Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Vesuvianit Lexikon · Herkunft & Fundorte

Vesuvianit – Herkunft & Fundorte

Vesuvianit

Monte Somma: die Typlokalität am Vesuv

Alles beginnt am Monte Somma, dem alten Kraterwall des Vesuvs in Kampanien. Der Vulkan riss bei seinen Ausbrüchen Blöcke aus dem unterlagernden Kalkstein mit, die im Magma kontaktmetamorph umgewandelt und anschließend ausgeworfen wurden. In den Hohlräumen dieser Blöcke sitzen scharf ausgebildete, meist braune bis grünbraune Vesuvianitkristalle, häufig zusammen mit Granat und Glimmer. Diese Stücke sind die Grundlage der Erstbeschreibung von 1795 und bis heute klassische Sammlerobjekte. Schleifbares Material liefern sie kaum; die Kristalle sind zu klein und zu trüb. Ein zweiter italienischer Klassiker liegt im Ala-Tal in Piemont, wo grasgrüne Kristalle in Serpentiniten vorkommen. Für den heutigen Handel spielen beide Lokalitäten keine Rolle mehr — wer dort etwas erwerben will, kauft auf Mineralienbörsen oder bei Nachlassauflösungen, nicht beim Edelsteinhändler. Ein historisches Etikett mit der Angabe Monte Somma erhöht den Sammlerwert einer Stufe spürbar.

Fundort Land Besonderheit
Monte Somma und Vesuv, KampanienItalienTyplokalität; braune Kristalle in ausgeworfenen Kalksteinblöcken, Grundlage der Erstbeschreibung 1795
Ala-Tal, PiemontItaliengrasgrüne Kristalle in Serpentinit, klassische Sammlerstufen des 19. Jahrhunderts
Jeffrey Mine, Asbestos / Val-des-Sources, QuébecKanadawichtigste Quelle sauber facettierbarer Ware; Rodingitgänge; Grube seit 2012 stillgelegt
Kleppan und Øvstebø, Sauland, Hjartdal, TelemarkNorwegenTypmaterial des kupferblauen Cyprin, 1820 von Berzelius beschrieben
Siskiyou, Fresno, Tulare und Butte CountyUSAmassiger Californit, früher als kalifornische Jade verkauft
Amity, Orange County, New YorkUSATyplokalität des manganreichen Xanthit
Zermatt, WallisSchweizgrüne Kristalle in alpinen Rodingiten, gelegentlich schleifbar
Taita-Taveta und Umgebung sowie Merelani-RegionKenia und TansaniaHauptquelle der aktuell gehandelten transparenten Ware, meist kleine Steine

Jeffrey Mine in Québec: die Quelle der Facettenware

Die wichtigste Quelle facettierbaren Vesuvianits war Kanada. In der Jeffrey Mine bei Asbestos in Québec — die Stadt heißt seit 2020 Val-des-Sources — wurde bis 2012 Chrysotil abgebaut. In den Rodingitgängen des Serpentinits saßen dabei olivgrüne bis bräunliche Vesuvianitkristalle von einer Klarheit, die sonst kaum erreicht wird. Aus diesem Material stammen die meisten sauber facettierten Steine über zwei Karat, die heute im Handel sind. Dieselbe Grube lieferte übrigens auch den bekannten kanadischen Grossular und Diopsid. Mit der Schließung des Tagebaus versiegte der Nachschub vollständig. Was Sie heute kaufen, stammt aus Altbeständen von Händlern und Sammlern. Rechnen Sie bei geprüfter Jeffrey-Mine-Herkunft mit einem Aufschlag von grob einem Drittel gegenüber vergleichbarem afrikanischem Material — und lassen Sie sich die Provenienz schriftlich geben.

Norwegen, Kalifornien und die heutige Versorgung

Norwegen ist die Adresse für Cyprin: Kleppan und Øvstebø bei Sauland in der Gemeinde Hjartdal, Telemark, liefern seit dem frühen 19. Jahrhundert das kupferblaue Material. Die Vorkommen sind klein, der Abbau erfolgt heute nur noch durch Sammler. Kalifornien steht für Californit, mit Vorkommen in Siskiyou, Fresno, Tulare und im Gebiet um Pulga in Butte County; auch die Crestmore-Steinbrüche und Happy Camp sind bekannte Namen. Die laufende Versorgung des Handels mit transparentem Material kommt inzwischen aus Ostafrika, vor allem Kenia und Tansania, ergänzt um Pakistan. Diese Ware ist meist kleiner und stärker eingeschlossen als die kanadische, aber verfügbar und bezahlbar. Weitere gemmologisch relevante Fundpunkte liegen in der Schweiz bei Zermatt, in Mexiko sowie in Russland am Wilui. Mexikanisches Material aus Skarnen ergänzt das Angebot gelegentlich, spielt mengenmäßig aber keine Rolle.

Häufige Fragen

Wo kommt heute das meiste schleifbare Material her?
Aus Ostafrika, vor allem Kenia und Tansania, ergänzt durch Pakistan. Diese Steine sind meist unter drei Karat und deutlich eingeschlossen. Größere, saubere Facettensteine stammen fast immer aus kanadischen Altbeständen der Jeffrey Mine oder aus historischen italienischen und Schweizer Funden.
Ist Vesuvianit aus der Jeffrey Mine noch erhältlich?
Ja, aber nur aus Altbeständen. Die Grube wurde 2012 stillgelegt, Neufunde gibt es nicht. Entsprechend ziehen die Preise langsam an. Achten Sie auf eine nachvollziehbare Provenienz, denn die Herkunftsangabe wird häufiger behauptet als belegt.
Gibt es Vesuvianit in Europa?
Ja, mit mehreren klassischen Lokalitäten: Monte Somma und das Ala-Tal in Italien, Zermatt in der Schweiz sowie Kleppan und Øvstebø in Norwegen. Alle sind vor allem für Sammler interessant. Kommerziell abbauwürdige Mengen an Schleifware liefert derzeit kein europäisches Vorkommen.