Aus dem Verwitterungshut komatiitischer Nickelsulfidlager
Gaspeit ist ein supergenes Mineral: Er entsteht dort, wo nickelhaltige Sulfide in Reichweite des Sauerstoffs und des Grundwassers zerfallen. Die Wikipedia-Beschreibung nennt als Bildungsraum ausdrücklich den Regolith und die supergene Anreicherung; die Mineraldatenbanken sprechen von der Oxidationszone von Nickellagerstätten. In Westaustralien lässt sich der Vorgang besonders gut verfolgen. Der Widgiemooltha-Komatiit im Yilgarn-Kraton, rund fünfzig Kilometer südlich des Kambalda-Doms, führt fünfzehn kanalisierte Nickelsulfid-Lagerstätten vom Kambalda-Typ. In der Übergangszone der Lagerstätte 132 North stehen Violarit, Smythit, Covellin, Chalkosin und Markasit nach Pyrit an; darüber hat die Verwitterung im Regolith eine seltene Carbonatfront gebildet, in der ungewöhnliche Nickelcarbonate, -arsenate und -silikate sitzen, Gaspeit eingeschlossen. Voraussetzung dafür ist ein arides bis semiarides Klima, das eine Anreicherung karbonatischer Minerale im Verwitterungsprofil überhaupt zulässt. Genau dieses Klima herrscht in den Eastern Goldfields.
Nickel auf dem Calcitplatz: die Kristallchemie
Strukturell ist Gaspeit ein Calcit, in dem Nickel den Kationenplatz besetzt: trigonal, Raumgruppe R3c. Am Typmaterial wurden die hexagonalen Gitterkonstanten a0 = 4,621 ± 0,002 Å und c0 = 14,93 ± 0,02 Å bestimmt, bei einem Zellvolumen von 276,0 ± 0,9 Å3. Innerhalb der Calcit-Gruppe sind die zweiwertigen Kationen gegeneinander austauschbar, sodass Mischkristallreihen zwischen allen Gliedern bestehen. Für Gaspeit bedeutet das vor allem eine Reihe zum Magnesit, mit Eisen als drittem Mitspieler. Wie weit das geht, zeigt die Analyse der Erstbeschreibung: 35,0 Prozent NiO, 17,3 Prozent MgO, 5,7 Prozent FeO und 42,0 Prozent CO2 ergeben die Formel (Ni0,98Mg0,86Fe0,16)(CO3)2. Nickel stellt dort also nur knapp die Hälfte der Kationen — die Autoren nannten ihr Material folgerichtig magnesianen Gaspeit. Wer Gaspeit als „NiCO3“ liest, sollte das im Kopf behalten: Die reine Verbindung ist die Idealformel, das natürliche Material ist ein Mischkristall.
Paragenese und die Nachbarn im Eisenhut
An der Typlokalität saß Gaspeit in einem massiven, rund zwei Fuß breiten Gang in buntscheckigem kieseligem Dolomit silurischen Alters; eine andere Darstellung gibt die Gangbreite mit etwa fünfzig Zentimetern an. Begleiter waren gut ausgebildete Kristalle von Millerit, Nickelin, Annabergit, Gersdorffit und Magnesit, dazu wenig Serpentin und ein Chrom-Aluminium-Spinell. In den westaustralischen Eisenhüten sieht die Gesellschaft anders aus: Dort tritt Gaspeit mit Goethit, Malachit, Annabergit und Magnesit auf, dazu mit zwei ausgesprochenen Raritäten. Kambaldait, ein wasserhaltiges Natrium-Nickel-Carbonat, wurde 1985 aus dem Otter-Shoot-Erzkörper bei Kambalda beschrieben und in den frühen bis mittleren neunziger Jahren auch von Widgiemooltha gemeldet. Widgiemoolthalit, ein wasserhaltiges Nickelcarbonat, stammt aus der Lagerstätte 132 North, 1992 gefunden und 1993 beschrieben — er wächst häufig in Hohlräumen direkt auf Gaspeitflächen. Wer solche Stufen sieht, hat den Bildungsraum der Schleifware vor Augen.
