Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Edelkoralle Lexikon · Farben & Varietäten

Edelkoralle – Farben & Varietäten

Edelkoralle

Die Farbe steckt in der organischen Matrix

Anders als bei den meisten Edelsteinen stammt die Farbe der Edelkoralle nicht von einem Metallion im Kristallgitter. Das Calcitskelett selbst ist farblos. Verantwortlich sind polyenische Pigmente aus der Gruppe der Carotinoide, die während des Wachstums in die organische Matrix eingelagert werden. Ihre langen Ketten konjugierter Doppelbindungen absorbieren im blauen und grünen Bereich des Spektrums, sodass Rosa-, Orange- und Rottöne übrig bleiben. Je mehr Pigment eingelagert ist, desto gesättigter fällt die Farbe aus. Diese Pigmente sind zugleich der sicherste Echtheitsnachweis: Im Raman-Spektrum erzeugen sie kräftige Banden bei etwa 1.520 und 1.132 Wellenzahlen, begleitet von schwächeren bei 1.297 und 1.020. Gefärbtes Material zeigt diese Banden nicht, sondern schmale Fremdbanden über einem breiten Lumineszenzuntergrund. Die Prüfung ist zerstörungsfrei und dauert Minuten.

Varietät Farbe Bemerkung
Pelle d’Angelo / Engelshautzartrosa bis weißrosaPleurocorallium elatius, Japan und Taiwan; kein definierter Standard, häufig imitiert
Bianco / ShiromilchigweißPleurocorallium konojoi; oft mit roten Flecken, wird gern nachgefärbt
Rosa vivo / Bokerosa bis lachsrosaPleurocorallium elatius; heller Kern, wolkige Farbverteilung
Momo / Cerasuololachs bis orangerotPleurocorallium elatius; erkennbarer weißer Kern, Hauptware des Pazifikhandels
Rosso / Sardegnagleichmäßig korallenrotCorallium rubrum aus dem Mittelmeer; ohne weißen Kern, durchgefärbt
Moro / Aka / Oxblooddunkelrot bis schwarzrotCorallium japonicum; teuerste Farbe des Pazifikhandels, glasartiger Glanz
Sciaccaorange bis bräunlichorange mit dunklen Fleckensubfossiles Corallium rubrum der sizilianischen Bänke; seit 1875 gefischt, Lager erschöpft
Midway / Rosatorosa-orangePleurocorallium secundum vom Hawaii-Rücken; Ernte in US-Gewässern stark eingeschränkt

Farbspektrum und die Namen des neapolitanischen Handels

Die Handelsnamen für Koralle stammen überwiegend aus Torre del Greco und bezeichnen jeweils Farbe und Art zugleich. Pelle d’Angelo, im deutschen Handel Engelshaut, steht für zartrosa bis weißrosa Ware von Pleurocorallium elatius. Bianco oder Shiro bezeichnet das milchigweiße Skelett von Pleurocorallium konojoi. Rosa vivo, Boke und Momo decken die lachs- und orangerosafarbenen Qualitäten ab, Cerasuolo das kirschrote Mittelfeld. Rosso und Sardegna stehen für die gleichmäßig rote Mittelmeerkoralle, Moro, Aka und Oxblood für das dunkelrote bis schwarzrote Skelett von Corallium japonicum. Midway und Rosato bezeichnen rosa-orange Ware von Pleurocorallium secundum vom Hawaii-Rücken. Wichtig für den Kauf: Die CIBJO stellt ausdrücklich fest, dass es für Schmuckkoralle kein international anerkanntes Gradingsystem gibt. Die Namen sind Beschreibungen, keine geprüften Stufen.

Gefärbt, gebleicht, gebrannt: was der Handel mit Farbe macht

Blasse Ware wird seit Jahrzehnten nachgefärbt, weil Rot deutlich höhere Preise erzielt. Gefärbte Koralle erkennen Sie unter der Lupe an Farbanreicherungen in Poren, Bohrlöchern und entlang der Wachstumsgrenzen sowie an einer Farbe, die auf der Oberfläche kräftiger wirkt als im Bohrkanal. Ein Wattestäbchen mit Aceton nimmt bei gefärbter Ware Farbe an, entfernt sie aber auch, weshalb wir diese Probe nur an unauffälliger Stelle empfehlen. Gebleicht wird vor allem, um einheitlich helle Ware zu erzeugen; das schwächt die Fluoreszenz. Eine Sonderrolle spielt Sciacca-Koralle: Ihr orangebrauner Ton mit dunklen Flecken entstand natürlich in subfossilen Lagern nahe dem Unterwasservulkan Ferdinandea. Erhitzte rote Koralle ahmt diesen Ton nach, bleibt aber gleichmäßig gefärbt und zeigt keine natürlichen Brandflecken.

Häufige Fragen

Ist rote Koralle immer gefärbt?
Nein, aber Färbung ist im unteren Preissegment die Regel. Ungefärbte Mittelmeerkoralle zeigt eine über das ganze Stück gleichmäßige, eher kühle Rotfärbung ohne weißen Kern. Gefärbte Ware verrät sich unter der Lupe durch Farbnester in Poren und Bohrlöchern und durch einen helleren Bohrkanal. Ein großer Teil der billigen roten Stränge im Handel besteht gar nicht aus Edelkoralle, sondern aus gefärbter Bambuskoralle oder harzgetränkter Schaumkoralle. Verlässlich ist die Raman-Spektroskopie im Labor: Sie weist die natürlichen polyenischen Pigmente bei etwa 1.520 und 1.132 Wellenzahlen nach, die einem Farbstoff fehlen.
Was genau ist Engelshautkoralle?
Pelle d’Angelo, deutsch Engelshaut, bezeichnet zartrosa bis weißrosa Schmuckkoralle mit gleichmäßiger, leicht wolkiger Färbung. Sie stammt überwiegend von Pleurocorallium elatius aus japanischen und taiwanesischen Gewässern. Der Name ist eine Farbbezeichnung des Handels und keine geschützte Qualitätsstufe; die CIBJO merkt an, dass für ihn keine wissenschaftlich festgelegten Kriterien existieren. Gute Ware ist frei von Flecken, Rissen und Bohrgängen und zeigt nach der Politur einen glasartigen Glanz. Weil hellrosa Koralle sich leicht nachahmen lässt, sollten Sie bei höherpreisigen Stücken ein gemmologisches Gutachten verlangen, das die Farbe ausdrücklich als natürlich bezeichnet.
Verblasst Koralle mit der Zeit?
Natürlich gefärbte Edelkoralle ist weitgehend lichtecht; ihre Pigmente sitzen im Inneren des Skeletts geschützt. Nachgefärbte Ware dagegen verliert unter Sonnenlicht und durch Reinigungsmittel deutlich an Farbe, oft ungleichmäßig. Der häufigere Grund für ein stumpfes Aussehen ist jedoch nicht Ausbleichen, sondern eine angegriffene Politur: Schweiß, Parfum, Haarspray, Sonnencreme und Chlorwasser wirken schwach sauer und ätzen die Oberfläche matt. Lagern Sie Korallenschmuck deshalb dunkel, trocken und getrennt von härteren Steinen und wischen Sie ihn nach dem Tragen mit einem weichen Tuch ab. Eine matt gewordene Oberfläche kann ein Goldschmied nachpolieren.