Die Orientierung entscheidet alles
Wenn Sie Epidot schleifen, beginnt die Arbeit lange vor der ersten Facette. Wegen des sehr starken Pleochroismus müssen Sie den Rohkristall im Tageslicht durchdrehen und die Richtung bestimmen, in der das frische Gelbgrün erscheint. Diese Richtung gehört durch die Tafel. Legen Sie stattdessen die bräunliche oder die dunkelste Richtung nach oben, entsteht ein Stein, der aussieht wie schmutziges Flaschenglas. Weil die Kristalle langprismatisch wachsen und die attraktive Richtung häufig quer zur Länge liegt, kostet die richtige Orientierung erheblich Rohmaterial. Rechnen Sie mit einer Ausbeute von etwa 10 bis 15 Prozent des Rohgewichts, bei stark gefärbtem Material auch weniger. Halten Sie den Stein außerdem flach: Ein zu tiefer Pavillon verlängert den Lichtweg und macht selbst gut orientierte Ware dunkel. Markieren Sie die gewählte Richtung am Rohstein, bevor Sie ihn aufdopfen.
Vollkommene Spaltbarkeit als ständige Gefahr
Epidot spaltet vollkommen nach der Basisfläche {001} und zusätzlich unvollkommen nach {100}. Das ist der Grund, warum viele Schleifer das Material meiden. Schon ein Schlag beim Absägen, ein zu hoher Anpressdruck auf der Scheibe oder ein Wärmestoß kann eine Spaltfläche öffnen, und diese Fläche wandert dann durch den halben Stein. Arbeiten Sie deshalb mit reichlich Wasser, ohne Druck und mit möglichst kleinen Zustellungen. Beim Dopfen ist heißes Wachs riskant; kaltes Dopfen mit Zweikomponentenkleber ist die sichere Variante, auch wenn es länger dauert. Für das Vorschleifen hat sich Diamant in 600er Körnung bewährt, für die Politur Aluminiumoxid oder Ceroxid auf Zinn oder Leder. Die Rondiste sollte nicht messerscharf ausgeschliffen werden, sondern leicht gefast — sonst platzt sie beim Fassen. Wechseln Sie die Körnung in kleinen Schritten, um Randausbrüche zu vermeiden.
Welche Schliffformen funktionieren
Für facettierbares Material eignen sich flache Ovale, Kissen und gemischte Schliffe am besten, weil sie den Lichtweg kurz halten und die Farbe nicht zu sehr aufladen. Reine Stufenschliffe sind möglich, machen den Stein aber häufig zu dunkel. Brillantschliffe bringen wenig, denn die Dispersion von etwa 0,030 wird von der Körperfarbe weitgehend verschluckt. Bei der Kalibrierung gilt: Bleiben Sie unter vier Karat. Undurchsichtiges Material geht als Cabochon, wobei die Spaltbarkeit hier weniger stört; achten Sie aber darauf, die Basisfläche nicht parallel zur Cabochonunterseite zu legen. Katzenaugenmaterial mit faserigen Einschlüssen wird hochgewölbt geschliffen, damit sich der Lichtstrich scharf schließt. Unakit und Epidot in Quarz verarbeiten Sie wie jedes Gestein: mit Diamantwerkzeug schneiden, mit Aluminiumoxid polieren. Bei sehr dunklem Material verzichten Sie besser ganz auf Facetten und arbeiten stattdessen einen flachen Cabochon.
