Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Zuckerdolomit Lexikon · Schliff & Bearbeitung

Zuckerdolomit – Schliff & Bearbeitung

Zuckerdolomit

Warum Zuckerdolomit kaum geschliffen wird

Zuckerdolomit ist als Schleifmaterial ein undankbarer Kandidat. Das Gestein besteht aus vielen einzelnen Kristallkörnern, von denen jedes drei vollkommene Spaltrichtungen besitzt. Beim Schleifen brechen diese Körner bevorzugt entlang ihrer Spaltflächen heraus, statt gleichmäßig abgetragen zu werden. Die Oberfläche bleibt dadurch narbig, kleine Ausbrüche an den Korngrenzen lassen sich auch mit feinsten Poliermitteln nicht vollständig schließen. Hinzu kommt die geringe Härte von 3,5 bis 4: Selbst eine perfekt polierte Fläche verliert ihren Glanz, sobald sie in Kontakt mit Staub kommt, denn Quarzstaub ist mit Härte 7 deutlich härter. Was tatsächlich verarbeitet wird, sind Trommelsteine und einfache Anschliffe, bei denen eine leicht seidige Oberfläche akzeptiert wird. Für Cabochons eignet sich nur besonders dichtes, feinkörniges Material, und auch dann bleibt das Ergebnis hinter dem zurück, was Achat oder Jaspis liefern.

Spaltbarkeit und Doppelbrechung beim Facettieren

Facettieren lässt sich nur klares Einkristallmaterial, praktisch ausschließlich aus Eugui in Navarra. Dort sind Rohkristalle von deutlich über hundert Karat belegt, doch das Schleifen bleibt anspruchsvoll. Die vollkommene rhomboedrische Spaltbarkeit in drei Richtungen bedeutet, dass jeder zu starke Andruck und jede punktuelle Erwärmung einen Spaltriss auslösen kann. Erfahrene Schleifer orientieren den Stein so, dass keine Facette parallel zu einer Spaltfläche liegt, arbeiten mit geringem Druck, viel Kühlung und wechseln früh auf feine Körnungen. Poliert wird meist auf Zinn- oder Kunststoffscheiben mit Aluminiumoxid oder Ceroxid. Hinzu kommt die hohe Doppelbrechung von 0,179: Wer durch die Tafel blickt, sieht die hinteren Facettenkanten deutlich doppelt. Dieser Effekt lässt sich abmildern, indem man die Tafel senkrecht zur optischen Achse orientiert, ganz vermeiden lässt er sich nicht. Das Ergebnis ist Sammlerware.

Trommeln, Anschleifen und die Präparation der Stufen

Bei Zuckerdolomit mit Pyrit ist der wichtigste Arbeitsschritt nicht das Schleifen, sondern die Präparation. Die Stufen kommen mit anhaftendem Nebengestein aus dem Berg, das vorsichtig mechanisch entfernt werden muss. Säurebäder, wie sie bei Quarzstufen üblich sind, scheiden vollständig aus: Salzsäure löst den Dolomit selbst an, und die Pyritoberflächen würden verätzt. Gearbeitet wird deshalb trocken mit Stichel, Druckluftstichel und weicher Bürste. Wasser wird möglichst ganz vermieden, weil die Matrix aufweicht und die Pyritoxidation beschleunigt wird. Beim Trommeln von reinem Zuckerdolomit gilt, dass die weiche Ware nur mit deutlich kürzeren Laufzeiten und feinerem Korn bearbeitet werden sollte als Quarze, sonst runden die Steine zu stark ab und verlieren Kanten. Mischen Sie Dolomit nie mit härteren Steinen in derselben Trommel, sonst entstehen tiefe Kratzer und Schlagmarken.

Häufige Fragen

Kann man Zuckerdolomit facettieren?
Praktisch nicht. Zuckerdolomit ist ein undurchsichtiges, vielkristallines Gestein; Facetten hätten daran keine Wirkung, weil kein Licht hindurchtritt. Facettierbar ist nur klarer Dolomit als Einkristall, und den liefert im Wesentlichen Eugui in Navarra. Selbst dieses Material gilt wegen Härte 3,5 bis 4 und dreier vollkommener Spaltrichtungen als schwierig und wird fast ausschließlich für Sammlungen geschliffen. Geschliffene Dolomite sind Belegstücke, keine Schmucksteine im üblichen Sinn.
Warum sieht man in facettiertem Dolomit die Kanten doppelt?
Wegen der hohen Doppelbrechung von 0,179. Dolomit ist optisch einachsig negativ, das einfallende Licht wird in zwei Strahlen mit unterschiedlichen Brechungsindizes aufgespalten, nämlich 1,500 und 1,679. Blicken Sie durch die Tafel, erscheinen die hinteren Facettenkanten dadurch doppelt. Das ist kein Schleiffehler, sondern ein sicheres Bestimmungsmerkmal. Nur Calcit übertrifft diesen Wert mit 0,172 nicht, sondern bleibt knapp darunter; die Unterscheidung gelingt über Härte und Säureverhalten.
Wie bereitet man eine Pyritstufe richtig auf?
Trocken und mechanisch. Überschüssiges Nebengestein wird mit Stichel oder Druckluftstichel abgetragen, Staub mit einem weichen Pinsel entfernt. Säuren sind tabu, weil sie den Dolomit anlösen und den Pyrit angreifen. Wasserbäder sollten Sie ebenfalls vermeiden, da die Matrix aufweicht und Feuchtigkeit die Pyritoxidation in Gang setzt. Lose Würfel lassen sich mit einem alterungsbeständigen, reversiblen Kleber wieder ansetzen; notieren Sie solche Eingriffe für den Fall eines späteren Verkaufs.