Wofür Aragonit im Schmuck taugt
Mit Mohs-Härte 3,5 bis 4 ist Aragonit ein Stein für Schmuckstücke, die wenig Kontakt haben. Anhänger sind die naheliegende Form, dazu Broschen, Ohrhänger und Colliers mit größeren Einzelsteinen. Ketten aus Aragonitkugeln gibt es, sie scheuern aber an den Bohrlöchern und an den Berührungsstellen der Perlen; rechnen Sie mit sichtbarer Abnutzung nach ein bis zwei Jahren regelmäßigen Tragens. Ringe und Armbänder sind ungeeignet, denn beide Positionen stoßen ständig an und werden von Hausstaub mit Quarzanteil überschliffen. Eine Sonderstellung nimmt der marokkanische Igel ein: Kleine Exemplare von zwei bis drei Zentimetern werden mit Silberöse als Anhänger gefasst und für etwa 15 bis 30 Euro verkauft. Das ist dekorativ, aber die abstehenden Spitzen brechen bei Alltagsnutzung unweigerlich; als Objekt am Band zu besonderen Anlässen funktioniert es.
Die Fassung entscheidet über die Lebensdauer
Wählen Sie die geschlossene Zargenfassung. Sie umschließt den Rand vollständig, fängt seitliche Stöße ab und verhindert, dass eine Kante frei liegt, an der ein Sprung beginnen kann. Krappenfassungen sind der falsche Weg: Die Krappen müssen beim Fassen gedrückt werden, und genau dieser punktuelle Druck ist es, den ein sprödes Karbonat mit Spaltbarkeit nicht verträgt. Wenn Sie dennoch Krappen wollen, lassen Sie breite, abgeflachte Krappen arbeiten und unterlegen Sie den Stein. Sprechen Sie mit Ihrem Goldschmied vorher über die Reihenfolge: Alle Lötarbeiten müssen abgeschlossen sein, bevor der Stein in die Fassung kommt, denn Aragonit verträgt weder die Flamme noch das anschließende Abbeizen in Säure. Auch die Endpolitur der Fassung erfolgt besser vor dem Einsetzen, da Poliermittel und Rotationsbürsten die weiche Oberfläche mattieren.
Was Perlmutt besser kann als der Kristall
Perlmutt besteht aus demselben Mineral wie Ihr Aragonitanhänger und hält trotzdem erheblich mehr aus. Der Grund ist der Aufbau. In der Perlmuttschicht liegen Aragonitplättchen von wenigen hundert Nanometern Dicke wie Ziegel übereinander, verklebt durch dünne Lagen des Eiweißes Conchiolin. Ein Riss, der durch ein Plättchen läuft, wird an der nächsten organischen Schicht abgelenkt und verliert Energie. Dieser Verbundwerkstoff ist um ein Vielfaches bruchzäher als ein gewachsener Einkristall derselben Substanz — Materialforscher untersuchen ihn seit Jahrzehnten als Vorbild für Keramiken. Für Sie heißt das zweierlei: Perle und Perlmutt dürfen Sie regelmäßig tragen, kristallinen Aragonit nicht. Die chemische Empfindlichkeit teilen sich beide. Weder Perle noch Aragonit vertragen Essig, Zitrone, Parfüm oder Ultraschall, denn die Kristallstruktur schützt nicht vor Säure. Wenn Sie also den Umgang mit Perlen gewohnt sind, kennen Sie die halbe Pflegeanleitung für Aragonit bereits — nur die mechanische Belastbarkeit müssen Sie deutlich niedriger ansetzen.
