Zuckerdolomit ist der Handelsname für zuckerkörnig kristallinen Dolomit, ein Karbonatgestein aus dem Mineral Dolomit CaMg(CO3)2. Im Sammlerbereich wird er fast ausschließlich als weiße Stufe mit aufgewachsenen messinggelben Pyritwürfeln angeboten — dekorativ, preiswert und zugleich der empfindlichste Kandidat in jeder Vitrine, weil Pyrit auf Feuchtigkeit mit Zerfall reagiert.
Zuckerdolomit – die Kennzahlen
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Mineralklasse | Karbonate ohne zusätzliche Anionen, Dolomitgruppe (Strunz 5.AB.10); Zuckerdolomit selbst ist ein Gestein aus über 90 Prozent Dolomitspat mit bis zu fünf Prozent Calcit, Goethit, Markasit und Pyrit |
| Chemische Formel | CaMg(CO3)2; Magnesium schrittweise ersetzbar durch Eisen (Übergang zu Ankerit), Mangan (Übergang zu Kutnohorit), seltener Kobalt und Zink; nichtstöchiometrischer Dolomit enthält bis zu 0,25 apfu Calcium im Überschuss |
| Kristallsystem | trigonal, Raumgruppe R-3 (Nr. 148); a = 4,801 Å, c = 16,002 Å, Z = 3; Calcium- und Magnesium-Schichten wechseln geordnet, deshalb fehlt die Gleitspiegelebene des Calcits; Tracht meist rhomboedrisch, oft sattelförmig gekrümmt |
| Mohs-Härte | 3,5 bis 4, damit etwas härter als Calcit (3), aber deutlich weicher als Fensterglas; die aufsitzenden Pyritwürfel erreichen 6 bis 6,5 |
| Dichte | 2,84 bis 2,86 g/cm³ gemessen, 2,876 g/cm³ berechnet; im Handel meist mit 2,85 g/cm³ angegeben, poröse Gesteinsware auch darunter |
| Brechungsindex | nε 1,500 bis 1,503, nω 1,679 bis 1,681 (Natriumlicht); üblich gerundet 1,500/1,679 |
| Doppelbrechung | 0,179, optisch einachsig negativ, häufig anomal zweiachsig; in facettierter Ware sind Facettenkanten deutlich doppelt zu sehen |
| Glanz | Glasglanz, auf Spaltflächen perlmuttartig, auf gekrümmten Kristallflächen fettig bis wachsartig; die zuckrige Bruchfläche wirkt matt und glitzert nur im Streiflicht; Strich weiß |
| Spaltbarkeit | vollkommen nach dem Rhomboeder {10-11} in drei Richtungen; Spaltstücke sind schiefwinklige Rhomboeder, nicht Würfel |
| Bruch | muschelig bis uneben, spröde; Zuckerdolomit bricht nicht glatt, sondern zerfällt kornweise zu grießartigem Material |
| Transparenz | durchsichtig bei klaren Einzelkristallen aus Eugui, sonst durchscheinend bis undurchsichtig; Zuckerdolomit ist stets undurchsichtig |
| Farben | farblos, weiß, grau, gelblich, hellbraun, rosa bis pink (mangan- und kobalthaltig), durch Eisen braun bis rostrot anlaufend; Zuckerdolomit weiß bis cremefarben mit messinggelben Pyritwürfeln |
| Wichtigste Fundorte | Eugui in Navarra (Spanien) für klare, facettierfähige Kristalle; Huanzalá in Ancash (Peru), Trepča bei Stari Trg (Kosovo) sowie Brosso und Traversella im Piemont (Italien) für Pyrit auf weißem Dolomit; Navajún und Ambasaguas in La Rioja (Spanien) für die bekannten Pyritwürfel, dort allerdings in Mergel statt Dolomit; Kolwezi (DR Kongo) für rosa Kobaltdolomit; Tri-State-Distrikt (USA) |
| Behandlungen | Farbbehandlungen sind unüblich. Verbreitet sind dagegen das Wiederankleben herausgefallener Pyritwürfel, das Verfestigen der mürben Matrix mit Kunstharz und das Versiegeln der Pyritflächen gegen Feuchtigkeit; seriöse Händler deklarieren das |
| Erstbeschreibung | Déodat Gratet de Dolomieu beschrieb 1791 in den Südalpen ein Karbonatgestein, das mit Salzsäure kaum aufbrauste, und veröffentlichte die Beobachtung im Journal de Physique. Nicolas-Théodore de Saussure erkannte es 1792 als eigenständige Substanz und benannte sie nach Dolomieu. Der Gebirgsname Dolomiten leitet sich erst davon ab, nicht umgekehrt |
Was im Handel als Zuckerdolomit verkauft wird
Zuckerdolomit ist kein eigenes Mineral, sondern ein Handelsname für mittel- bis grobkörnig kristallinen Dolomitstein. Der Name beschreibt das Aussehen: Die Bruchfläche wirkt wie ein Stück Würfelzucker, weil das Gestein aus lauter kleinen, gleich großen Dolomitrhomboedern besteht, die das Licht in tausend Richtungen zurückwerfen. Mineralogisch besteht es zu über neunzig Prozent aus Dolomitspat CaMg(CO3)2, der Rest sind Calcit, Goethit, Markasit und Pyrit. Für Sie als Käufer ist wichtig, dass zwei ganz verschiedene Waren unter diesem Wort angeboten werden. Die eine ist schlichtes weißes Gesteinsmaterial, das zu Trommelsteinen verarbeitet wird und selten mehr als fünf Euro kostet. Die andere, weit häufigere, ist die Sammlerstufe: ein Stück weißer, zuckriger Dolomit, auf dem messinggelbe Pyritwürfel mit scharfen Kanten aufsitzen. Diese Kombination aus mattweißem Untergrund und metallisch glänzenden Würfeln ist der eigentliche Grund, warum der Stein überhaupt gehandelt wird.
Ein Tropfen Salzsäure trennt Dolomit von Calcit
Dolomit und Calcit sehen sich zum Verwechseln ähnlich, beide sind weiß, beide spalten nach dem Rhomboeder, beide stammen aus demselben geologischen Milieu. Der klassische Test unterscheidet sie in Sekunden: Ein Tropfen verdünnte Salzsäure lässt Calcit sofort und heftig aufbrausen, Dolomit dagegen bleibt am kompakten Stück nahezu ruhig. Erst wenn Sie das Material zu Pulver schaben oder die Säure erwärmen, setzt eine sichtbare Gasentwicklung ein. Der Grund liegt in der Kristallstruktur. Im Dolomit wechseln sich Calcium- und Magnesium-Schichten streng geordnet ab, und das kleinere, fester gebundene Magnesium-Ion gibt seine Wasserhülle viel langsamer ab als Calcium. Die Auflösung läuft dadurch rund tausendmal langsamer ab als beim Calcit. Genau diese Trägheit war es, die Déodat de Dolomieu 1791 auffiel und zur Entdeckung des Minerals führte. Für Sie ist der Test der sicherste und billigste Echtheitsnachweis, den es gibt.
Die Pyritwürfel sind das eigentliche Kaufargument
Pyrit kristallisiert kubisch und bildet als eines von wenigen Mineralen von Natur aus nahezu perfekte Würfel mit ebenen Flächen und scharfen Kanten. Auf hellem Karbonat kommt dieser Kontrast besonders gut zur Geltung, und deshalb ist die Paragenese Dolomit mit Pyrit eine der beliebtesten Einsteigerstufen überhaupt. Die Würfel tragen meist feine parallele Riefen auf den Flächen, die im Wechsel um neunzig Grad versetzt sind; das ist ein natürliches Wachstumsmerkmal und kein Bearbeitungsspur. Prüfen Sie beim Kauf, ob die Würfel fest im Gestein sitzen. Die Matrix ist weich und mürbe, Würfel fallen beim Transport regelmäßig heraus und werden von Händlern wieder eingeklebt. Das ist im Sammlermarkt üblich und kein Betrug, mindert aber den Wert spürbar. Achten Sie außerdem auf ungebrochene Kanten: Ein einziger abgeschlagener Würfeleckpunkt kostet eine Stufe schnell ein Drittel ihres Preises.
Feuchtigkeit ist der Feind dieser Stufen
Der praktisch wichtigste Hinweis zu Zuckerdolomit mit Pyrit betrifft nicht das Karbonat, sondern das Sulfid. Pyrit und der ihn oft begleitende Markasit oxidieren in Gegenwart von Luftsauerstoff und Feuchtigkeit. Dabei entstehen Eisensulfate und Schwefelsäure, das Mineral verliert seinen Metallglanz, läuft rostbraun an, blüht weißlich aus und zerfällt am Ende zu Pulver. Restauratoren sprechen vom Pyritzerfall oder von der Pyritkrankheit. Die entstehenden Sulfate können ihr Volumen um mehr als das Zweieinhalbfache vergrößern und sprengen die Stufe von innen. Empfindliche Stücke reagieren schon bei dreißig Prozent relativer Luftfeuchte, während Wohnräume typischerweise bei vierzig bis fünfzig Prozent liegen. Die freigesetzte Schwefelsäure greift zusätzlich den Dolomit an. Deshalb gilt für diese Stufen: kein Wasserbad, kein Ultraschall, keine feuchte Kellervitrine. Trocken und kühl gelagert hält ein Stück dagegen jahrzehntelang.
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Kurz gefasst
Kaufen Sie Zuckerdolomit mit Pyrit als Schaustück, nicht als Schmuckstein. Für zwanzig bis vierzig Euro bekommen Sie ein Handstück mit scharfkantigen, fest sitzenden Würfeln, und mehr braucht es für den optischen Effekt nicht. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob Würfel eingeklebt wurden und ob die Kanten unbeschädigt sind. Wer größer sammelt, greift zu peruanischem oder kosovarischem Material mit echter weißer Dolomitmatrix. Stellen Sie die Stufe anschließend trocken und kühl auf, ohne Wasserkontakt. Dann bleibt sie über Jahrzehnte so, wie Sie sie gekauft haben.
Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.
Über dieses Lexikon
Die Angaben zu Zuckerdolomit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.
