Bourg d'Oisans: die Typlokalität in den französischen Alpen
Die Typlokalität des Epidots liegt bei Bourg d'Oisans im Département Isère, in den französischen Westalpen. Dort beschrieb Haüy 1801 das Mineral an Kristallen aus alpinen Zerrklüften. Die Region war im 18. und 19. Jahrhundert eine der wichtigsten Quellen für europäische Mineraliensammlungen, und der historische Name Delphinit für Epidot geht auf die alte Provinz Dauphiné zurück. Heute liefert das Gebiet keine nennenswerten Mengen mehr; die klassischen Stücke wechseln zwischen Sammlungen und auf Auktionen den Besitzer. Für die Bestimmung bleibt die Lokalität dennoch wichtig, weil an diesem Material die Referenzwerte für Brechungsindex, Dichte und optische Orientierung ermittelt wurden. Wenn Sie ein altes Stück mit der Etikettenbezeichnung Delphinit erwerben, halten Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit einen französischen Kluftepidot in der Hand. Für den laufenden Schmuckhandel spielt Frankreich heute keine Rolle mehr.
| Fundort | Land | Besonderheit |
|---|---|---|
| Bourg d'Oisans, Isère | Frankreich | Typlokalität; Erstbeschreibung durch Haüy 1801, historischer Name Delphinit |
| Knappenwand, Untersulzbachtal, Neukirchen am Großvenediger | Österreich | bekannteste Sammlerlokalität der Welt; seit 1865 Kristalle bis 16 cm aus einer Amphibolitlinse |
| Capelinha, Minas Gerais | Brasilien | klare dunkelgrüne Kristalle, wichtigste Quelle facettierbarer Ware |
| Sandare und Bendoukou, Region Kayes | Mali | Epidot in Vergesellschaftung mit Prehnit, hochgeschätzte Stufen |
| Gilgit-Baltistan | Pakistan | langprismatische tiefgrüne Kristalle, teilweise schleifbar |
| Prince of Wales Island, Alaska | USA | glasklare Kristalle auf Quarz, klassische Stufen des amerikanischen Marktes |
| Unaka Range, North Carolina und Tennessee | USA | Typregion des Unakit, des epidotführenden Gesteins |
| Bourg-Umland und Kärnten, Saualpe | Frankreich und Österreich | historische Fundpunkte der Gruppe; Saualpe ist Typregion des verwandten Zoisits |
Knappenwand: die klassische Sammlerlokalität
Die Knappenwand im Untersulzbachtal, Gemeinde Neukirchen am Großvenediger im Salzburger Pinzgau, ist die bekannteste Epidotfundstelle der Welt. 1865 stieß der Strahler Alois Wurnitsch beim Suchen auf lose Kristalle, kurz darauf auf eine Kluft in einer Amphibolitlinse mit Aplitgang. Der Mineralienhändler Andreas Bergmann begann ab 1867 mit dem Abbau, die erste behördliche Konzession lief von August 1874 bis Juli 1875. Aristides Brezina beschrieb 1869 Kristalle bis 13 Zentimeter Länge; neuere Funde erreichten 16 Zentimeter. Begleitminerale sind Byssolith, Apatit, Calcit, Albit, Quarz, Diopsid, Scheelit und Titanit. Von 1977 bis 1992 forschte das Naturhistorische Museum Wien an der Fundstelle, seit 2001 arbeiten wieder private Strahler dort. Knappenwand-Stufen sind Sammlerobjekte und werden nach Ästhetik bewertet, nicht nach Karatgewicht. Beachten Sie, dass die Fundstelle im Nationalpark Hohe Tauern liegt und eigenmächtiges Sammeln dort nicht zulässig ist.
Wo das facettierbare Material herkommt
Für die Schleiferei zählen andere Adressen. Brasilien liefert aus Capelinha in Minas Gerais klare, dunkelgrüne Kristalle, die sich in kleinen Größen gut facettieren lassen. Aus Mali kommt seit den 2000er-Jahren Material aus der Region Kayes, besonders aus dem Bezirk Sandare und von Bendoukou, häufig in spektakulärer Vergesellschaftung mit Prehnit; diese Stücke sind zugleich begehrte Stufen. Pakistan steuert aus Gilgit-Baltistan langprismatische, oft tiefgrüne Kristalle bei. Hinzu kommen Kenia, Mexiko, Norwegen und die Vorkommen auf Prince of Wales Island in Alaska, die für ihre glasklaren Kristalle auf Quarz bekannt sind. Der Marktanteil ist schwer zu beziffern, weil Epidot in kleinen, unregelmäßigen Partien gehandelt wird. Als Faustregel gilt: Facettierte Handelsware stammt überwiegend aus Brasilien und Pakistan, Sammlerstufen aus Österreich, Mali und Alaska. Fragen Sie beim Kauf nach der konkreten Partie, nicht nur nach dem Land.
