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Das Edelstein-Lexikon

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Aragonit Lexikon · Herkunft & Fundorte

Aragonit – Herkunft & Fundorte

Aragonit

Molina de Aragón: die Typlokalität

Die Fundstelle liegt rund zwei Kilometer von Molina de Aragón entfernt in der Provinz Guadalajara, an der Straße Richtung Ventosa im Gemeindegebiet von Cobeta. Die Kristalle stecken in Tonen und Gipsen der oberen Trias, gebildet aus aufsteigenden calciumreichen Thermalwässern. Von hier stammt das Material, das Abraham Gottlob Werner 1797 zur Benennung diente, und bis heute gilt Aragonit als das spanische Mineral schlechthin. Sammelbar ist die Stelle nur eingeschränkt: Maschineller Abbau ist untersagt, das Aufsammeln von Handstücken an der Oberfläche für den Eigenbedarf bleibt erlaubt. Für den Handel spielt die Typlokalität daher keine Rolle mehr; ihre Stücke sind Liebhaberware mit Etikettwert. Wirtschaftlich bedeutender war und ist Minglanilla in der benachbarten Provinz Cuenca, wo rotbraune Drillinge in Gips vorkommen, die den marokkanischen sehr ähneln und vor deren Markteintritt den europäischen Bedarf deckten.

Fundort Land Besonderheit
Molina de Aragón, GuadalajaraSpanienTyplokalität, Werner 1797; Kristalle in Keupermergeln und Gips, heute nur noch Handaufsammlung
Minglanilla, Provinz CuencaSpanienrotbraune Drillinge in Gips; vor dem marokkanischen Material die europäische Standardware
Tazouta und Oued Ahmamaje, SefrouMarokkoigelförmige Drillingsaggregate, die „Sputniks“; heute mit Abstand wichtigste Handelsquelle
Erzberg bei Eisenerz, SteiermarkÖsterreichEisenblüte (Flos ferri), weiße korallenartige Aggregate auf Siderit; klassische, kaum noch nachgelieferte Ware
Karlovy Vary, EgerlandTschechienSprudelstein und Erbsenstein aus Thermalquellensinter, historisch zu Souvenirobjekten verarbeitet
Ochtiná, Slowakisches ErzgebirgeSlowakeieine der wenigen Aragonithöhlen der Welt, UNESCO-Welterbe, nicht sammelbar
Agrigent, SizilienItalienwasserklare Kristalle in Schwefellagerstätten; eine der wenigen facettierbaren Qualitäten
BahamabankBahamasanorganisch ausgefällter Ooidsand, das mengenmäßig größte rezente Aragonitvorkommen

Marokko bestimmt heute das Angebot

Seit den 1990er Jahren liefert Marokko den weit überwiegenden Teil des Aragonits im internationalen Mineralienhandel. Die Fundstellen liegen bei Tazouta und im Tal des Oued Ahmamaje südlich von Sefrou, am Nordrand des Mittleren Atlas, in derselben triassischen Ton-Gips-Folge wie die spanischen Vorkommen. Gewonnen wird handwerklich, oft saisonal und als Nebenerwerb; die Stücke gelangen über Sammelstellen in Midelt und Marrakesch in den Export. Das Angebot ist reichlich und die Preise sind entsprechend niedrig — ein sauber ausgebildeter Igel von fünf Zentimetern kostet den europäischen Endkunden weniger als ein Kinobesuch. Achten Sie auf die Ortsangabe: „Marokko“ allein ist wertlos, „Tazouta, Sefrou“ ist die Angabe, die ein Sammler erwartet. Häufig geklebte Spitzen und auf Sockel montierte Bruchstücke sind das eigentliche Qualitätsproblem dieses Materials.

Eisenblüte, Sprudelstein und die klassischen europäischen Fundstellen

Der steirische Erzberg bei Eisenerz lieferte über Jahrhunderte die schönste Eisenblüte der Welt: schneeweiße, korallenartig verzweigte Aragonitgebilde, die in Hohlräumen der Sideritlagerstätte wuchsen. Historische Stücke stehen in fast jedem europäischen Naturkundemuseum, im Handel sind sie selten und wegen ihrer Zerbrechlichkeit teuer. Karlovy Vary im Egerland steuerte Sprudelstein und Erbsenstein bei, Sinterbildungen der heißen Quellen, die im 19. Jahrhundert zu Dosen, Broschen und Briefbeschwerern verarbeitet wurden. Die Aragonithöhle von Ochtiná in der Slowakei und die Cueva de El Soplao in Kantabrien zeigen Aragonit als filigrane Höhlenbildung, beide stehen unter Schutz. Sizilien lieferte aus den Schwefellagerstätten bei Agrigent wasserklare Kristalle, die zu den wenigen facettierbaren Qualitäten überhaupt zählen. Großtechnisch relevant ist schließlich der Ooidsand der Bahamabank, der in großem Maßstab für Zement und zur Wasseraufbereitung gewonnen wird. Für den Sammlermarkt spielen alle diese Vorkommen heute nur noch eine Nebenrolle; ihr Wert liegt in der Herkunftsgeschichte und im alten Etikett, nicht in laufender Förderung.

Häufige Fragen

Woher stammt der Aragonit, den ich im Laden sehe?
Mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Marokko, genauer aus der Gegend von Tazouta bei Sefrou. Diese Vorkommen decken seit rund drei Jahrzehnten den Großteil des weltweiten Sammlerbedarfs an kristallisiertem Aragonit. Erkennbar sind sie an der rotbraunen Farbe, der igelförmigen Anordnung und den pseudohexagonalen Säulen mit heller Spitze. Spanische Stücke aus Minglanilla sehen ähnlich aus, kommen aber seltener auf den Markt. Weißes, verästeltes Material stammt meist aus Sinter- oder Erzlagerstätten.
Kann man an der Typlokalität in Spanien noch sammeln?
Nur eingeschränkt. Die Fundstelle bei Molina de Aragón gehört zum Geopark Molina-Alto Tajo. Maschineller Abbau und Grabungen sind untersagt, das Aufsammeln loser Stücke an der Oberfläche für den privaten Gebrauch ist zulässig. Kommerzielle Gewinnung findet dort nicht statt, weshalb Stufen mit gesicherter Typlokalitätsangabe hauptsächlich aus alten Sammlungen stammen. Für solche Stücke zahlen Sammler deutliche Aufschläge gegenüber optisch gleichwertigem marokkanischem Material.
Warum ist Eisenblüte so teuer?
Weil sie kaum noch nachgeliefert wird und extrem zerbrechlich ist. Die verästelten Gebilde entstanden in Hohlräumen der Sideritlagerstätte am steirischen Erzberg, deren klassische Abbaubereiche längst aufgelassen sind. Die dünnen Ästchen halten kaum Transport aus, sodass unbeschädigte Stücke rar sind. Handelsübliche kleine Fragmente von wenigen Zentimetern bekommen Sie ab etwa 30 Euro; museale, unversehrte Stufen aus historischen Sammlungen erreichen mehrere Hundert bis einige Tausend Euro.