Die Farbe steckt in der organischen Matrix
Anders als bei den meisten Edelsteinen stammt die Farbe der Edelkoralle nicht von einem Metallion im Kristallgitter. Das Calcitskelett selbst ist farblos. Verantwortlich sind polyenische Pigmente aus der Gruppe der Carotinoide, die während des Wachstums in die organische Matrix eingelagert werden. Ihre langen Ketten konjugierter Doppelbindungen absorbieren im blauen und grünen Bereich des Spektrums, sodass Rosa-, Orange- und Rottöne übrig bleiben. Je mehr Pigment eingelagert ist, desto gesättigter fällt die Farbe aus. Diese Pigmente sind zugleich der sicherste Echtheitsnachweis: Im Raman-Spektrum erzeugen sie kräftige Banden bei etwa 1.520 und 1.132 Wellenzahlen, begleitet von schwächeren bei 1.297 und 1.020. Gefärbtes Material zeigt diese Banden nicht, sondern schmale Fremdbanden über einem breiten Lumineszenzuntergrund. Die Prüfung ist zerstörungsfrei und dauert Minuten.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Pelle d’Angelo / Engelshaut | zartrosa bis weißrosa | Pleurocorallium elatius, Japan und Taiwan; kein definierter Standard, häufig imitiert |
| Bianco / Shiro | milchigweiß | Pleurocorallium konojoi; oft mit roten Flecken, wird gern nachgefärbt |
| Rosa vivo / Boke | rosa bis lachsrosa | Pleurocorallium elatius; heller Kern, wolkige Farbverteilung |
| Momo / Cerasuolo | lachs bis orangerot | Pleurocorallium elatius; erkennbarer weißer Kern, Hauptware des Pazifikhandels |
| Rosso / Sardegna | gleichmäßig korallenrot | Corallium rubrum aus dem Mittelmeer; ohne weißen Kern, durchgefärbt |
| Moro / Aka / Oxblood | dunkelrot bis schwarzrot | Corallium japonicum; teuerste Farbe des Pazifikhandels, glasartiger Glanz |
| Sciacca | orange bis bräunlichorange mit dunklen Flecken | subfossiles Corallium rubrum der sizilianischen Bänke; seit 1875 gefischt, Lager erschöpft |
| Midway / Rosato | rosa-orange | Pleurocorallium secundum vom Hawaii-Rücken; Ernte in US-Gewässern stark eingeschränkt |
Farbspektrum und die Namen des neapolitanischen Handels
Die Handelsnamen für Koralle stammen überwiegend aus Torre del Greco und bezeichnen jeweils Farbe und Art zugleich. Pelle d’Angelo, im deutschen Handel Engelshaut, steht für zartrosa bis weißrosa Ware von Pleurocorallium elatius. Bianco oder Shiro bezeichnet das milchigweiße Skelett von Pleurocorallium konojoi. Rosa vivo, Boke und Momo decken die lachs- und orangerosafarbenen Qualitäten ab, Cerasuolo das kirschrote Mittelfeld. Rosso und Sardegna stehen für die gleichmäßig rote Mittelmeerkoralle, Moro, Aka und Oxblood für das dunkelrote bis schwarzrote Skelett von Corallium japonicum. Midway und Rosato bezeichnen rosa-orange Ware von Pleurocorallium secundum vom Hawaii-Rücken. Wichtig für den Kauf: Die CIBJO stellt ausdrücklich fest, dass es für Schmuckkoralle kein international anerkanntes Gradingsystem gibt. Die Namen sind Beschreibungen, keine geprüften Stufen.
Gefärbt, gebleicht, gebrannt: was der Handel mit Farbe macht
Blasse Ware wird seit Jahrzehnten nachgefärbt, weil Rot deutlich höhere Preise erzielt. Gefärbte Koralle erkennen Sie unter der Lupe an Farbanreicherungen in Poren, Bohrlöchern und entlang der Wachstumsgrenzen sowie an einer Farbe, die auf der Oberfläche kräftiger wirkt als im Bohrkanal. Ein Wattestäbchen mit Aceton nimmt bei gefärbter Ware Farbe an, entfernt sie aber auch, weshalb wir diese Probe nur an unauffälliger Stelle empfehlen. Gebleicht wird vor allem, um einheitlich helle Ware zu erzeugen; das schwächt die Fluoreszenz. Eine Sonderrolle spielt Sciacca-Koralle: Ihr orangebrauner Ton mit dunklen Flecken entstand natürlich in subfossilen Lagern nahe dem Unterwasservulkan Ferdinandea. Erhitzte rote Koralle ahmt diesen Ton nach, bleibt aber gleichmäßig gefärbt und zeigt keine natürlichen Brandflecken.
