Warum facettierter Aragonit Sammlerware bleibt
Drei Gründe halten Aragonit von der Facettenschleiferei fern. Erstens fehlt das Rohmaterial: Durchsichtige, rissfreie Partien von mehr als einem Zentimeter Kantenlänge sind selten und kommen im Wesentlichen aus den sizilianischen Schwefellagerstätten sowie aus einzelnen spanischen und tschechischen Vorkommen. Zweitens bringt die Härte von 3,5 bis 4 keinen dauerhaften Politurglanz auf die Facettenkanten; die Kanten runden beim geringsten Kontakt ab. Drittens arbeitet die hohe Doppelbrechung von 0,155 gegen die Brillanz: Durch den Stein hindurch erscheinen die hinteren Facettenkanten doppelt, das Bild wirkt unscharf und weich. Wer dennoch facettiert, tut es für die Vitrine und wählt einen Treppen- oder Smaragdschliff mit wenigen großen Facetten. Der Aufwand, nicht der Rohstoff, bestimmt den Preis von 25 bis 240 Euro je Karat. Die Ausbeute aus Rohmaterial liegt selten über zehn Prozent.
Spaltbarkeit nach {010} und ein sprödes Material
Aragonit spaltet deutlich nach {010} und undeutlich nach {110}. Das ist weniger heikel als die dreifache rhomboedrische Spaltbarkeit des Calcits, aber es reicht, um einen Stein auf der Dopscheibe zu verlieren. Richten Sie die Tafel deshalb schräg zur Spaltfläche aus, nie parallel. Aufkitten sollten Sie mit Kaltkitt oder bei sehr niedriger Temperatur: Aragonit reagiert empfindlich auf Wärme und wandelt sich oberhalb von etwa 400 Grad Celsius in Calcit um, wobei das Stück trüb wird und zerfällt. Beim Sägen und Vorschleifen gilt geringer Vorschub und reichlich Kühlung, weil das Material spröde ist und ausbricht. Poliert wird mit Zinnoxid oder Ceroxid auf Zinn-, Zink- oder Lederscheibe. Säurehaltige Schleifzusätze und aggressive Kühlmittel scheiden aus, da Karbonat sofort angegriffen wird. Planen Sie außerdem Verlust ein: Zwischen Rohstück und fertigem Cabochon gehen bei diesem Material erfahrungsgemäß mehr als die Hälfte des Gewichts verloren, bei Facettensteinen bleiben oft weniger als zehn Prozent übrig.
Cabochon, Trommelstein und die unbehandelte Stufe
In der Praxis wird Aragonit meist gar nicht geschliffen. Die marokkanischen Igel kommen als Naturstufe in den Handel, gereinigt und höchstens von anhaftendem Ton befreit; jede Bearbeitung würde ihren Reiz zerstören. Massives, bandiertes Material wird zu Trommelsteinen, Cabochons, Scheiben und kleinen Schalen verarbeitet. Cabochons in 20 bis 30 Millimetern sind die praktikabelste Schmuckform, weil die gewölbte Fläche Stöße besser verteilt als eine Facettenkante. Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Politur wirklich geschlossen ist: Bei Härte 3,5 bis 4 neigen Schleifer dazu, zu früh aufzuhören, und ein matter Schleier bleibt stehen. Ammolith bildet die Ausnahme im Schliffbild. Weil die Perlmuttschicht nur Zehntelmillimeter misst, wird sie als Dublette oder Triplette mit Bergkristalldecke geschützt und dann in freien Formen geschliffen. Dieselbe Bauweise empfiehlt sich auch für dünne, besonders klare Aragonitplatten, wenn Sie sie überhaupt tragbar machen wollen.
