Das Mittelmeer: Sardinien, Korsika, Sizilien
Die klassische Herkunft roter Schmuckkoralle ist das westliche und zentrale Mittelmeer. Wirtschaftlich bedeutend sind die Gewässer um Sardinien, insbesondere vor Alghero, die Bonifacio-Straße und die korsische Westküste, ferner die tunesischen Bänke vor La Galite und Tabarka sowie algerische Vorkommen. Spanien hat die Korallenfischerei in eigenen Gewässern vorübergehend untersagt; in der EU-Verordnung über die Fangmöglichkeiten erscheint das Land deshalb mit einer Höchsterntemenge von null. Für das Jahr 2026 setzt die EU die zulässige Gesamtmenge in Unionsgewässern der geografischen Untergebiete 1 bis 27 auf 4.622 Kilogramm Lebendgewicht fest, verteilt auf Griechenland mit 1.844, Frankreich mit 1.400 und Italien mit 1.378 Kilogramm; Spanien und Kroatien stehen bei null. Das sind Größenordnungen, die den Unterschied zu jeder industriellen Edelsteingewinnung deutlich machen.
| Fundort | Land | Besonderheit |
|---|---|---|
| Alghero und Korallenriviera, Sardinien | Italien | klassisches Vorkommen für Rosso und Sardegna; in dunklen Höhlen schon ab vier Metern Tiefe |
| Bonifacio-Straße und Westküste Korsikas | Frankreich | Handernte durch lizenzierte Taucher; französische Höchsterntemenge 2026: 1.400 Kilogramm |
| Sciacca-Bänke vor Agrigent, nahe der Ferdinandea | Italien | subfossile Lager, ab 1875 gefischt; orangebraune Ware mit dunklen Flecken, heute erschöpft |
| La Galite und Tabarka | Tunesien | wichtige außereuropäische Quelle für rote Mittelmeerkoralle |
| Costa Brava und Balearen | Spanien | Korallenfischerei vorübergehend untersagt, Höchsterntemenge in der EU-Verordnung null |
| Tosa-Bucht vor Kochi | Japan | Corallium japonicum, dunkelrotes Aka; Präfekturregeln mit Schonzeiten und Ruhephasen |
| Penghu und Su-ao | Taiwan | fünf ausgewiesene Gebiete, 220 Einsatztage, sechs Tonnen je Schiff und Jahr |
| Midway und Emperor-Seamounts | USA | Pleurocorallium secundum in 400 bis 2.000 Metern; Ernte wirtschaftlich kaum noch betrieben |
Der Pazifik: Japan, Taiwan und der Hawaii-Rücken
Seit dem späten 19. Jahrhundert liefert der Nordwestpazifik die zweite große Gruppe von Schmuckkorallen. Corallium japonicum aus der Tosa-Bucht vor Kochi liefert das dunkelrote Aka, Pleurocorallium elatius das lachsfarbene Momo und die rosa Engelshaut, Pleurocorallium konojoi das weiße Shiro. Taiwan fischt vor Penghu und Su-ao unter strengen Auflagen: Satellitenüberwachung der Schiffe, fünf ausgewiesene Fanggebiete, 220 Einsatztage im Jahr und eine Jahresmenge von sechs Tonnen je Schiff. In Japan regeln die Präfekturen die Fischerei mit Mindestgrößen, Schonzeiten und rotierender Nutzung mit zehn- bis zwanzigjährigen Ruhephasen; in Kagoshima und Okinawa ist nur der Einsatz ferngesteuerter Fahrzeuge erlaubt. Am Hawaii-Rücken und bei Midway wird Pleurocorallium secundum in 400 bis 2.000 Metern Tiefe gewonnen, wirtschaftlich jedoch kaum noch.
Sciacca, Torre del Greco und die Wege der Ware
Eine Sonderstellung nimmt die Sciacca-Koralle ein. 1875 entdeckten Fischer vor der Südküste Siziliens, im Umfeld des Unterwasservulkans Ferdinandea, ausgedehnte Lager abgestorbener Korallenstämme, die durch Beben und Ausbrüche von den Felsen gerissen und am Meeresboden abgelagert worden waren. Weitere Bänke folgten in den Jahren danach. Das subfossile Material ist orange bis bräunlich und trägt dunkle Flecken; die schiere Menge drückte damals den Weltmarktpreis und löste in Torre del Greco einen Verarbeitungsboom aus. Dort läuft bis heute der Großteil des Schliffs zusammen: Paolo Bartolomeo Martin erhielt am 27. März 1805 die Konzession für die erste Manufaktur, 1878 folgte die Gravurschule. Fachhändler schätzen den dortigen Anteil an der weltweiten Verarbeitung auf über drei Viertel. Rohware aus Japan und Taiwan wird überwiegend in Ostasien versteigert.
