Die Dolomiten und die Frage nach der Typlokalität
Eine scharf definierte Typlokalität im heutigen Sinne besitzt Dolomit nicht. Déodat de Dolomieu beschrieb 1791 kein einzelnes Kristallvorkommen, sondern ein ganzes Gesteinsmassiv in den Südalpen zwischen dem heutigen Südtirol und dem Trentino. Saussure benannte 1792 die Substanz nach ihm, und der Gebirgsname Dolomiten folgte erst später aus dem Mineralnamen. Wer heute in den Dolomiten Material aufsammelt, findet dichten, feinkörnigen Dolomitstein, aber keine Sammlerstufen mit Pyritwürfeln. Für Kristallstufen muss man an ganz andere Stellen sehen: an hydrothermale Erzgänge, an metasomatisch überprägte Karbonatfolgen und an sulfidische Lagerstätten in Kalkgesteinen. Weltweit ist Dolomit als Gestein extrem häufig und wird in großen Mengen als Baustoff, Düngekalk, Feuerfestmaterial und Zuschlagstoff für die Stahlindustrie abgebaut. Sammlerwürdige Stücke sind dagegen an wenige, gut bekannte Fundpunkte gebunden, und diese liegen ausnahmslos außerhalb der namengebenden Region.
| Fundort | Land | Besonderheit |
|---|---|---|
| Eugui, Navarra | Spanien | wasserklare, durchsichtige Kristalle über 100 Karat; die wichtigste Quelle für facettierfähigen Dolomit |
| Ampliación a Victoria, Navajún, La Rioja | Spanien | seit 1970 auf Sammlerstufen betrieben; nahezu perfekte Pyritwürfel bis 20 cm Kantenlänge, Matrix ist Mergel, nicht Dolomit |
| Ambas Aguas (Ambasaguas), Muro de Aguas, La Rioja | Spanien | Nachbarvorkommen von Navajún; Würfel und Pentagondodekaeder in kreidezeitlichem Mergel |
| Mine Huanzalá, Ancash | Peru | Pyrit auf weißem, zuckrigem Dolomit aus einer sulfidischen Karbonatlagerstätte; die typische Zuckerdolomit-Paragenese |
| Trepča, Stari Trg bei Mitrovica | Kosovo | Blei-Zink-Revier mit Dolomit, Pyrit, Sphalerit und Rhodochrosit; klassische Sammlerstufen |
| Brosso und Traversella, Piemont | Italien | Skarn- und Gangmineralisationen mit Karbonaten, Pyrit und Eisenerzen; historische Bergbaureviere |
| Kolwezi, Katanga | DR Kongo | kräftig rosa bis magentafarbener Kobaltdolomit; eigenständig gehandelte Sammlerware |
| Tri-State-Distrikt (Missouri, Kansas, Oklahoma) | USA | große, glänzende Dolomitrhomboeder aus historischen Blei-Zink-Gruben |
Woher die Pyritstufen wirklich kommen
Hier lohnt eine genaue Unterscheidung, die im Handel oft verwischt wird. Die weltberühmten spanischen Pyritwürfel aus Navajún und Ambasaguas in La Rioja sitzen nicht in Dolomit, sondern in kreidezeitlichem Mergel der Urbión-Gruppe. Die Grube Ampliación a Victoria bei Navajún wird seit 1970 ausschließlich auf Sammlerstufen betrieben, drei Mineralisationshorizonte in etwa 2,5 Meter mächtigen, leicht geneigten Mergelbänken sind bekannt. Die Würfel reichen von einem Millimeter bis in Ausnahmefällen zwanzig Zentimeter Kantenlänge, gute Stücke liegen bei etwa zehn Zentimetern. Echte Pyritwürfel auf weißem, zuckrigem Dolomit stammen dagegen aus der Mine Huanzalá in Ancash, Peru, aus dem Blei-Zink-Revier Trepča bei Stari Trg im Kosovo sowie aus den piemontesischen Gruben Brosso und Traversella. Wenn Ihnen also Zuckerdolomit mit Pyrit angeboten wird, lohnt die Frage nach dem Fundort: Spanische Ware hat in aller Regel eine Mergelmatrix.
Klares Material aus Eugui und weitere Vorkommen
Für gemmologisch interessantes Dolomitmaterial führt kein Weg an Eugui in Navarra vorbei. Von dort stammen wasserklare, durchsichtige Kristalle, aus denen sich facettierte Steine schleifen lassen; belegt sind Rohkristalle von deutlich über hundert Karat. Das ist die einzige Quelle, die regelmäßig Schleifware in nennenswerter Qualität liefert. Rosa Kobaltdolomit kommt aus dem Kupfer-Kobalt-Gürtel um Kolwezi in der Demokratischen Republik Kongo. Der Tri-State-Distrikt an der Grenze von Missouri, Kansas und Oklahoma lieferte historisch große, glänzende Dolomitrhomboeder aus den Blei-Zink-Gruben. Weitere klassische Vorkommen liegen in Cicero im Staat New York, in Marokko, in China und in mehreren mitteleuropäischen Erzrevieren. Am Gesamtmarkt gemessen ist der Sammleranteil verschwindend gering: Der weit überwiegende Teil des weltweit geförderten Dolomits geht als Massenrohstoff in Bau, Landwirtschaft und Industrie, während Stufenmaterial nur als Nebenprodukt einzelner Gruben anfällt.
