Dreiwertiges Eisen macht das Pistaziengrün
Die Farbe des Epidots kommt fast vollständig von dreiwertigem Eisen auf der Oktaederposition M3. Es erzeugt Ladungsübergänge zwischen Eisen und Sauerstoff sowie zwischen benachbarten Eisen- und Aluminiumplätzen, die Licht im blauen und roten Bereich absorbieren und den charakteristischen gelbgrünen Ton übrig lassen. Weil der Effekt direkt vom Eisengehalt abhängt, verschiebt sich die Farbe stufenlos: Eisenarmer Klinozoisit ist nahezu farblos, mittlere Zusammensetzungen sind pistaziengrün, eisenreiche Kristalle bräunlichgrün bis fast schwarz. Damit hängt auch die Sättigung mit der Dichte und dem Brechungsindex zusammen — ein dunkler Epidot ist messbar schwerer als ein heller. Anders als bei vielen anderen Edelsteinen liegt hier keine instabile Farbe vor. Epidot bleicht nicht aus und reagiert weder auf Licht noch auf normale Bestrahlung mit einer Farbänderung. Eine Farbverbesserung durch Brennen dürfen Sie bei Epidot deshalb nicht erwarten.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Epidot (Pistazit) | gelbgrün bis pistaziengrün | eisenreiches Glied der Reihe; Pistazit ist heute nur noch Farbbezeichnung, keine gültige Mineralart |
| Klinozoisit | farblos, blassgrün, blassrosa | aluminiumreiches Endglied derselben monoklinen Reihe; facettiert selten, meist blass |
| Tawmawit | tiefgrün bis smaragdgrün | chromhaltiger Epidot aus Myanmar; sehr selten, fast nur in Sammlungen |
| Piemontit | rotbraun bis violettrot | eigene Art mit dreiwertigem Mangan; nur als Cabochon verarbeitbar |
| Allanit | braunschwarz bis pechschwarz | eigene Art mit Seltenen Erden und Thorium, schwach radioaktiv, meist metamikt; kein Schmuckstein |
| Katzenaugen-Epidot | gelbgrün mit Lichtstrich | faserige Einschlüsse erzeugen Chatoyance; sehr selten, nur als Cabochon |
| Unakit | rosa und grün gefleckt | Gestein aus Orthoklas, Epidot und Quarz; nach der Unaka Range benannt, kein Mineral |
| Epidot in Quarz (Dream Stone) | grün auf weiß bis grau | Quarzgestein mit eingewachsenem Epidot; reiner Handelsname, als Gestein zu kennzeichnen |
Der stärkste Pleochroismus im grünen Feld
Epidot ist zweiachsig und trichroitisch. In den drei optischen Hauptrichtungen erscheint er farblos bis blassgelb oder blassgrün, grünlichgelb und schließlich kräftig gelblichgrün. Die Unterschiede sind so deutlich, dass Sie den Farbwechsel beim Drehen eines Rohkristalls ohne jedes Hilfsmittel sehen. Für die Bestimmung ist das ein ausgezeichnetes Merkmal: Ein grüner, stark pleochroitischer Stein mit hohem Brechungsindex und hoher Doppelbrechung ist praktisch immer Epidot. Für den Schleifer ist es eine Aufgabe. Er muss den Stein so orientieren, dass die attraktivste Richtung durch die Tafel blickt, und gleichzeitig vermeiden, dass die dunkelste Richtung die Pavillonfacetten dominiert. Gelingt das nicht, wirkt der fertige Stein braun und stumpf — das ist die häufigste Ursache für enttäuschende Epidote im Handel. Ein zweiter Prüfpunkt ist die Tiefe des Pavillons: Sitzt die Kalette zu tief, wirkt selbst gut orientiertes Material stumpf.
Varietäten, Handelsnamen und Gesteine
Innerhalb der Gruppe gibt es echte Varietäten und reine Handelsnamen. Pistazit ist ein alter Name für eisenreichen Epidot und heute nur noch eine Farbbezeichnung. Tawmawit aus Myanmar ist chromhaltig und tiefgrün. Katzenaugen-Epidot mit faserigen Einschlüssen kommt vor, ist aber selten. Klar davon zu trennen sind zwei Gesteine, die im Handel häufig als Edelstein angeboten werden. Unakit ist ein hydrothermal veränderter Granit aus rosa Orthoklas, grünem Epidot und Quarz, benannt nach der Unaka Range in North Carolina und Tennessee. Epidot in Quarz, gelegentlich als Dream Stone vermarktet, ist ein Quarzgestein mit eingewachsenem Epidot. Beides sind Gesteine, keine Minerale, und gehören preislich in den Bereich von Trommelsteinen und Perlen, nicht in den Edelsteinhandel. Auch Anyolit, das grüne Zoisitgestein mit Rubin aus Tansania, wird gelegentlich fälschlich zum Epidot gezählt.
