Warum Zuckerdolomit kaum geschliffen wird
Zuckerdolomit ist als Schleifmaterial ein undankbarer Kandidat. Das Gestein besteht aus vielen einzelnen Kristallkörnern, von denen jedes drei vollkommene Spaltrichtungen besitzt. Beim Schleifen brechen diese Körner bevorzugt entlang ihrer Spaltflächen heraus, statt gleichmäßig abgetragen zu werden. Die Oberfläche bleibt dadurch narbig, kleine Ausbrüche an den Korngrenzen lassen sich auch mit feinsten Poliermitteln nicht vollständig schließen. Hinzu kommt die geringe Härte von 3,5 bis 4: Selbst eine perfekt polierte Fläche verliert ihren Glanz, sobald sie in Kontakt mit Staub kommt, denn Quarzstaub ist mit Härte 7 deutlich härter. Was tatsächlich verarbeitet wird, sind Trommelsteine und einfache Anschliffe, bei denen eine leicht seidige Oberfläche akzeptiert wird. Für Cabochons eignet sich nur besonders dichtes, feinkörniges Material, und auch dann bleibt das Ergebnis hinter dem zurück, was Achat oder Jaspis liefern.
Spaltbarkeit und Doppelbrechung beim Facettieren
Facettieren lässt sich nur klares Einkristallmaterial, praktisch ausschließlich aus Eugui in Navarra. Dort sind Rohkristalle von deutlich über hundert Karat belegt, doch das Schleifen bleibt anspruchsvoll. Die vollkommene rhomboedrische Spaltbarkeit in drei Richtungen bedeutet, dass jeder zu starke Andruck und jede punktuelle Erwärmung einen Spaltriss auslösen kann. Erfahrene Schleifer orientieren den Stein so, dass keine Facette parallel zu einer Spaltfläche liegt, arbeiten mit geringem Druck, viel Kühlung und wechseln früh auf feine Körnungen. Poliert wird meist auf Zinn- oder Kunststoffscheiben mit Aluminiumoxid oder Ceroxid. Hinzu kommt die hohe Doppelbrechung von 0,179: Wer durch die Tafel blickt, sieht die hinteren Facettenkanten deutlich doppelt. Dieser Effekt lässt sich abmildern, indem man die Tafel senkrecht zur optischen Achse orientiert, ganz vermeiden lässt er sich nicht. Das Ergebnis ist Sammlerware.
Trommeln, Anschleifen und die Präparation der Stufen
Bei Zuckerdolomit mit Pyrit ist der wichtigste Arbeitsschritt nicht das Schleifen, sondern die Präparation. Die Stufen kommen mit anhaftendem Nebengestein aus dem Berg, das vorsichtig mechanisch entfernt werden muss. Säurebäder, wie sie bei Quarzstufen üblich sind, scheiden vollständig aus: Salzsäure löst den Dolomit selbst an, und die Pyritoberflächen würden verätzt. Gearbeitet wird deshalb trocken mit Stichel, Druckluftstichel und weicher Bürste. Wasser wird möglichst ganz vermieden, weil die Matrix aufweicht und die Pyritoxidation beschleunigt wird. Beim Trommeln von reinem Zuckerdolomit gilt, dass die weiche Ware nur mit deutlich kürzeren Laufzeiten und feinerem Korn bearbeitet werden sollte als Quarze, sonst runden die Steine zu stark ab und verlieren Kanten. Mischen Sie Dolomit nie mit härteren Steinen in derselben Trommel, sonst entstehen tiefe Kratzer und Schlagmarken.
