Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Gaspeit Lexikon · Übersicht

Gaspeit – Eigenschaften, Herkunft und Qualität im Überblick

Gaspeit

Gaspeit ist ein Nickelcarbonat und damit der seltene Fall eines Schmucksteins, dessen Farbe nicht von einer Spurenbeimengung stammt, sondern vom Hauptbestandteil selbst: Das Apfelgrün ist Nickel. Beschrieben wurde das Mineral 1966 von der Gaspé-Halbinsel in Québec, geschliffen wird heute fast ausschließlich Material aus den Nickelrevieren Westaustraliens.

Gaspeit – die Kennzahlen

EigenschaftWert
MineralklasseCarbonate ohne zusätzliche Anionen, Calcit-Gruppe. Innerhalb dieser Gruppe sind die zweiwertigen Kationen frei austauschbar, es bestehen Mischkristallreihen zwischen allen Gliedern; für Gaspeit ist vor allem der Übergang zum Magnesit (MgCO3) von Bedeutung.
Chemische Formel(Ni,Mg,Fe)CO3, nickelreines Endglied NiCO3. Das Typmaterial von 1966 wurde als „magnesianer Gaspeit“ beschrieben: 35,0 % NiO, 17,3 % MgO, 5,7 % FeO, 42,0 % CO2, Formel (Ni0,98Mg0,86Fe0,16)(CO3)2. Nickel besetzt dort also nur knapp die Hälfte der Kationenplätze.
Kristallsystemtrigonal, Raumgruppe R3c, Calcit-Struktur. Das Typmaterial ergab die hexagonalen Gitterkonstanten a0 = 4,621 ± 0,002 Å und c0 = 14,93 ± 0,02 Å bei einem Zellvolumen von 276,0 ± 0,9 Å3. Kristalle sind winzig (bis 0,5 mm), die Schmuckware ist derb-körnig.
Mohs-Härte4,5 bis 5 (Originalbeschreibung und alle geprüften Quellen übereinstimmend)
Dichte3,71 ± 0,01 g/cm³ am Typmaterial gemessen. Eine Handelsquelle gibt die weitere Spanne 3,71 bis 3,91 g/cm³ an; die mineralogischen Quellen nennen einheitlich 3,7.
BrechungsindexnOmega = 1,830 ± 0,01, nEpsilon = 1,610 ± 0,01, einachsig negativ. An undurchsichtigen Cabochons ist das praktisch nicht messbar; die Bestimmung läuft über Dichte und Säurereaktion.
Doppelbrechung0,220 (aus den Werten der Originalbeschreibung), einachsig negativ
GlanzGlasglanz bis matt; Pleochroismus wird mit „keiner“ angegeben
Spaltbarkeitnach dem Rhomboeder {10-11}. Die Quellen widersprechen sich im Grad: „gut“ (Wikipedia), „vollkommen in drei Richtungen“ (Galleries.com), „gut in einer Richtung“ (Gemstones.com). Material spröde.
Bruchuneben
TransparenzKristalle durchscheinend, die derbe Schmuckware undurchsichtig bis schwach durchscheinend
Farbenblassgrün, apfelgrün, grasgrün bis oliv- oder gelbgrün, meist mit braunen Adern und Flecken aus anhaftendem Muttergestein. Strich gelbgrün.
Wichtigste FundorteTyplokalität Lemieux Township, Gaspé-Nord, Gaspé-Halbinsel, Québec (Kanada). Schleifware fast ausschließlich aus Westaustralien: Kambalda und Widgiemooltha südlich von Kalgoorlie. Weiter belegt: Lord-Brassey-Grube (Tasmanien), Lavrion (Griechenland), San-Benedetto-Grube bei Iglesias auf Sardinien, Pafuri in Limpopo (Südafrika).
BehandlungenFarbbehandlungen sind in den geprüften Quellen nicht dokumentiert. Kunstharzüberzüge zur Erhöhung der Haltbarkeit kommen vor und mindern laut Handelsquelle den Wert. Das größere Marktproblem sind nickelhaltiger Magnesit und gefärbter Magnesit beziehungsweise Howlith unter falschem Namen.
Erstbeschreibung1966. Der beim Ministère des Ressources naturelles in Québec hinterlegte Bericht GM 33400 der New Jersey Zinc Exploration Co. (Canada) trägt den Titel „Gaspeite (Ni, Mg, Fe)(CO3), a new carbonate from the Gaspé Peninsula“ und nennt als Autoren D. N. Kohts und J. L. Rodda; eine Handelsquelle schreibt den Erstautor „D. W. Kohls“. Benannt nach der Gaspé-Halbinsel.

Nickelcarbonat statt Nickelspur: was Gaspeit besonders macht

Gaspeit gehört zur Calcit-Gruppe und ist das Nickelglied dieser Carbonatfamilie. Seine Formel wird als (Ni,Mg,Fe)CO3 geschrieben, das reine Endglied wäre NiCO3. Damit unterscheidet sich der Stein grundsätzlich von den übrigen grünen Schmucksteinen: Bei Chrysopras, Smaragd oder Variscit sitzt das färbende Element in Spuren im Gitter, bei Gaspeit ist es Hauptbestandteil. Die Analyse des Typmaterials von 1966 ergab 35,0 Prozent NiO neben 17,3 Prozent MgO und 5,7 Prozent FeO. Rechnerisch belegt Nickel dort knapp die Hälfte der Kationenplätze, Magnesium fast ebenso viele — das Material der Erstbeschreibung wurde deshalb ausdrücklich als „magnesianer Gaspeit“ bezeichnet. Für Sie als Käufer folgt daraus zweierlei: Die Farbe ist naturgegeben und kein Farbstoff, und der Stein trägt Nickel in einer Größenordnung, die bei keinem anderen verbreiteten Schmuckstein vorkommt. Beides prägt die Bewertung — das erste positiv, das zweite als Punkt, über den Sie vor dem Kauf nachdenken sollten.

Der Fund von 1966 in Lemieux Township

Die Erstbeschreibung stammt aus dem Jahr 1966. Der bei der Bergbehörde von Québec hinterlegte Bericht GM 33400 der New Jersey Zinc Exploration Co. (Canada) führt das neue Carbonat unter dem Titel „Gaspeite (Ni, Mg, Fe)(CO3), a new carbonate from the Gaspé Peninsula“. Als Autoren nennt die hinterlegte Fassung D. N. Kohts und J. L. Rodda; eine Handelsquelle schreibt den Erstautor „D. W. Kohls“, die Schreibweise ist also nicht einheitlich überliefert. Fundpunkt war Lemieux Township im County Gaspé-Nord auf der Gaspé-Halbinsel, gefunden bei Explorationsarbeiten. Das Mineral saß in einem massiven, rund zwei Fuß breiten Gang in buntscheckigem kieseligem Dolomit silurischen Alters, begleitet von Millerit, Nickelin, Annabergit, Gersdorffit und Magnesit. Die hellgrünen Rhomboeder erreichten bis zu 0,5 Millimeter. Der Name nimmt die Halbinsel auf, nicht eine Person und nicht die Farbe. Geschliffen wurde an diesem Fundpunkt nie — die Typlokalität lieferte Wissenschaft, keinen Schmuck.

Warum die Schleifware aus Westaustralien kommt

Gaspeit bildet sich, wenn nickelhaltige Sulfide oberflächennah verwittern. Genau dafür bieten die Grünsteingürtel des Yilgarn-Kratons in Westaustralien die besten Bedingungen. Der Widgiemooltha-Komatiit rund fünfzig Kilometer südlich des Kambalda-Doms beherbergt nicht weniger als fünfzehn einzelne Nickelsulfid-Lagerstätten vom Kambalda-Typ; in der Lagerstätte 132 North hat die Verwitterung eine seltene Carbonatfront im Regolith erzeugt, in der ungewöhnliche Nickelcarbonate, -arsenate und -silikate entstanden sind, Gaspeit ausdrücklich eingeschlossen. In den Eisenhüten von Kambalda und Widgiemooltha tritt er zusammen mit Goethit, Malachit, Annabergit, Magnesit und den Raritäten Kambaldait und Widgiemoolthalit auf. Diese derben, dichten Partien lassen sich sägen und polieren — anders als die Millimeterkristalle der Typlokalität. Im Schmuckhandel breit wahrgenommen wurde das Material nach Händlerangaben erst ab 1994, dem Jahr seines Auftritts auf der Mineralienmesse in Tucson. Australien gilt seither als Hauptlieferant.

Nickel auf der Haut: der Punkt, den Sie kennen müssen

Nickelallergie ist die häufigste Kontaktallergie der Industrieländer. Die Angaben liegen bei etwa acht bis neunzehn Prozent der Erwachsenen und acht bis zehn Prozent der Kinder, Frauen sind vier- bis zehnmal häufiger betroffen als Männer. Entscheidend ist dabei nicht, wieviel Nickel ein Gegenstand insgesamt enthält, sondern wieviel er an der Oberfläche freisetzt. Genau darauf zielt die europäische Regelung: REACH, Anhang XVII, Eintrag 27 begrenzt die Nickelfreisetzung auf 0,5 Mikrogramm je Quadratzentimeter und Woche bei Gegenständen mit direktem und längerem Hautkontakt und auf 0,2 Mikrogramm bei Stiften, die in durchstochene Körperstellen eingeführt werden. Für Gaspeit selbst ist uns keine veröffentlichte Messung der Nickelfreisetzung bekannt — weder eine, die ein Risiko belegt, noch eine, die Entwarnung gibt. Wir stellen deshalb auf der Schmuckseite zusammen, was belegt ist und was offen bleibt, und geben eine praktische Empfehlung, aber keine Rechtsauskunft.

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Kurz gefasst

Gaspeit ist ein Stein für Liebhaber ruhiger, ungewöhnlicher Farben und für Goldschmiede, die Inlay- und Zargenarbeiten schätzen. Kaufen Sie ihn als Cabochon, Perle oder Inlay, nicht als Ring für den täglichen Gebrauch: Härte 4,5 bis 5, rhomboedrische Spaltbarkeit und die Empfindlichkeit gegen Säuren setzen klare Grenzen. Prüfen Sie beim Kauf, dass Sie tatsächlich Gaspeit und nicht nickelhaltigen oder gefärbten Magnesit erhalten. Wer auf Nickel allergisch reagiert, wählt besser Anhänger oder Brosche als Ring oder Armband. Zu diesen Preisen — meist ein niedriger zweistelliger Eurobetrag je Cabochon — ist der Stein ein ehrlicher Kauf.

Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.

Über dieses Lexikon

Die Angaben zu Gaspeit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.

Häufige Fragen

Ist Gaspeit giftig?
Nicht im Sinne einer akuten Gefahr beim Tragen eines polierten Steins — belastbare Messungen zur Nickelfreisetzung aus Gaspeit an die Haut liegen uns allerdings nicht vor. Sicher belegt ist nur, dass Nickel Hauptbestandteil ist und dass Nickelallergie verbreitet ist. Wer sensibilisiert ist, sollte dauerhaften Hautkontakt meiden. Beim Schleifen gilt ohnehin: nass arbeiten, keinen Staub einatmen.
Warum ist Gaspeit apfelgrün?
Weil Nickel nicht als Spur beigemengt, sondern als Hauptkation im Carbonatgitter eingebaut ist. Das Typmaterial enthielt 35,0 Prozent NiO. Je mehr Magnesium den Nickelplatz einnimmt, desto blasser wird das Grün; eisenreichere Partien wirken oliv bis gelbgrün.
Woher kommt der Name Gaspeit?
Von der Gaspé-Halbinsel in Québec. Dort, in Lemieux Township im County Gaspé-Nord, wurde das Mineral 1966 erstmals beschrieben. Der Name bezeichnet also die Landschaft der Erstbeschreibung, obwohl der Schmuckstein heute praktisch ausschließlich aus Westaustralien kommt.
Ist Gaspeit selten?
Als Mineral ja, als Schmuckstein ebenfalls. Nennenswerte Schleifware liefern im Wesentlichen die Verwitterungszonen der westaustralischen Nickellagerstätten; die übrigen Fundpunkte in Kanada, Tasmanien, Griechenland, Italien und Südafrika sind Sammlermaterial. Trotzdem ist Gaspeit preiswert, weil die Nachfrage begrenzt ist.