Wofür Serpentin taugt und wofür nicht
Die Eignung hängt vollständig davon ab, welche Varietät Sie vor sich haben. Gewöhnlicher Serpentin mit einer Mohs-Härte zwischen 2,5 und 4 ist weicher als Quarz und wird durch Staub im Alltag rasch matt; er gehört in Anhänger, Broschen, Ohrschmuck und Perlenketten, nicht in Ringe oder Armbänder. Bowenit dagegen erreicht mit 5 bis 6 die Härte von Türkis und Lapislazuli und ist damit für Ringe in geschützter Fassung durchaus geeignet, sofern Sie gelegentliches Nachpolieren einkalkulieren. Williamsit liegt mit etwa 4,5 dazwischen. Zu bedenken ist außerdem die Zähigkeit: Dichter Antigorit ist erstaunlich bruchfest, weil die Blättchen verzahnt sind, und verträgt Stöße besser, als es die Härte erwarten lässt. Fragen Sie beim Einkauf deshalb gezielt nach der Varietät und nicht nur nach Serpentin.
Fassungsempfehlung und Metallwahl
Bewährt hat sich die geschlossene Zargenfassung mit leicht überstehendem Rand, die die weiche Kante schützt. Krappen sind bei Härten unter 5 kritisch, weil punktueller Druck das Material eindrückt; bei Bowenit sind breite, flach angelegte Krappen dagegen vertretbar. Unterlegen Sie den Stein mit dünnem Karton oder Kunststofffolie. Alle Löt-, Beiz- und Schwärzungsarbeiten müssen vor dem Fassen abgeschlossen sein, denn Serpentin verliert bei Erwärmung Hydroxidwasser und wird trüb, und Säuren greifen sowohl das Mineral als auch eventuelle Karbonatbeimengungen an. Ist das Stück gewachst oder harzimprägniert, schmilzt die Schicht bereits bei moderater Wärme. Metallisch harmoniert Silber gut mit den kühleren Grüntönen, Gelbgold betont warme, olivstichige Farben. Wegen des geringen Materialwerts ist eine Silberfassung in der Regel die wirtschaftlich sinnvolle Wahl. Bei Schnitzarbeiten empfiehlt sich statt einer Fassung eine gefasste Öse oder eine Bohrung mit weichem Band, um punktuellen Druck ganz zu vermeiden.
Kulturgeschichte und Verwendung als Skulpturmaterial
Serpentin hat eine lange Geschichte als Werk- und Kunststein. Die Römer verbauten grünen Serpentinit als Verde antico, in Sachsen wird in Zöblitz seit dem 16. Jahrhundert Serpentin gedrechselt, und die Maori Neuseelands fertigten aus Bowenit Werkzeuge, Waffen und Anhänger. In China ist Serpentin aus Xiuyan seit Jahrhunderten Material für Gefäße und Figuren. Die bekannteste zeitgenössische Tradition ist die Shona-Skulptur Simbabwes, die seit der Mitte des 20. Jahrhunderts international Beachtung findet und fast ausschließlich mit einheimischem Serpentinit arbeitet, häufig ohne Maschinen. Überlieferte Zuschreibungen an den Stein sind in vielen dieser Kulturen dokumentiert; sie gehören zur Kulturgeschichte und sind keine Wirkungsaussage. Für Sie als Käufer ist die praktische Folge, dass Sie Serpentin in einer Bandbreite von der Perlenkette bis zur lebensgroßen Skulptur finden.
