Der Eisengehalt steuert die Farbe
Bei Sphalerit gibt es einen ungewöhnlich direkten Zusammenhang zwischen Chemie und Erscheinungsbild. Eisen ersetzt Zink im Gitter, und mit jedem zusätzlichen Prozent wird der Stein dunkler. Material mit weniger als 0,1 Prozent Eisen ist farblos bis blassgrün und trägt den Varietätsnamen Kleiophan. Geringe Gehalte ergeben Gelb, Honiggelb und Goldgelb. Mittlere Gehalte führen zu Orange, Rotorange und dem karamell- bis toffeefarbenen Ton, für den das spanische Material bekannt ist. Bei hohen Gehalten wird der Stein rotbraun, dann braun und schließlich undurchsichtig schwarz; diese eisenreichste Form mit bis zu 25 Prozent Eisen heißt Marmatit. Die Farbursache ist dabei nicht ein klassisches Farbzentrum, sondern die Veränderung der elektronischen Bandstruktur des Halbleiters ZnS durch den Eiseneinbau. Parallel steigen Dichte und Brechungsindex, weshalb sich der Eisengehalt indirekt auch messen lässt.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Kleiophan | farblos bis blassgrün | unter 0,1 Prozent Eisen, sehr selten, klassisch aus Franklin in New Jersey |
| Gelber Sphalerit | hellgelb bis honiggelb | geringer Eisengehalt, Germanium und Kupfer als Nebenfaktoren, China und New York |
| Rubinblende | rot, rotorange bis rotbraun | alter bergmännischer Name, spanisches Toffee- und Karamellmaterial gehört hierher |
| Grüner Sphalerit | gelbgrün bis dunkelgrün | Cobalt und Eisen als Farbträger, Kipushi und Cananea, teuerste Handelsfarbe |
| Brauner Sphalerit | gelbbraun bis dunkelbraun | mittlerer bis hoher Eisengehalt, Hauptware aus Bulgarien, preiswerteste Variante |
| Marmatit | schwarz, undurchsichtig | bis 25 Prozent Eisen, reines Erzmineral ohne Schleifwert |
| Schalenblende | gebändert braun, gelb, grau | derbes Aggregat mit Wurtzit und Galenit, aus Bleiberg und Olkusz, für Cabochons und Platten |
Grün, Gelb und Rot durch weitere Spurenelemente
Neben Eisen wirken weitere Elemente mit. Grüne Töne werden auf Cobalt in Verbindung mit Eisen zurückgeführt; das dunkelgrüne Material aus Kipushi in der Demokratischen Republik Kongo enthält erhöhte Cobalt- und Eisengehalte, und aus Cananea in Sonora in Mexiko stammt fein grünes, oft farbzoniertes Material. Gelbe Töne werden mit Germanium, Calcium und Kupfer in Verbindung gebracht, rötliche Töne mit Zinn und Silber. Weil grüner Sphalerit selten und von auffälliger Wirkung ist, ist er die teuerste Farbe am Markt: Die Marktübersicht von 2024 nennt für bulgarisches Grün 200 US-Dollar je Karat bei einem augenreinen Fünfkaräter, während spanisches Rotorange bei 60 US-Dollar liegt. Nicht zu verwechseln ist die Körperfarbe mit dem Farbenspiel aus der Dispersion: Auch ein gelber Stein wirft rote und blaue Blitze, das liegt am Feuer und nicht an der Färbung.
Varietäten, Handelsnamen und Leuchterscheinungen
Drei Varietätsnamen sind gebräuchlich. Kleiophan bezeichnet nahezu eisenfreies, farbloses bis blassgrünes Material, wie es aus Franklin in New Jersey bekannt ist; es ist ausgesprochen selten. Marmatit steht für die undurchsichtige, eisenreiche schwarze Form. Rubinblende, im Englischen ruby blende, ist der alte bergmännische Name für rote bis rotorange Ware und hat mit Rubin nichts zu tun. Hinzu kommt Schalenblende, ein derbes, nierig-schalig gebändertes Aggregat aus Sphalerit, Wurtzit und Galenit, das aus Bleiberg in Kärnten und aus Olkusz in Polen stammt und zu Cabochons und Platten verarbeitet wird. Erwähnenswert sind zwei Leuchterscheinungen: Viele Sphalerite fluoreszieren unter lang- und kurzwelligem UV orange bis rot, und das Mineral ist triboluminescent, gibt also beim Anritzen oder Zerdrücken gelborange Lichtblitze ab. Zudem ist es pyroelektrisch und lädt sich beim Erwärmen elektrisch auf.
