Cabochon, Perle, Schnitzerei, selten Facette
Serpentin wird überwiegend zu Cabochons, Perlen, Donuts, Kugeln und Schnitzarbeiten verarbeitet. Facettenschliffe sind die Ausnahme und beschränken sich auf besonders durchscheinenden Williamsit und gelegentlich auf Antigorit aus Indonesien und Pakistan; bei den üblichen Härten von 2,5 bis 4 halten Facettenkanten im Tragen nicht stand. Bowenit ist mit 5 bis 6 die einzige Varietät, bei der ein Facettenschliff handwerklich sinnvoll wäre, doch auch hier zieht der Handel den Cabochon vor, weil das Material meist nur durchscheinend ist. Die eigentliche Stärke des Serpentins liegt in der Schnitzbarkeit: Er ist gleichmäßig, zäh genug für feine Details und weich genug, um mit einfachen Werkzeugen bearbeitet zu werden. Aus dieser Kombination hat sich in China, in Neuseeland, im sächsischen Zöblitz und in Simbabwe jeweils eine eigene Handwerkstradition entwickelt.
Nass arbeiten ist Pflicht, nicht Empfehlung
Die wichtigste Regel beim Bearbeiten von Serpentin lautet: niemals trocken. Serpentinit kann Chrysotil als feine Adern enthalten, und Chrysotil ist asbestiform. Beim trockenen Sägen, Schleifen, Bohren oder Schnitzen werden diese Fasern freigesetzt und sind lungengängig. Arbeiten Sie deshalb durchgehend mit Wasser, verwenden Sie eine Absaugung und lassen Sie Schleifschlamm nicht eintrocknen, sondern entsorgen Sie ihn feucht. Eine Halbmaske mit Partikelfilter der Klasse P3 ist bei Bildhauerarbeiten sinnvoll, bei denen sich Nassarbeit nicht immer durchhalten lässt. In Deutschland ist die Verwendung von Asbest seit 1993 verboten und die Technische Regel für Gefahrstoffe TRGS 517 regelt den Umgang mit potenziell asbesthaltigen mineralischen Rohstoffen. Für das fertige, polierte Stück besteht dagegen keinerlei Gefährdung, weil die Fasern fest gebunden sind. Auch beim Bohren von Perlen gilt dieselbe Regel; Handbohrmaschinen ohne Wasserzufuhr sind hier das größte Risiko.
Spaltbarkeit, Weichheit und die Politur
Die vollkommene Spaltbarkeit nach der Basisfläche ist bei dichtem, verzahntem Antigorit praktisch bedeutungslos, weil die Blättchen regellos orientiert sind. Kritisch ist stattdessen die Weichheit. Grobe Körnungen tragen zu schnell ab und hinterlassen tiefe Riefen, die sich in den feinen Stufen nur mühsam entfernen lassen. Beginnen Sie deshalb bei 220 oder 400 und arbeiten Sie über 600 und 1200 auf 3000. Zur Politur eignen sich Zinnoxid, Ceroxid oder Chromoxid auf Leder oder Filz bei niedriger Drehzahl. Reibungswärme ist zu vermeiden, weil Serpentin Hydroxidgruppen enthält und bei Erwärmung stumpf wird. Weil viele Stücke porös sind, wird häufig gewachst; das erhöht den Glanz, ist aber offenlegungspflichtig. Ungleichmäßig harte Zonen mit Karbonat oder Talk führen zu welligen Flächen und lassen sich nur durch geduldiges Zwischenschleifen ausgleichen.
