Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Epidot Lexikon · Herkunft & Fundorte

Epidot – Herkunft & Fundorte

Epidot

Bourg d'Oisans: die Typlokalität in den französischen Alpen

Die Typlokalität des Epidots liegt bei Bourg d'Oisans im Département Isère, in den französischen Westalpen. Dort beschrieb Haüy 1801 das Mineral an Kristallen aus alpinen Zerrklüften. Die Region war im 18. und 19. Jahrhundert eine der wichtigsten Quellen für europäische Mineraliensammlungen, und der historische Name Delphinit für Epidot geht auf die alte Provinz Dauphiné zurück. Heute liefert das Gebiet keine nennenswerten Mengen mehr; die klassischen Stücke wechseln zwischen Sammlungen und auf Auktionen den Besitzer. Für die Bestimmung bleibt die Lokalität dennoch wichtig, weil an diesem Material die Referenzwerte für Brechungsindex, Dichte und optische Orientierung ermittelt wurden. Wenn Sie ein altes Stück mit der Etikettenbezeichnung Delphinit erwerben, halten Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit einen französischen Kluftepidot in der Hand. Für den laufenden Schmuckhandel spielt Frankreich heute keine Rolle mehr.

Fundort Land Besonderheit
Bourg d'Oisans, IsèreFrankreichTyplokalität; Erstbeschreibung durch Haüy 1801, historischer Name Delphinit
Knappenwand, Untersulzbachtal, Neukirchen am GroßvenedigerÖsterreichbekannteste Sammlerlokalität der Welt; seit 1865 Kristalle bis 16 cm aus einer Amphibolitlinse
Capelinha, Minas GeraisBrasilienklare dunkelgrüne Kristalle, wichtigste Quelle facettierbarer Ware
Sandare und Bendoukou, Region KayesMaliEpidot in Vergesellschaftung mit Prehnit, hochgeschätzte Stufen
Gilgit-BaltistanPakistanlangprismatische tiefgrüne Kristalle, teilweise schleifbar
Prince of Wales Island, AlaskaUSAglasklare Kristalle auf Quarz, klassische Stufen des amerikanischen Marktes
Unaka Range, North Carolina und TennesseeUSATypregion des Unakit, des epidotführenden Gesteins
Bourg-Umland und Kärnten, SaualpeFrankreich und Österreichhistorische Fundpunkte der Gruppe; Saualpe ist Typregion des verwandten Zoisits

Knappenwand: die klassische Sammlerlokalität

Die Knappenwand im Untersulzbachtal, Gemeinde Neukirchen am Großvenediger im Salzburger Pinzgau, ist die bekannteste Epidotfundstelle der Welt. 1865 stieß der Strahler Alois Wurnitsch beim Suchen auf lose Kristalle, kurz darauf auf eine Kluft in einer Amphibolitlinse mit Aplitgang. Der Mineralienhändler Andreas Bergmann begann ab 1867 mit dem Abbau, die erste behördliche Konzession lief von August 1874 bis Juli 1875. Aristides Brezina beschrieb 1869 Kristalle bis 13 Zentimeter Länge; neuere Funde erreichten 16 Zentimeter. Begleitminerale sind Byssolith, Apatit, Calcit, Albit, Quarz, Diopsid, Scheelit und Titanit. Von 1977 bis 1992 forschte das Naturhistorische Museum Wien an der Fundstelle, seit 2001 arbeiten wieder private Strahler dort. Knappenwand-Stufen sind Sammlerobjekte und werden nach Ästhetik bewertet, nicht nach Karatgewicht. Beachten Sie, dass die Fundstelle im Nationalpark Hohe Tauern liegt und eigenmächtiges Sammeln dort nicht zulässig ist.

Wo das facettierbare Material herkommt

Für die Schleiferei zählen andere Adressen. Brasilien liefert aus Capelinha in Minas Gerais klare, dunkelgrüne Kristalle, die sich in kleinen Größen gut facettieren lassen. Aus Mali kommt seit den 2000er-Jahren Material aus der Region Kayes, besonders aus dem Bezirk Sandare und von Bendoukou, häufig in spektakulärer Vergesellschaftung mit Prehnit; diese Stücke sind zugleich begehrte Stufen. Pakistan steuert aus Gilgit-Baltistan langprismatische, oft tiefgrüne Kristalle bei. Hinzu kommen Kenia, Mexiko, Norwegen und die Vorkommen auf Prince of Wales Island in Alaska, die für ihre glasklaren Kristalle auf Quarz bekannt sind. Der Marktanteil ist schwer zu beziffern, weil Epidot in kleinen, unregelmäßigen Partien gehandelt wird. Als Faustregel gilt: Facettierte Handelsware stammt überwiegend aus Brasilien und Pakistan, Sammlerstufen aus Österreich, Mali und Alaska. Fragen Sie beim Kauf nach der konkreten Partie, nicht nur nach dem Land.

Häufige Fragen

Wo liegt die Typlokalität des Epidots?
Bei Bourg d'Oisans im Département Isère in den französischen Alpen. Dort beschrieb Haüy das Mineral 1801 an Kristallen aus alpinen Zerrklüften. Der historische Handelsname Delphinit für Epidot leitet sich von der alten Provinz Dauphiné ab und bezeichnet Material aus derselben Region.
Was macht Knappenwand-Epidot so besonders?
Kristallform, Glanz und Größe. Die Kluft in der Amphibolitlinse lieferte seit 1865 gestreckte, glänzende Kristalle bis 16 Zentimeter Länge in freistehenden Gruppen. Die Fundstelle ist mineralogisch gut dokumentiert und liefert seit über 150 Jahren Material, was ihren Ruf im Sammlermarkt begründet.
Woher kommt facettierbarer Epidot?
Überwiegend aus Capelinha in Minas Gerais (Brasilien) und aus Gilgit-Baltistan in Pakistan. Mali liefert aus der Region Kayes Material, das häufiger als Stufe mit Prehnit gehandelt wird als facettiert. Österreichische Knappenwand-Kristalle werden nur ausnahmsweise geschliffen, weil die Stufe mehr wert ist.