Eisen und Nickel als Farbträger
Die grüne Farbe des Serpentins stammt in erster Linie von zweiwertigem Eisen, das in der Oktaederschicht anstelle von Magnesium sitzt. Je höher der Eisengehalt, desto dunkler und olivstichiger das Grün; eisenarme Partien sind hell, gelblich oder nahezu weiß. Nickel, das in ultramafischen Gesteinen regelmäßig vorkommt, verschiebt den Ton ins Gelbgrüne bis Apfelgrüne und ist für die frischesten Farben verantwortlich. Chrom kann punktuell stärkere Grüntöne erzeugen. Braune und rötliche Zonen entstehen durch Verwitterung, bei der Eisen zu Limonit oxidiert. Weiß und Grau treten dort auf, wo Karbonate oder Talk beigemengt sind. Die typische fleckige, netz- und maschenartige Zeichnung vieler Serpentinite ist keine Farbursache im engeren Sinn, sondern das Abbild der Umwandlungsfronten, entlang derer die Serpentinisierung fortgeschritten ist. Für die Bewertung heißt das: Ein sehr gleichmäßiges, leuchtendes Grün ist bei Serpentin untypisch und meist ein Hinweis auf eine Färbung.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Bowenit | hell- bis dunkelgrün, apfel- bis olivgrün | dichteste und härteste Form des Antigorits, Härte 5 bis 6, wichtigste Schmuckvarietät, Staatsmineral von Rhode Island |
| Williamsit | apfelgrün, deutlich durchscheinend | Antigorit mit schwarzen Chromit- und Magnetiteinschlüssen, Härte etwa 4,5, gelegentlich facettiert |
| Retinalith | wachsig gelb bis gelbgrün | harzartiger Glanz, überwiegend Sammlermaterial |
| Ricolith | hell gebändertes Grün | feinkörnig, gebändert, aus New Mexico, Schnitz- und Dekomaterial |
| Verde antico | dunkelgrün mit weißer Aderung | Serpentinitbrekzie, seit der Antike als Dekorstein verwendet |
| Connemara-Marmor | grün mit weißen und gelben Bändern | Serpentin-Karbonat-Gestein aus Irland, Schmuck und Dekor |
| „Neue Jade“ / Xiuyan-Jade | gelbgrün bis grün, durchscheinend | Serpentin aus Xiuyan, Liaoning; irreführender Handelsname für Jade |
| Gefärbter Serpentin | leuchtend smaragdgrün, auch blau oder violett | mit Anilinfarbstoffen behandelt, häufig als Jade oder Sugilith verkauft |
Varietäten von Bowenit bis Verde antico
Die wichtigste Schmuckvarietät ist Bowenit, ein besonders dichter und harter Antigorit in Hell- bis Dunkelgrün, oft apfel- oder olivgrün und gut durchscheinend. Williamsit ist transluzenter, apfelgrün und enthält schwarze Chromit- und Magnetitkörner. Retinalith ist eine wachsig gelbe bis gelbgrüne Form, Ricolith ein feinkörniges, hell gebändertes Material aus New Mexico. Verde antico oder Verde antique bezeichnet einen grünen Serpentinitbrekzienstein, der schon in der Antike als Dekorstein verwendet wurde. Der irische Connemara-Marmor ist ein grün-weiß geadertes Gestein aus Serpentin und Karbonat. In Simbabwe tragen die Bildhauervarietäten eigene Handelsnamen wie Opal Stone, Springstone, Leopard Rock, Cobalt Stone und Verdite. Alle diese Namen bezeichnen Gesteins- oder Texturtypen, keine eigenen Minerale. Für die Kaufentscheidung ist deshalb weniger der Handelsname wichtig als die Frage, ob das konkrete Stück dicht, gleichmäßig und ausreichend hart ist. Lassen Sie sich Härte und Dichte nennen, oder messen Sie selbst nach.
Färbungen und wie Sie sie erkennen
Serpentin wird häufig behandelt. Verbreitet sind Wachsen und Imprägnieren mit Kunstharz, um die weiche, oft poröse Oberfläche zu festigen und den Glanz zu erhöhen. Problematischer sind Färbungen: Mit Anilinfarbstoffen wird Serpentin auf die kräftig smaragdgrüne Farbe hochwertiger Jadeit-Qualitäten getrimmt und dann als Jade oder Serpentin-Jade verkauft. Diese Färbungen erkennen Sie unter zehnfacher Vergrößerung an Farbanreicherungen in Rissen, Poren und entlang der Maschenstruktur sowie an Bohrlöchern von Perlen, in denen der Farbstoff sichtbar konzentriert ist. Ein Wattestäbchen mit Aceton an verdeckter Stelle löst viele Anilinfarbstoffe an. Gewachste Stücke verraten sich durch einen leicht klebrigen Film und dadurch, dass sie unter warmem Wasser matter werden. Verlangen Sie bei farblich auffälliger Ware grundsätzlich eine Auskunft zur Behandlung. Bei Perlensträngen lohnt sich ein Blick auf mehrere Perlen: Färbungen fallen im Vergleich mehrerer Stücke oft durch unnatürliche Gleichmäßigkeit auf.
