Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Vesuvianit Lexikon · Übersicht

Vesuvianit – Eigenschaften, Herkunft und Qualität im Überblick

Vesuvianit

Vesuvianit, im Handel bis heute oft Idokras genannt, ist ein tetragonales Calcium-Aluminium-Silikat aus Skarnen und kontaktmetamorphen Kalksteinen. Er liefert sattgrüne bis honigbraune Facettensteine, die jadeähnliche Varietät Californit und mit dem kupferblauen Cyprin eine der ungewöhnlichsten Sammlerfarben der Mineralogie.

Vesuvianit – die Kennzahlen

EigenschaftWert
MineralklasseSilikate, Gruppensilikate (Sorosilikate), Vesuvianit-Gruppe
Chemische FormelCa19(Al,Mg,Fe²⁺)13(Si2O7)4(SiO4)10O(OH)9, häufig vereinfacht Ca10(Mg,Fe)2Al4(SiO4)5(Si2O7)2(OH,F)4
Kristallsystemtetragonal, Raumgruppe P4/n
Mohs-Härte6 bis 7, überwiegend 6,5
Dichte3,32 bis 3,47 g/cm³, gemmologisch meist 3,35 bis 3,45
Brechungsindexnω 1,703 bis 1,752; nε 1,700 bis 1,746; Schleifware meist 1,700 bis 1,725
Doppelbrechung0,001 bis 0,012, in seltenen Zusammensetzungen bis 0,025; einachsig negativ, häufig anomal zweiachsig
GlanzGlasglanz bis Fettglanz, an Bruchflächen harzartig
Spaltbarkeitschlecht nach {110}, sehr schlecht nach {100} und {001}; praktisch keine Spaltgefahr
Bruchuneben bis muschelig, spröde
Transparenzdurchsichtig bis undurchsichtig, facettierbare Ware ist die Ausnahme
FarbenGrün, Gelbgrün, Oliv, Braun, Honiggelb, seltener Blau (Cyprin), Violett, Rot, Farblos
Wichtigste FundorteMonte Somma und Vesuv (Italien), Ala-Tal Piemont, Zermatt (Schweiz), Jeffrey Mine in Asbestos/Val-des-Sources Québec (Kanada), Kleppan und Øvstebø bei Sauland in Telemark (Norwegen), Siskiyou-, Fresno- und Tulare County (Kalifornien), Amity in Orange County New York, Wilui-Fluss in Sacha (Russland), Kenia, Tansania, Pakistan
Behandlungenkeine marktüblichen Behandlungen bekannt; Cabochonware wird gelegentlich gewachst oder paraffiniert
Erstbeschreibung1795 durch Abraham Gottlob Werner als Vesuvian, 1796 durch René Just Haüy als Idokras benannt

Idokras und Vesuvianit — zwei Namen, ein Mineral

Wenn Ihnen im Handel ein Stein als Idokras angeboten wird und ein zweiter als Vesuvianit, halten Sie dasselbe Mineral in der Hand. Abraham Gottlob Werner beschrieb es 1795 nach den Kristallen aus den ausgeworfenen Kalksteinblöcken am Monte Somma und nannte es Vesuvian. Nur ein Jahr später vergab René Just Haüy den Namen Idokras, gebildet aus griechischen Wörtern für gemischte Form, weil die Kristalle Flächen anderer Mineralien nachzuahmen schienen. Die Mineralogie hat sich auf Vesuvianit festgelegt, der Edelsteinhandel hält an Idokras fest. Beide Bezeichnungen sind zulässig, keine ist ein Qualitätsmerkmal. Für Sie als Käufer bedeutet das vor allem eines: Vergleichen Sie Angebote nicht über den Namen, sondern über Farbe, Reinheit und Herkunft. Wer Idokras teurer anbietet als Vesuvianit gleicher Qualität, verkauft Ihnen ein Wort.

Eckdaten, die Sie beim Prüfen weiterbringen

Vesuvianit kristallisiert tetragonal und bildet gedrungene, säulige Kristalle mit quadratischem Querschnitt. Die Mohshärte liegt zwischen 6 und 7, üblicherweise bei 6,5. Die Dichte von 3,32 bis 3,47 g/cm³ ist vergleichsweise hoch und hilft bei der Abgrenzung. Der Brechungsindex bewegt sich in der Schleifware meist zwischen 1,700 und 1,725, die Doppelbrechung ist mit 0,001 bis 0,012 auffällig niedrig für ein doppelbrechendes Mineral; manche Steine erscheinen im Polariskop nahezu isotrop. Genau das ist ein brauchbares Erkennungsmerkmal: ein grüner Stein mit hohem Brechungsindex, hoher Dichte und fast fehlender Doppelbrechung ist selten etwas anderes. Der Glanz ist glasartig bis fettig, die Spaltbarkeit unbedeutend, der Bruch uneben bis muschelig. Im Handspektroskop zeigt vor allem gelbgrünes Material eine kräftige Linie bei etwa 461 Nanometern. Die Dispersion liegt mit 0,019 bis 0,025 höher als bei Quarz und macht sich an hellen Steinen als feines Farbspiel bemerkbar.

Vom Vesuv nach Québec: die Wege der guten Ware

Die Typlokalität am Vesuv liefert historische Sammlerstücke, aber kaum noch Schleifware. Facettierbares Material kommt vor allem aus Kanada: Die Jeffrey Mine im heutigen Val-des-Sources in Québec, bis 2012 als Asbestmine in Betrieb, brachte über Jahrzehnte klare olivgrüne bis bräunliche Kristalle in die Sammlungen und auf die Schleifbänke. Seit der Schließung wird dieses Material nur noch aus Altbeständen gehandelt, was die Preise langsam anziehen lässt. Norwegen steuert mit Kleppan und Øvstebø in Telemark den kupferhaltigen, blauen Cyprin bei, Kalifornien den massigen, jadeähnlichen Californit. Aktuelle Lieferungen an transparenter Ware stammen überwiegend aus Kenia, Tansania und Pakistan. Insgesamt ist Vesuvianit ein Nischenstein: Er erscheint nicht in industriellen Mengen, sondern in kleinen, oft einmaligen Partien, die schnell wieder vom Markt verschwinden. Rechnen Sie deshalb damit, dass ein passender Stein nicht jederzeit nachbestellbar ist, und greifen Sie zu, wenn Sie das Richtige sehen.

Was ein Vesuvianit kostet und für wen er sich lohnt

Die Preisspannen sind weit, weil Qualität und Farbe stark streuen. Undurchsichtige Cabochonware aus Californit oder afrikanischem Material liegt bei wenigen Euro pro Karat; ganze Cabochons von 30 bis 50 Karat wechseln für 15 bis 25 Euro den Besitzer. Sauber facettierte Steine in Gelbgrün bewegen sich im Fachhandel etwa zwischen 70 und 220 Euro pro Karat, orangegelbe Ware zwischen 50 und 150 Euro, rötlichbraune eher zwischen 25 und 90 Euro. Ausgesprochene Raritäten in rötlichem Violett werden von einzelnen Händlern mit 500 bis über 1.400 Euro pro Karat ausgepreist; das sind Sammlerpreise ohne breiten Markt. Größe treibt den Preis überproportional, denn facettierte Steine über 10 Karat sind ausgesprochen selten. Für Goldschmiede ist Vesuvianit ein reizvoller, aber anspruchsvoller Stein — für Sammler eine der lohnendsten Nischen.

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Kurz gefasst

Vesuvianit lohnt sich, wenn Sie einen Stein suchen, den kaum jemand am Finger trägt. Kaufen Sie transparente, facettierte Ware mit satter olivgrüner bis gelbgrüner Farbe und möglichst wenig Rissen — dort liegt das beste Verhältnis aus Seltenheit und Preis. Material aus der geschlossenen Jeffrey Mine in Québec ist die Aufpreise wert, weil es nicht nachkommt. Für den Alltag fassen Sie den Stein geschützt. Von undurchsichtiger Cabochonware, die als kalifornische Jade angeboten wird, raten wir ab: Sie zahlen dort für einen Handelsnamen, nicht für Qualität.

Die mineralogischen Kennzahlen dieses Clusters wurden gegen mineralogische Fachquellen und Laborberichte abgeglichen; Preisangaben sind Handelsspannen und keine verbindlichen Notierungen.

Über dieses Lexikon

Die Angaben zu Vesuvianit stammen aus dem Lexikon von Edelsteine-24 – Direktimport seit 2002 mit eigenem gemmologischem Labor. Die Inhalte richten sich an Käufer, Sammler und alle, die den Stein fachlich einordnen möchten.

Häufige Fragen

Ist Idokras dasselbe wie Vesuvianit?
Ja. Vesuvianit ist der mineralogisch gültige Name, vergeben 1795 von Werner nach dem Vesuv. Idokras stammt von Haüy aus dem Jahr 1796 und hat sich im Edelsteinhandel gehalten. Chemisch, physikalisch und optisch besteht kein Unterschied; der Name sagt nichts über Qualität oder Herkunft aus.
Ist Vesuvianit alltagstauglich für einen Ring?
Nur eingeschränkt. Die Härte von 6,5 liegt unter der von Quarz, und das Material ist spröde. Für Ringe, die täglich getragen werden, empfehlen wir eine schützende Zargen- oder Kastenfassung und einen Cabochon oder einen flachen Schliff. Ohrschmuck, Anhänger und Broschen sind unproblematischer.
Wird Vesuvianit behandelt?
Marktübliche Behandlungen sind nicht bekannt. Weder Brennen noch Bestrahlung haben sich durchgesetzt, weil das Material darauf kaum reagiert und ohnehin in zu kleinen Mengen anfällt. Bei undurchsichtiger Cabochonware kommen gelegentlich Wachse oder Paraffine zur Glanzverbesserung vor, was Sie an einem leichten Schweißgeruch beim Erwärmen der Nadel erkennen.
Warum sieht man Vesuvianit so selten im Schmuckhandel?
Transparentes Material ist selten, die Kristalle sind meist trüb oder rissig, und die spröde Natur erschwert das Schleifen. Hinzu kommt, dass die wichtigste Quelle facettierbarer Ware, die Jeffrey Mine in Québec, seit 2012 stillliegt. Der Stein bleibt deshalb ein Sammler- und Liebhaberstein, kein Massenartikel.