Pyritzerfall: das mit Abstand größte Risiko
Wenn Sie sich nur einen Satz zur Pflege merken, dann diesen: Halten Sie die Stufe trocken. Pyrit und der chemisch gleiche, aber rhombisch kristallisierende Markasit oxidieren in Gegenwart von Sauerstoff und Wasser. Dabei entstehen Eisensulfate und Schwefelsäure. Der Fachbegriff lautet Pyritzerfall oder Pyritkrankheit. Der Prozess ist selbstverstärkend, weil die gebildete Säure hygroskopisch ist, also Feuchtigkeit anzieht, und weil die entstehenden Sulfate ihr Volumen bei etwa sechzig Prozent relativer Luftfeuchte um über das Zweieinhalbfache vergrößern und die Stufe von innen sprengen. Empfindliche Stücke beginnen bereits bei dreißig Prozent relativer Feuchte zu reagieren, während Wohnräume üblicherweise bei vierzig bis fünfzig Prozent liegen. Die freigesetzte Schwefelsäure greift anschließend den Dolomit an. Halten Sie die Stufe daher möglichst unter vierzig Prozent relativer Luftfeuchte, notfalls mit Silicagel in einer dicht schließenden Box.
| Einfluss | Verhalten | Empfehlung |
|---|---|---|
| Ultraschallbad | Kavitation reißt Spaltflächen auf und löst Pyritwürfel aus der weichen Matrix | ausnahmslos vermeiden |
| Dampfreiniger und Hitze | Karbonate geben bei starker Erwärmung Kohlendioxid ab; Temperaturwechsel erzeugen Spannungsrisse | nicht anwenden; auch beim Fassen nicht in Steinnähe löten |
| Wasser | weicht die Matrix auf und startet die Oxidation des Pyrits | trocken reinigen; bei versehentlichem Kontakt sofort an der Luft trocknen |
| Luftfeuchtigkeit | ab etwa 30 bis 60 Prozent beginnt der Pyritzerfall, gebildete Sulfate dehnen sich stark aus | dauerhaft unter 40 Prozent halten, Silicagel in dichter Box, jährlich kontrollieren |
| Säuren (Essig, Zitrone, Entkalker) | lösen den Dolomit an, die Oberfläche wird matt und angeätzt | jeden Kontakt vermeiden, auch bei Reinigungsmitteln mit Fruchtsäuren |
| Licht und UV | die Farbe ist weitgehend stabil, aber Erwärmung fördert Kondensation und Temperaturwechsel | indirektes Licht, keine direkte Sonne, keine Halogenstrahler dicht am Stück |
| Schweiß und Kosmetik | Feuchtigkeit und Fette beschleunigen die Pyritoxidation, saurer Schweiß greift das Karbonat an | nicht auf der Haut tragen; Anhänger nach Gebrauch trocken abwischen |
| Mechanische Belastung | Härte 3,5 bis 4 und drei vollkommene Spaltrichtungen; Pyritwürfel brechen an den Kanten | getrennt von härteren Mineralen lagern, nicht stapeln, nur am Gestein anfassen |
Reinigung: möglichst ohne Wasser
Für Zuckerdolomit mit Pyrit gilt eine ungewöhnlich strenge Regel: Reinigen Sie trocken. Staub entfernen Sie mit einem weichen Pinsel oder einem Blasebalg, festere Ablagerungen vorsichtig mit einem trockenen Wattestäbchen. Ein kurzes Abspülen unter lauwarmem Wasser mag eine reine Dolomitprobe überstehen, bei einer Pyritstufe setzt es jedoch die Oxidation in Gang und weicht zusätzlich die mürbe Matrix auf. Absolut verboten sind Ultraschallbäder und Dampfreiniger: Die Kavitation im Ultraschall sprengt Spaltrisse auf und löst Kristalle aus dem Gestein, der Dampf bringt Hitze und Feuchtigkeit zugleich. Ebenso tabu sind alle sauren Haushaltsreiniger, Essig, Zitronensäure und Entkalker, denn Dolomit ist ein Karbonat und wird davon angelöst. Sollte ein Stück doch einmal feucht geworden sein, trocknen Sie es sofort bei Raumtemperatur an der Luft, nie mit einem Heißluftgerät.
Lagerung, Licht, Chemie und Echtheitsprüfung
Lagern Sie die Stufe in einer geschlossenen, trockenen Vitrine oder Box, gern zusammen mit einem Beutel Silicagel, dessen Sättigung Sie ein- bis zweimal jährlich kontrollieren. Keller, Bad und Außenwandnischen sind ungeeignet. Direktes Sonnenlicht schadet der Farbe kaum, die damit verbundene Erwärmung und die Temperaturwechsel begünstigen aber Kondensation. Legen Sie das Stück nicht neben härtere Minerale, jede Berührung mit Quarz hinterlässt Kratzer. Kontrollieren Sie die Würfel regelmäßig: Ein beginnender Befall zeigt sich durch matten, bräunlichen Belag, weißliche oder gelbliche Ausblühungen, einen leicht schwefligen Geruch und feinen Grus unter der Stufe. Zur Echtheitsprüfung genügen Härte, Dichte und der Säuretest an einem verdeckten Krümel: Dolomit braust am kompakten Stück kaum, als Pulver oder mit erwärmter Säure deutlich. Pyrit erkennen Sie am schwarzgrünen Strich und den gestreiften Würfelflächen.
