Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Serpentin Lexikon · Schliff & Bearbeitung

Serpentin – Schliff & Bearbeitung

Serpentin

Cabochon, Perle, Schnitzerei, selten Facette

Serpentin wird überwiegend zu Cabochons, Perlen, Donuts, Kugeln und Schnitzarbeiten verarbeitet. Facettenschliffe sind die Ausnahme und beschränken sich auf besonders durchscheinenden Williamsit und gelegentlich auf Antigorit aus Indonesien und Pakistan; bei den üblichen Härten von 2,5 bis 4 halten Facettenkanten im Tragen nicht stand. Bowenit ist mit 5 bis 6 die einzige Varietät, bei der ein Facettenschliff handwerklich sinnvoll wäre, doch auch hier zieht der Handel den Cabochon vor, weil das Material meist nur durchscheinend ist. Die eigentliche Stärke des Serpentins liegt in der Schnitzbarkeit: Er ist gleichmäßig, zäh genug für feine Details und weich genug, um mit einfachen Werkzeugen bearbeitet zu werden. Aus dieser Kombination hat sich in China, in Neuseeland, im sächsischen Zöblitz und in Simbabwe jeweils eine eigene Handwerkstradition entwickelt.

Nass arbeiten ist Pflicht, nicht Empfehlung

Die wichtigste Regel beim Bearbeiten von Serpentin lautet: niemals trocken. Serpentinit kann Chrysotil als feine Adern enthalten, und Chrysotil ist asbestiform. Beim trockenen Sägen, Schleifen, Bohren oder Schnitzen werden diese Fasern freigesetzt und sind lungengängig. Arbeiten Sie deshalb durchgehend mit Wasser, verwenden Sie eine Absaugung und lassen Sie Schleifschlamm nicht eintrocknen, sondern entsorgen Sie ihn feucht. Eine Halbmaske mit Partikelfilter der Klasse P3 ist bei Bildhauerarbeiten sinnvoll, bei denen sich Nassarbeit nicht immer durchhalten lässt. In Deutschland ist die Verwendung von Asbest seit 1993 verboten und die Technische Regel für Gefahrstoffe TRGS 517 regelt den Umgang mit potenziell asbesthaltigen mineralischen Rohstoffen. Für das fertige, polierte Stück besteht dagegen keinerlei Gefährdung, weil die Fasern fest gebunden sind. Auch beim Bohren von Perlen gilt dieselbe Regel; Handbohrmaschinen ohne Wasserzufuhr sind hier das größte Risiko.

Spaltbarkeit, Weichheit und die Politur

Die vollkommene Spaltbarkeit nach der Basisfläche ist bei dichtem, verzahntem Antigorit praktisch bedeutungslos, weil die Blättchen regellos orientiert sind. Kritisch ist stattdessen die Weichheit. Grobe Körnungen tragen zu schnell ab und hinterlassen tiefe Riefen, die sich in den feinen Stufen nur mühsam entfernen lassen. Beginnen Sie deshalb bei 220 oder 400 und arbeiten Sie über 600 und 1200 auf 3000. Zur Politur eignen sich Zinnoxid, Ceroxid oder Chromoxid auf Leder oder Filz bei niedriger Drehzahl. Reibungswärme ist zu vermeiden, weil Serpentin Hydroxidgruppen enthält und bei Erwärmung stumpf wird. Weil viele Stücke porös sind, wird häufig gewachst; das erhöht den Glanz, ist aber offenlegungspflichtig. Ungleichmäßig harte Zonen mit Karbonat oder Talk führen zu welligen Flächen und lassen sich nur durch geduldiges Zwischenschleifen ausgleichen.

Häufige Fragen

Brauche ich beim Schleifen von Serpentin eine Atemschutzmaske?
Bei konsequenter Nassarbeit mit Absaugung ist die Staubbelastung gering. Bei Bildhauerarbeiten, bei denen sich trockene Arbeitsgänge nicht vermeiden lassen, empfehlen wir eine Halbmaske mit Partikelfilter der Klasse P3. Entsorgen Sie Schleifschlamm grundsätzlich feucht.
Welche Politurmittel eignen sich?
Zinnoxid, Ceroxid und Chromoxid auf Leder oder Filz bei niedriger Drehzahl. Verwenden Sie eine harte Unterlage, weil ein weiches Tuch die unterschiedlich harten Zonen ungleich abträgt und eine wellige Fläche erzeugt. Vermeiden Sie Reibungswärme, da Serpentin sonst matt wird.
Warum wird Serpentin gewachst?
Viele Stücke sind porös und nehmen die Politur nicht gleichmäßig an. Wachs oder eine dünne Kunstharzschicht schließen die Oberfläche und erhöhen den Glanz. Das ist handwerklich verbreitet und zulässig, muss beim Verkauf aber angegeben werden, weil sich die Oberfläche später anders verhält.