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Das Edelstein-Lexikon

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Aragonit Lexikon · Farben & Varietäten

Aragonit – Farben & Varietäten

Aragonit

Chemisch reiner Aragonit ist farblos

Weder das Calciumion noch die Carbonatgruppe besitzt teilweise gefüllte d- oder f-Schalen. Es fehlen also genau die Elektronenübergänge, die bei Mineralen wie Smaragd oder Rubin sichtbares Licht verschlucken. Chemisch reiner Aragonit ist deshalb farblos und wasserklar, so wie die berühmten Kristalle aus den sizilianischen Schwefellagerstätten. Alles, was Sie an Farbe sehen, stammt aus Fremdstoffen. Meist sind das feinverteilte Eisen- und Manganoxide, die während des Wachstums aus dem umgebenden Sediment eingeschlossen werden, seltener organische Substanz oder Bitumen. Auch eingebaute Fremdionen kommen vor: Kupfer färbt grünlich bis blaugrün, Kobalt rosa. Weil die Farbe hier nur an Einschlüssen hängt, ist sie oft ungleichmäßig verteilt. Bei den marokkanischen Igeln sitzt das Pigment im Kern der Kristalle, während die zuletzt gewachsenen Spitzen hell und durchscheinend bleiben — ein zuverlässiges Echtheitsmerkmal gegenüber gefärbter Ware.

Varietät Farbe Bemerkung
Eisenblüte (Flos ferri)reinweißkorallenartig verästelte Aggregate aus Siderit-Lagerstätten, klassisch vom Erzberg bei Eisenerz, Steiermark
Sputnik, Kristalligelrotbraun bis orangebraun, Spitzen hellkugelige Drillingsaggregate aus Tazouta bei Sefrou, Marokko; heute die häufigste Handelsform
Erbsenstein (Pisolith)weiß, cremefarben, hellbraunerbsengroße Kugeln aus Thermalwasser, bekannt von Karlovy Vary
Sprudelsteinbraun-weiß gebändertSinterkrusten der Karlsbader Quellen, geschnitten und poliert als Souvenirmaterial
Tarnowitzitweiß bis graubleihaltiger Aragonit, benannt nach Tarnowskie Góry in Polen
Nicholsonitweiß, gelblichzinkhaltiger Aragonit aus Zinklagerstätten
Mossottitfarblos bis weißstrontiumhaltiger Aragonit, Übergang zum Strontianit
Ammolithrot, grün, gold, blau schillerndfossiles Ammonitenperlmutt aus Alberta; einziger Aragonit mit regulärem Schmucksteinstatus

Rotbraun, Honig und Weiß: die Eisenfrage

Das Farbspektrum des Handels ist überschaubar. Weiß und Grauweiß dominieren bei Sinterbildungen, Eisenblüte und Höhlenaragonit, weil dort fast reines Calciumcarbonat ausfällt. Gelb bis honigbraun entsteht bei geringem Eisengehalt, Rotbraun und Ziegelrot bei stärkerer Beimengung von Hämatit und Limonit. Genau diese Farbe tragen die marokkanischen Sputniks, und sie ist ihr wichtigstes Verkaufsargument. Graue und fast schwarze Partien gehen auf organische Substanz zurück. Grünliche und bläuliche Töne sind natürlich möglich, aber selten; wo Sie kräftiges Blau oder Giftgrün sehen, handelt es sich fast immer um gefärbte poröse Ware. Bandiert braun-weiße Platten und Schalen, die als „Aragonit“ angeboten werden, sind übrigens häufig Onyxmarmor und damit Calcit. Eine Dichtebestimmung oder die Meigen-Reaktion klärt den Fall schnell. Lassen Sie sich von der Farbe allein also nie leiten: Sie sagt bei diesem Mineral nichts über die Art und wenig über die Qualität aus. Aussagekräftiger ist, wie sauber die Farbzonen mit dem Kristallwachstum zusammenfallen — ein gleichmäßig durchgefärbtes Stück sollte Sie misstrauisch machen.

Varietäten und Handelsnamen

Aragonit trägt eine ungewöhnlich große Zahl alter Varietätsnamen, die im Handel bis heute gebräuchlich sind. Eisenblüte oder Flos ferri bezeichnet die korallenartig verästelten weißen Aggregate aus Siderit-Lagerstätten, klassisch vom Erzberg bei Eisenerz in der Steiermark. Erbsenstein oder Pisolith meint kugelige Konkretionen aus Thermalwasser, Sprudelstein die bandierten Sinterkrusten von Karlovy Vary. Chemisch definiert sind Tarnowitzit als bleihaltiger, Nicholsonit als zinkhaltiger und Mossottit als strontiumhaltiger Aragonit. Ammolith ist fossiles Ammonitenperlmutt aus Alberta und der einzige Aragonit, der regelmäßig als echter Schmuckstein verkauft wird. Konchit steht für aragonitische Muschelschalen. Im esoterisch geprägten Handel kursieren zusätzlich Fantasienamen wie „Sputnik-Aragonit“ oder „Sternaragonit“; sie beschreiben nur die Form der marokkanischen Igel und sagen nichts über Qualität aus. Achten Sie beim Kauf darauf, ob ein Name eine überprüfbare Aussage enthält. „Tarnowitzit“ bezeichnet eine Zusammensetzung, „Eisenblüte“ eine Wuchsform mit klarer Herkunft, „Sternaragonit“ dagegen nichts, was ein zweiter Händler bestätigen könnte.

Häufige Fragen

Gibt es natürlich blauen Aragonit?
Zarte bläuliche und violette Töne kommen natürlich vor, meist in Sinter- und Höhlenmaterial. Kräftig blaue Trommelsteine und Scheiben, wie sie häufig angeboten werden, sind dagegen fast immer gefärbt oder es handelt sich um ein anderes Mineral. Prüfen Sie Risse und Poren: Sitzt die Farbe dort konzentriert und ist die Fläche dazwischen blass, wurde nachgeholfen. Ein Wattestäbchen mit Aceton nimmt bei vielen Färbungen Pigment auf. Natürlich blaue Ware bleibt gleichmäßig blass.
Warum sind die marokkanischen Kristalle innen dunkel und außen hell?
Die Färbung stammt von Eisenoxidpartikeln, die während des Wachstums aus dem umgebenden Ton eingefangen werden. Solange der Kristall im Sediment steckt, nimmt er viel Pigment auf. Wächst er später in einen offenen Hohlraum hinein, steht kaum noch Material zur Verfügung, und die zuletzt gebildeten Spitzen bleiben nahezu farblos. Dieser Zonarbau von innen nach außen lässt sich nicht nachahmen und ist ein gutes Zeichen dafür, dass ein Stück ungefärbt ist.
Ist Ammolith wirklich Aragonit?
Ja. Ammolith ist die Perlmuttschicht fossiler Ammoniten der Gattung Placenticeras aus der Bearpaw-Formation in Alberta, Kanada. Sie besteht aus gestapelten Aragonitplättchen, deren Dicke die Interferenzfarben erzeugt. Bemerkenswert ist, dass dieser Aragonit rund 70 Millionen Jahre überdauert hat, ohne zu Calcit zu rekristallisieren — in den meisten Fossilien ist genau das längst passiert. Im Handel wird Ammolith fast ausschließlich als Dublette oder Triplette angeboten, weil die Schicht nur Bruchteile eines Millimeters dick ist.