Nickel als Hauptbestandteil: die Farbursache
Bei fast allen grünen Schmucksteinen erklärt sich die Farbe über Spurenelemente: Chrom im Smaragd, Nickel im Chrysopras, Vanadium im Grossular. Bei Gaspeit liegt der Fall anders. Nickel ist hier nicht Beimengung, sondern Baustein. Die Analyse des Typmaterials weist 35,0 Prozent NiO aus, und die Formel (Ni,Mg,Fe)CO3 stellt das Nickel auf denselben Gitterplatz, den im Magnesit das Magnesium und im Calcit das Calcium einnimmt. Das erklärt die Sattheit und die Gleichmäßigkeit der Farbe innerhalb einer Partie: Es gibt keine Zonen, in denen der Farbträger fehlt, weil der Farbträger das Mineral ist. Es erklärt auch, warum Gaspeit nicht ausbleicht wie ein gefärbter Stein und warum keine Farbbehandlungen bekannt sind — es gäbe nichts zu verbessern. Die Kehrseite ist ebenso direkt: Ein Stein, dessen Farbe vom Nickel kommt, ist ein Stein mit sehr viel Nickel. Das ist kein Gegenargument, aber eine Tatsache, die zum Stein gehört.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Gaspeit, kräftig | apfel- bis grasgrün | nickelreichere, dichte Partien; die gesuchteste Qualität |
| Gaspeit, blass | blass- bis mintgrün | magnesiumreicher; im Typmaterial sitzt fast so viel Magnesium wie Nickel im Gitter |
| Gaspeit, eisenreich | oliv- bis gelbgrün | höherer Eisenanteil; im Handel geringer bewertet |
| Gaspeit mit Matrix | grün mit braunem bis rotbraunem Netz | Reste des Muttergesteins, als Zeichnung geschätzt |
| „Lemon-Magnesit“, „Lemon-Chrysopras“ | gelb- bis zitronengrün | nickelhaltiger Magnesit, kein Gaspeit; Analyse zeigte nur Spuren Nickel und kein Eisen |
| „Apfeljade“, „Nickelquarz“, „Nickelin“ | grünweiß | irreführende Handelsnamen für nickelhaltigen Magnesit |
| Gefärbter Magnesit oder Howlith | türkis, grün | gefärbtes Material, vor allem als Türkisimitation; ungleichmäßige Farbverteilung |
| Hellyerit | hellblau bis leuchtend grün | anderes Nickelcarbonat, NiCO3 · 5,5 H2O, Härte 2,5 — kein Schmuckstein |
Von Blassgrün bis Olivgrün, mit braunem Netz
Das Farbspektrum reicht von blassem Grün über kräftiges Apfel- und Grasgrün bis zu oliv- und gelbgrünen Tönen. Die Ursache liegt im Mischkristall: Je mehr Magnesium den Nickelplatz besetzt, desto blasser wird der Ton — und Magnesium ist reichlich vorhanden, im Typmaterial fast so viel wie Nickel. Höhere Eisengehalte ziehen die Farbe ins Bräunlich-Olive. Der Strich ist gelbgrün und bestätigt die Zuordnung am Bruchstück. Typisch für die Schleifware ist das braune bis rotbraune Adernetz: Es sind Reste des Muttergesteins, in dem der Gaspeit gewachsen ist, und im Handel werden sie als Zeichnung ausdrücklich geschätzt, ähnlich der Matrix beim Türkis. Der Glanz reicht von glasig auf frischen Flächen bis matt an poröser Ware. Pleochroismus wird mit „keiner“ angegeben. Eine Handelsquelle nennt eine bläulichweiße bis weiße Fluoreszenz im kurz- und langwelligen UV; in den mineralogischen Quellen findet sich dazu nichts, wir führen die Angabe deshalb als unbestätigt.
Handelsnamen: „Lemon-Magnesit“, „Apfeljade“ und was dahintersteckt
Rund um den grünen Nickelstein hat sich eine ganze Familie von Handelsnamen gebildet, und die meisten meinen nicht Gaspeit. Nickelhaltiger, grünweißer Magnesit wird als „Nickelin“, „Nickelquarz“ oder „Apfeljade“ angeboten, obwohl weder Jade noch Quarz darin steckt. Als „Lemon-Magnesit“ oder — noch falscher — „Lemon-Chrysopras“ läuft Material aus den westaustralischen Eastern Goldfields, unter anderem von der Central Division Mine, von Lake Rebecca, aus dem Bulong-Goldfeld bei Lake Yindarlgooda sowie aus der Gegend von Kambalda, Wingellina und der Yundamindera Station. Untersuchungen der GIA ergaben, dass die Quarzadern in diesem Material farblos sind und deshalb nicht als Chrysopras bezeichnet werden dürfen. Eine Analyse von „Lemon-Magnesit“ fand neben Magnesium, Silizium und Kohlenstoff nur eine Spur Nickel und keinerlei Eisen — Gaspeit dagegen enthält Eisen. Seit 2004 wird zudem beobachtet, dass unter dem Namen Material ohne jedes Nickel verkauft wird. Lassen Sie sich die Bezeichnung „Gaspeit“ deshalb nicht durch einen Phantasienamen ersetzen.
