst flachem Stein. Die Farbe ist dabei der eigentliche Grund, zu Gaspeit zu greifen: Ein solches Apfelgrün mit braunem Adernetz bietet kein anderer Schmuckstein in dieser Preisklasse.
Nickel im Stein: Hautkontakt und die EU-Regel
Nickelallergie ist die häufigste Kontaktallergie der Industrieländer: Angaben liegen bei acht bis neunzehn Prozent der Erwachsenen und acht bis zehn Prozent der Kinder, Frauen sind vier- bis zehnmal häufiger betroffen. Sie ist eine Typ-IV-Reaktion; entscheidend ist, wieviel Nickel eine Oberfläche freisetzt, nicht wieviel der Gegenstand insgesamt enthält. Die EU regelt das in REACH, Anhang XVII, Eintrag 27, hervorgegangen aus der Nickelrichtlinie von 1994 und seit dem 1. Juni 2009 Teil von REACH: höchstens 0,5 Mikrogramm je Quadratzentimeter und Woche bei direktem und längerem Hautkontakt, höchstens 0,2 Mikrogramm bei Stiften in durchstochenen Körperstellen, gemessen nach EN 1811, bei beschichteten Teilen nach EN 12472 und über mindestens zwei Jahre einzuhalten. Ob diese Vorschrift auf einen mineralischen Schmuckstein anzuwenden ist, können wir nicht abschließend beantworten: Behördliche Merkblätter sprechen von „Metallprodukten“, andere Darstellungen von Gegenständen mit längerem Hautkontakt allgemein. Wir geben dazu keine Rechtsauskunft.
Was daraus praktisch folgt
Für Gaspeit selbst ist uns keine veröffentlichte Messung der Nickelfreisetzung bekannt. Das ist die ehrliche Auskunft: kein Beleg für ein Risiko, aber auch keine Entwarnung. Einordnen lässt sich die Größenordnung trotzdem. Die ECHA legt „längeren Hautkontakt“ als mehr als zehn Minuten bei drei oder mehr Gelegenheiten innerhalb von zwei Wochen aus, oder mehr als dreißig Minuten bei einer oder mehr Gelegenheiten. Eine Studie an 45 nickelallergischen Personen fand andererseits, dass Metallscheiben mit 6,77 und 8,44 Mikrogramm je Quadratzentimeter und Woche — dem Dreizehn- bis Siebzehnfachen des Grenzwerts — bei der Mehrzahl der Getesteten binnen zwei Stunden keine Reaktion auslösten. Unsere Empfehlung: Wer keine bekannte Nickelallergie hat, kann Gaspeit tragen wie jeden anderen weichen Stein. Wer allergisch ist, wählt Anhänger oder Brosche statt Ring und Armband, achtet auf eine geschlossene Zarge und legt den Schmuck vor dem Sport ab.
