Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Gaspeit Lexikon · Farben & Varietäten

Gaspeit – Farben & Varietäten

Gaspeit

Nickel als Hauptbestandteil: die Farbursache

Bei fast allen grünen Schmucksteinen erklärt sich die Farbe über Spurenelemente: Chrom im Smaragd, Nickel im Chrysopras, Vanadium im Grossular. Bei Gaspeit liegt der Fall anders. Nickel ist hier nicht Beimengung, sondern Baustein. Die Analyse des Typmaterials weist 35,0 Prozent NiO aus, und die Formel (Ni,Mg,Fe)CO3 stellt das Nickel auf denselben Gitterplatz, den im Magnesit das Magnesium und im Calcit das Calcium einnimmt. Das erklärt die Sattheit und die Gleichmäßigkeit der Farbe innerhalb einer Partie: Es gibt keine Zonen, in denen der Farbträger fehlt, weil der Farbträger das Mineral ist. Es erklärt auch, warum Gaspeit nicht ausbleicht wie ein gefärbter Stein und warum keine Farbbehandlungen bekannt sind — es gäbe nichts zu verbessern. Die Kehrseite ist ebenso direkt: Ein Stein, dessen Farbe vom Nickel kommt, ist ein Stein mit sehr viel Nickel. Das ist kein Gegenargument, aber eine Tatsache, die zum Stein gehört.

Varietät Farbe Bemerkung
Gaspeit, kräftigapfel- bis grasgrünnickelreichere, dichte Partien; die gesuchteste Qualität
Gaspeit, blassblass- bis mintgrünmagnesiumreicher; im Typmaterial sitzt fast so viel Magnesium wie Nickel im Gitter
Gaspeit, eisenreicholiv- bis gelbgrünhöherer Eisenanteil; im Handel geringer bewertet
Gaspeit mit Matrixgrün mit braunem bis rotbraunem NetzReste des Muttergesteins, als Zeichnung geschätzt
„Lemon-Magnesit“, „Lemon-Chrysopras“gelb- bis zitronengrünnickelhaltiger Magnesit, kein Gaspeit; Analyse zeigte nur Spuren Nickel und kein Eisen
„Apfeljade“, „Nickelquarz“, „Nickelin“grünweißirreführende Handelsnamen für nickelhaltigen Magnesit
Gefärbter Magnesit oder Howlithtürkis, grüngefärbtes Material, vor allem als Türkisimitation; ungleichmäßige Farbverteilung
Hellyerithellblau bis leuchtend grünanderes Nickelcarbonat, NiCO3 · 5,5 H2O, Härte 2,5 — kein Schmuckstein

Von Blassgrün bis Olivgrün, mit braunem Netz

Das Farbspektrum reicht von blassem Grün über kräftiges Apfel- und Grasgrün bis zu oliv- und gelbgrünen Tönen. Die Ursache liegt im Mischkristall: Je mehr Magnesium den Nickelplatz besetzt, desto blasser wird der Ton — und Magnesium ist reichlich vorhanden, im Typmaterial fast so viel wie Nickel. Höhere Eisengehalte ziehen die Farbe ins Bräunlich-Olive. Der Strich ist gelbgrün und bestätigt die Zuordnung am Bruchstück. Typisch für die Schleifware ist das braune bis rotbraune Adernetz: Es sind Reste des Muttergesteins, in dem der Gaspeit gewachsen ist, und im Handel werden sie als Zeichnung ausdrücklich geschätzt, ähnlich der Matrix beim Türkis. Der Glanz reicht von glasig auf frischen Flächen bis matt an poröser Ware. Pleochroismus wird mit „keiner“ angegeben. Eine Handelsquelle nennt eine bläulichweiße bis weiße Fluoreszenz im kurz- und langwelligen UV; in den mineralogischen Quellen findet sich dazu nichts, wir führen die Angabe deshalb als unbestätigt.

Handelsnamen: „Lemon-Magnesit“, „Apfeljade“ und was dahintersteckt

Rund um den grünen Nickelstein hat sich eine ganze Familie von Handelsnamen gebildet, und die meisten meinen nicht Gaspeit. Nickelhaltiger, grünweißer Magnesit wird als „Nickelin“, „Nickelquarz“ oder „Apfeljade“ angeboten, obwohl weder Jade noch Quarz darin steckt. Als „Lemon-Magnesit“ oder — noch falscher — „Lemon-Chrysopras“ läuft Material aus den westaustralischen Eastern Goldfields, unter anderem von der Central Division Mine, von Lake Rebecca, aus dem Bulong-Goldfeld bei Lake Yindarlgooda sowie aus der Gegend von Kambalda, Wingellina und der Yundamindera Station. Untersuchungen der GIA ergaben, dass die Quarzadern in diesem Material farblos sind und deshalb nicht als Chrysopras bezeichnet werden dürfen. Eine Analyse von „Lemon-Magnesit“ fand neben Magnesium, Silizium und Kohlenstoff nur eine Spur Nickel und keinerlei Eisen — Gaspeit dagegen enthält Eisen. Seit 2004 wird zudem beobachtet, dass unter dem Namen Material ohne jedes Nickel verkauft wird. Lassen Sie sich die Bezeichnung „Gaspeit“ deshalb nicht durch einen Phantasienamen ersetzen.

Häufige Fragen

Verblasst Gaspeit im Sonnenlicht?
Dazu liegen uns keine Untersuchungen vor. Gegen ein Ausbleichen spricht die Farbursache: Die Farbe stammt vom Nickel als Hauptbestandteil des Minerals, nicht von einem eingelagerten Farbstoff. Gefärbter Magnesit, der als Gaspeit verkauft wird, verhält sich anders — Farbstoffe können durchaus lichtempfindlich sein.
Woran erkenne ich gefärbtes Material?
An der Farbverteilung. Ungleichmäßige Farbe, die sich in Rissen und porösen Zonen staut, ist ein erstes Anzeichen für künstliche Färbung. Gefärbter Magnesit und Howlith werden vor allem als Türkisimitation eingesetzt, kommen aber auch grün vor.
Was ist der Unterschied zwischen hellem und dunklem Gaspeit?
Vor allem der Anteil an Magnesium auf dem Nickelplatz. Blasses, mintgrünes Material ist magnesiumreicher, kräftiges Apfelgrün nickelreicher. Höhere Eisengehalte führen zu olivgrünen bis bräunlichen Tönen. Kräftiges, gleichmäßiges Grün erzielt im Handel die höheren Preise.