Typlokalitäten und klassische europäische Vorkommen
Antigorit ist nach dem Geisspfad-Serpentinit im Valle Antigorio benannt, der im Grenzgebiet zwischen Italien und der Schweiz liegt. Lizardit stammt namentlich von der Halbinsel The Lizard in Cornwall, wo eines der bekanntesten Serpentinitmassive Europas ansteht und seit dem 19. Jahrhundert Dekorobjekte gefertigt werden. Weitere klassische europäische Vorkommen liegen in Piemont und der Toskana, im Zillertal und in der Steiermark, in Norwegen und Schweden sowie in Griechenland und auf Zypern, wo der Troodos-Ophiolith ein Lehrbuchbeispiel für aufgeschobene Ozeankruste ist. In Deutschland sind Serpentinite aus dem Fichtelgebirge, der Oberpfalz und dem Erzgebirge bekannt, etwa von Zöblitz, wo seit dem 16. Jahrhundert Serpentin gedrechselt und geschnitzt wird. Der irische Connemara-Marmor aus Galway ist ein grün-weiß gebändertes Serpentin-Karbonat-Gestein und ein nationales Wahrzeichen. Schmuckqualität in Bowenit-Güte liefert allerdings keines dieser europäischen Vorkommen in nennenswerter Menge.
| Fundort | Land | Besonderheit |
|---|---|---|
| Geisspfad-Serpentinit, Valle Antigorio | Italien / Schweiz | Typlokalität des Antigorits, Namensgeber der wichtigsten Serpentinart |
| The Lizard, Cornwall | England | Namensgeber des Lizardits, klassisches Serpentinitmassiv mit langer Handwerkstradition |
| Xiuyan, Provinz Liaoning | China | größte Quelle für Schmuckserpentin, Handelsname „Neue Jade“ beziehungsweise Xiuyan-Jade |
| Südinsel, Region Milford Sound | Neuseeland | Bowenit, bei den Maori tangiwai genannt, kulturell bedeutend für Ngai Tahu |
| Smithfield, Rhode Island | USA | Typmaterial des Bowenits, 1822 von George T. Bowen analysiert, heute Staatsmineral |
| Lancaster County, Pennsylvania und Cecil County, Maryland | USA | historische Chromitgruben, Fundstellen des apfelgrünen Williamsits |
| Connemara, Galway | Irland | grün-weiß gebänderter Serpentin-Karbonat-Marmor, Brechungsindex im Mittel 1,56 |
| Steinbrüche in Masvingo und Umgebung | Simbabwe | Skulpturserpentin der Shona-Bildhauerei, Handelsnamen wie Springstone und Opal Stone |
Die wichtigsten Liefergebiete für Schmuck und Schnitzerei
Für den heutigen Schmuckmarkt sind vier Regionen maßgeblich. China liefert aus Xiuyan in der Provinz Liaoning riesige Mengen grünen Serpentins, der als „Neue Jade“, Xiuyan-Jade oder Suzhou-Jade in den Handel kommt und den Großteil der weltweit verkauften Perlen und kleinen Schnitzereien stellt. Neuseeland liefert von der Südinsel Bowenit, der bei den Maori tangiwai heißt und traditionell zu Werkzeugen, Waffen und Anhängern wie dem Hei-Tiki verarbeitet wurde; er hat für den Stamm Ngai Tahu besondere Bedeutung. Afghanistan ist eine alte Quelle für hellgrünen Bowenit, der im persischen Sprachraum als sang-i-yashm geführt wurde. Aus den USA stammen Bowenit aus Rhode Island und Williamsit aus Pennsylvania und Maryland. 1989 wurde außerdem ein bedeutendes Bowenit-Vorkommen in Südafrika entdeckt. Weitere Quellen mit geringerer Marktbedeutung sind Korea, Pakistan, Indonesien, Griechenland, Italien, Österreich und Frankreich.
Simbabwe und der Markt für Skulpturmaterial
Mengenmäßig größer als der Schmuckmarkt ist der Handel mit Serpentin als Bildhauermaterial. Simbabwe hat seit der Mitte des 20. Jahrhunderts mit der Shona-Skulptur eine international beachtete Bildhauertradition hervorgebracht, die fast ausschließlich auf einheimischem Serpentinit beruht. Die Steinbrüche liefern eine ganze Palette von Varietäten mit eigenen Handelsnamen: Opal Stone ist hellgrün und sehr weich, Springstone dunkel und etwas härter, Leopard Rock stark gemustert, Cobalt Stone geschichtet, dazu kommen Fruit Serpentine und das harte Verdite. Die Mohs-Härte reicht je nach Typ von etwa 1,5 bis 3,5. Im europäischen Fachhandel kostet dieses Material grob 3 bis 3,50 Euro pro Kilogramm; einzelne Blöcke werden von wenigen Euro für Probestücke bis zu mehreren hundert Euro für große Blöcke von über zweihundert Kilogramm angeboten. Der Handel arbeitet dort häufig mit Direktbezug und fairen Abnahmevereinbarungen mit den örtlichen Gemeinden.
