Monte Somma: die Typlokalität am Vesuv
Alles beginnt am Monte Somma, dem alten Kraterwall des Vesuvs in Kampanien. Der Vulkan riss bei seinen Ausbrüchen Blöcke aus dem unterlagernden Kalkstein mit, die im Magma kontaktmetamorph umgewandelt und anschließend ausgeworfen wurden. In den Hohlräumen dieser Blöcke sitzen scharf ausgebildete, meist braune bis grünbraune Vesuvianitkristalle, häufig zusammen mit Granat und Glimmer. Diese Stücke sind die Grundlage der Erstbeschreibung von 1795 und bis heute klassische Sammlerobjekte. Schleifbares Material liefern sie kaum; die Kristalle sind zu klein und zu trüb. Ein zweiter italienischer Klassiker liegt im Ala-Tal in Piemont, wo grasgrüne Kristalle in Serpentiniten vorkommen. Für den heutigen Handel spielen beide Lokalitäten keine Rolle mehr — wer dort etwas erwerben will, kauft auf Mineralienbörsen oder bei Nachlassauflösungen, nicht beim Edelsteinhändler. Ein historisches Etikett mit der Angabe Monte Somma erhöht den Sammlerwert einer Stufe spürbar.
| Fundort | Land | Besonderheit |
|---|---|---|
| Monte Somma und Vesuv, Kampanien | Italien | Typlokalität; braune Kristalle in ausgeworfenen Kalksteinblöcken, Grundlage der Erstbeschreibung 1795 |
| Ala-Tal, Piemont | Italien | grasgrüne Kristalle in Serpentinit, klassische Sammlerstufen des 19. Jahrhunderts |
| Jeffrey Mine, Asbestos / Val-des-Sources, Québec | Kanada | wichtigste Quelle sauber facettierbarer Ware; Rodingitgänge; Grube seit 2012 stillgelegt |
| Kleppan und Øvstebø, Sauland, Hjartdal, Telemark | Norwegen | Typmaterial des kupferblauen Cyprin, 1820 von Berzelius beschrieben |
| Siskiyou, Fresno, Tulare und Butte County | USA | massiger Californit, früher als kalifornische Jade verkauft |
| Amity, Orange County, New York | USA | Typlokalität des manganreichen Xanthit |
| Zermatt, Wallis | Schweiz | grüne Kristalle in alpinen Rodingiten, gelegentlich schleifbar |
| Taita-Taveta und Umgebung sowie Merelani-Region | Kenia und Tansania | Hauptquelle der aktuell gehandelten transparenten Ware, meist kleine Steine |
Jeffrey Mine in Québec: die Quelle der Facettenware
Die wichtigste Quelle facettierbaren Vesuvianits war Kanada. In der Jeffrey Mine bei Asbestos in Québec — die Stadt heißt seit 2020 Val-des-Sources — wurde bis 2012 Chrysotil abgebaut. In den Rodingitgängen des Serpentinits saßen dabei olivgrüne bis bräunliche Vesuvianitkristalle von einer Klarheit, die sonst kaum erreicht wird. Aus diesem Material stammen die meisten sauber facettierten Steine über zwei Karat, die heute im Handel sind. Dieselbe Grube lieferte übrigens auch den bekannten kanadischen Grossular und Diopsid. Mit der Schließung des Tagebaus versiegte der Nachschub vollständig. Was Sie heute kaufen, stammt aus Altbeständen von Händlern und Sammlern. Rechnen Sie bei geprüfter Jeffrey-Mine-Herkunft mit einem Aufschlag von grob einem Drittel gegenüber vergleichbarem afrikanischem Material — und lassen Sie sich die Provenienz schriftlich geben.
Norwegen, Kalifornien und die heutige Versorgung
Norwegen ist die Adresse für Cyprin: Kleppan und Øvstebø bei Sauland in der Gemeinde Hjartdal, Telemark, liefern seit dem frühen 19. Jahrhundert das kupferblaue Material. Die Vorkommen sind klein, der Abbau erfolgt heute nur noch durch Sammler. Kalifornien steht für Californit, mit Vorkommen in Siskiyou, Fresno, Tulare und im Gebiet um Pulga in Butte County; auch die Crestmore-Steinbrüche und Happy Camp sind bekannte Namen. Die laufende Versorgung des Handels mit transparentem Material kommt inzwischen aus Ostafrika, vor allem Kenia und Tansania, ergänzt um Pakistan. Diese Ware ist meist kleiner und stärker eingeschlossen als die kanadische, aber verfügbar und bezahlbar. Weitere gemmologisch relevante Fundpunkte liegen in der Schweiz bei Zermatt, in Mexiko sowie in Russland am Wilui. Mexikanisches Material aus Skarnen ergänzt das Angebot gelegentlich, spielt mengenmäßig aber keine Rolle.
