Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Vesuvianit Lexikon · Schliff & Bearbeitung

Vesuvianit – Schliff & Bearbeitung

Vesuvianit

Facette oder Cabochon — die Entscheidung fällt am Rohstein

Vesuvianit wird in zwei Welten geschliffen. Transparentes Material erhält Facetten, meist als Oval, Kissen, Achteck, Tropfen oder Trillion; Brillantschliffe sind möglich, aber selten sinnvoll, weil das Material die Lichtrückgabe eines Diamantschliffs nicht belohnt. Die Dispersion liegt mit 0,019 bis 0,025 erstaunlich hoch, deutlich über der von Quarz, was bei hellem, sauberem Material ein sichtbares Farbspiel ergibt. Nutzen Sie das mit einem Stufen- oder gemischten Schliff und einer Kalette, die nicht zu flach steht. Trübes und massiges Material, also Californit und der größte Teil des Cyprins, geht als Cabochon oder als Platte in Anhänger und Manschettenknöpfe. Katzenaugeneffekt kommt vor, ist aber ausgesprochen selten und rechtfertigt bei sauberem Lichtstrich einen deutlichen Aufschlag. Planen Sie Facettenware grundsätzlich unter 10 Karat, weil größere Rohkristalle in ausreichender Klarheit kaum zu beschaffen sind.

Was beim Schleifen schiefgeht

Die Spaltbarkeit ist unbedeutend, und genau deshalb unterschätzen Einsteiger das Material. Das eigentliche Problem ist die Sprödigkeit: Vesuvianit reagiert empfindlich auf Wärmestöße und auf Druck an den Kanten. Arbeiten Sie mit reichlich Wasser und ohne Anpressdruck, sonst entstehen Rupfungen an der Rondiste und feine Randabplatzungen, die später in der Fassung weiterreißen. Beim Vorschleifen hat sich Diamant in 600er Körnung bewährt, für die Politur Zinnoxid oder Ceroxid auf einer Zinn- oder Lucitscheibe; Diamantpolitur in 50.000 funktioniert ebenfalls, neigt aber zum Überhitzen. Viele Kristalle enthalten Sektorengrenzen und innere Spannungen, die beim Dopfen mit heißem Wachs zum Riss führen. Kalt dopfen ist bei diesem Mineral die sicherere Wahl. Rechnen Sie auf keinen Fall mit Kaltdopp-freier Serienarbeit. Prüfen Sie jeden Rohstein vor dem Ansetzen mit der Lupe im Durchlicht auf bereits vorhandene Risse.

Ausbeute, Orientierung und Kalibrierware

Die Ausbeute ist gering. Rechnen Sie bei kanadischem und afrikanischem Rohmaterial mit 10 bis 20 Prozent des Rohgewichts im fertigen Stein, bei stark gerissener Ware auch deutlich weniger. Grund sind die häufigen Risse entlang der Sektorengrenzen und die trüben Zonen im Kristallkern. Bei der Orientierung hilft der schwache Pleochroismus wenig; entscheidend ist, die dunkelste Zone aus der Tafelrichtung herauszudrehen, damit der Stein nicht schwarzgrün wirkt. Weil das Rohmaterial klein und unregelmäßig ist, gibt es kaum echte Kalibrierware. Wenn Sie als Goldschmied einen exakt passenden Stein brauchen, planen Sie Vorlaufzeit ein oder lassen Sie die Fassung nach dem Stein anfertigen. Freiformen und leicht abweichende Maße sind bei Vesuvianit die Regel, nicht der Mangel. Kalkulieren Sie beim Rohwarenkauf deshalb mit mindestens dem fünffachen Rohgewicht des gewünschten Fertiggewichts.

Häufige Fragen

Welcher Schliff holt am meisten aus Vesuvianit heraus?
Bei hellem, klarem Material ein gemischter Schliff oder ein Stufenschliff mit tiefer Kalette, weil er die vergleichsweise hohe Dispersion sichtbar macht. Bei dunklerem Material flacher schleifen, damit der Stein nicht zu tief und dadurch fast schwarz wirkt.
Ist Vesuvianit spaltempfindlich?
Nein, die Spaltbarkeit nach {110} ist schlecht ausgebildet und spielt in der Praxis keine Rolle. Empfindlich ist der Stein dagegen gegenüber Sprödbruch und Wärmestößen. Das betrifft vor allem das Dopfen mit heißem Wachs und das Schleifen ohne ausreichende Wasserkühlung.
Wie hoch ist die Ausbeute beim Schleifen?
Meist zwischen 10 und 20 Prozent des Rohgewichts. Innere Risse entlang von Sektorengrenzen und trübe Kernzonen zwingen zu großzügigem Wegschneiden. Kalkulieren Sie diesen Verlust ein, wenn Sie Rohware kaufen und den Fertigpreis abschätzen wollen.