Eisen bestimmt den Grundton
Die überwiegende Mehrheit aller Vesuvianite ist grün, gelbgrün, oliv oder braun — und dafür ist Eisen verantwortlich. Zweiwertiges Eisen auf den Oktaederplätzen erzeugt die grünen Anteile, dreiwertiges Eisen schiebt den Ton ins Bräunliche und Gelbliche. Je höher der Eisengehalt, desto dunkler der Stein, desto höher aber auch Brechungsindex und Dichte; die Kennwerte wandern also mit der Farbe. Titan verstärkt die braunen Nuancen, Chrom hebt das Grün ins Frische und Sattere, wie man es an kanadischem Material aus Rodingiten sieht. Der Pleochroismus ist schwach ausgeprägt und zeigt meist nur zwei Abstufungen derselben Körperfarbe, bei grünem Material etwa Gelbgrün gegen Gelbbraun. Verlassen Sie sich beim Kauf nicht auf den Dichroskopbefund, sondern auf den direkten Farbvergleich bei Tageslicht und bei Kunstlicht. Unter Kunstlicht erscheinen grüne Vesuvianite in der Regel etwas gelblicher als bei Tageslicht.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Californit | mittel- bis dunkelgrün, oft gefleckt | massiges Gemenge mit Grossular aus Kalifornien; früher als kalifornische Jade verkauft, Bezeichnung heute unzulässig |
| Cyprin | hellblau bis blaugrün | durch zweiwertiges Kupfer gefärbt; 1820 von Berzelius aus Kleppan, Telemark, Norwegen beschrieben; fast immer trüb |
| Xanthit | bräunlichgelb | manganreiche Varietät aus Amity, Orange County, New York; historisch, heute ohne Marktbedeutung |
| Wiluit | dunkelgrün bis fast schwarz | Material vom Wilui-Fluss in Sacha; seit 1998 eigene borhaltige Mineralart, im Handel weiter als Varietätsname geführt |
| Fluorvesuvianit | farblos bis blassgrün | eigene Art, in der Fluor den Hydroxylanteil übersteigt; nur mineralogisch relevant |
| Chromhaltiger Vesuvianit | frisches, sattes Grün | vor allem aus Rodingiten, etwa der Jeffrey Mine in Québec; liefert die begehrteste Facettenware |
| Manganhaltiger Vesuvianit | rötlichviolett bis purpur | extrem selten, reiner Sammlerbereich, Preise ohne belastbaren Marktvergleich |
Kupfer und Mangan: die seltenen Farben
Die auffälligste Ausnahme vom grünbraunen Einerlei ist Cyprin, die blaue bis hellblaue Varietät. Ihre Farbe stammt von zweiwertigem Kupfer, das Rot und Gelb aus dem Spektrum entfernt und Blau sowie Blaugrün durchlässt. Berzelius beschrieb sie 1820 an Material aus Kleppan bei Sauland in Telemark, Norwegen; der Name verweist über Kypros, das antike Zypern, auf das Kupfer. Cyprin ist fast immer trüb bis undurchsichtig, facettierte Steine sind echte Ausnahmen und erreichen Sammlerpreise. Xanthit dagegen ist eine manganreiche, bräunlichgelbe Varietät aus Amity in Orange County, New York — historisch bedeutsam, im heutigen Handel praktisch bedeutungslos. Violette und rötliche Vesuvianite werden auf Mangan in dreiwertiger Form zurückgeführt und gehören zum Seltensten, was das Mineral hervorbringt. Beide Varietäten sind für den Schmuckhandel ohne Bedeutung und begegnen Ihnen fast ausschließlich auf Mineralienbörsen und in alten Sammlungen.
Handelsnamen und was tatsächlich dahintersteckt
Der wichtigste Handelsname ist Californit. Damit wird kompaktes, massiges, mittel- bis dunkelgrünes Material bezeichnet, das aus Kalifornien stammt und in Wahrheit ein Gemenge aus Vesuvianit und Grossular ist. Amerikanische Schleifer brachten es im frühen 20. Jahrhundert als kalifornische Jade in den Handel — eine irreführende Bezeichnung, denn mit Nephrit oder Jadeit hat Californit nichts zu tun. Nach heutigem Handelsrecht und nach den Regeln der gängigen Verbände dürfen Sie den Begriff Jade dafür nicht verwenden. Seriöse Händler schreiben deshalb Vesuvianit, Varietät Californit. Weitere kursierende Namen wie Solairit für orangebraunes kanadisches Material sind nicht normiert und finden sich nur bei einzelnen Anbietern. Fragen Sie bei jedem Fantasienamen nach dem mineralogischen Namen — er muss auf der Rechnung stehen. Fehlt diese Angabe, verzichten Sie besser auf den Kauf, denn ohne Artnamen lässt sich kein Preis einordnen.
