Warum reiner Dolomit farblos bis weiß ist
Calcium, Magnesium, Kohlenstoff und Sauerstoff besitzen im Dolomitgitter keine unvollständig besetzten Elektronenschalen, die sichtbares Licht selektiv absorbieren könnten. Chemisch reiner Dolomit ist deshalb farblos und in großen Kristallen durchsichtig, wie es die klaren Stücke aus Eugui in Navarra zeigen. Das Weiß des Zuckerdolomits ist keine Eigenfarbe, sondern ein rein optischer Effekt: An den unzähligen Korngrenzen und Spaltflächen im feinkristallinen Gefüge wird das Licht gestreut und diffus zurückgeworfen, bis alle Wellenlängen gleichmäßig austreten. Dasselbe Prinzip macht Schnee weiß, obwohl Eis farblos ist. Je grobkörniger das Gestein, desto eher wirkt es cremefarben und glitzernd statt kreidig. Der Strich bleibt in jedem Fall weiß, auch bei stark gefärbten Varietäten. Diese Eigenschaft ist für Sie ein brauchbares Prüfmerkmal, weil eisenhaltige Nachahmungen und angefärbte Gesteine oft einen abweichenden Strich hinterlassen.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Zuckerdolomit | weiß bis cremefarben, glitzernd | Handelsname für mittel- bis grobkörnigen Dolomitstein, meist mit Pyritwürfeln angeboten |
| Eugui-Dolomit | farblos, wasserklar | klare Einzelkristalle aus Navarra, Spanien; das einzige regelmäßig facettierfähige Material, Kristalle über 100 Karat belegt |
| Perlspat | weiß bis grau, perlmuttglänzend | alter bergmännischer Name für Dolomit mit gekrümmten, perlmuttartig glänzenden Kristallflächen |
| Braunspat | gelblich bis braun | eisenhaltiger Dolomit; bei weiter steigendem Eisenanteil Übergang zum Ankerit |
| Teruelit | dunkelbraun bis schwarz | durch organische Substanz gefärbte Varietät aus der Provinz Teruel, Spanien |
| Kobaltdolomit | kräftig rosa bis magenta | kobalthaltig, vor allem aus dem Bereich Kolwezi, DR Kongo; reine Sammlerware |
| Mangandolomit | blassrosa | manganhaltig, fluoresziert oft rosa bis rot; Übergang zum Kutnohorit |
| Dolomitmarmor | weiß bis hellgrau, gebändert | metamorph überprägter Dolomitstein, als Werkstein und für Objekte verarbeitet |
Eisen, Mangan und Kobalt als Farbgeber
Farbe kommt in den Dolomit über Fremdionen, die das Magnesium auf seinem Gitterplatz ersetzen. Zweiwertiges Eisen färbt zunächst blassgelb bis hellbraun; steigt der Eisenanteil weiter, geht die Mischkristallreihe kontinuierlich in den Ankerit über. Oxidiert dieses Eisen an der Oberfläche, überzieht sich das Material mit rostbraunen bis ockerfarbenen Krusten aus Goethit, was gerade bei Zuckerdolomit mit Pyrit häufig auftritt und ein Warnzeichen sein kann. Mangan erzeugt zarte Rosatöne und führt über die Mischungsreihe zum Kutnohorit. Die spektakulärsten Farben liefert Kobalt: Kobaltdolomit aus dem Kupfergürtel von Kolwezi in der Demokratischen Republik Kongo ist kräftig pink bis magenta gefärbt und wird als Sammlerstück eigenständig gehandelt. Sehr selten sind kupferhaltige grünliche Varianten. Bitumen und organische Substanz können Dolomit grau bis fast schwarz einfärben, wie beim spanischen Teruelit.
Varietäten, Handelsnamen und Fluoreszenz
Der Handel führt eine ganze Reihe von Namen, die teils mineralogisch definiert, teils reine Verkaufsbezeichnungen sind. Perlspat und Braunspat bezeichnen perlmuttglänzende beziehungsweise eisenhaltige, bräunliche Dolomite und sind alte bergmännische Begriffe. Teruelit ist eine dunkle, fast schwarze Varietät aus der Provinz Teruel in Spanien. Ankerit und Kutnohorit sind eigenständige Minerale derselben Gruppe und sollten nicht als Dolomit verkauft werden. Bei den Gesteinen kursieren zusätzlich Handelsnamen wie Kona Dolomit oder Wave Dolomit für gebänderte Sorten. Unter kurzwelligem UV-Licht fluoreszieren viele Dolomite weiß, blauweiß oder cremegelb; manganreiche Stücke leuchten blassrosa bis kräftig rot. Einige Proben zeigen Triboluminszenz, geben also beim Reiben oder Zerbrechen schwaches Licht ab. Diese Effekte sind fundortabhängig und taugen nicht als alleiniger Echtheitsnachweis, sie machen eine Stufe für Sammler aber zusätzlich interessant.
