Gemmologisches Nachschlagewerk

Das Edelstein-Lexikon

Von Achat bis Zirkonia – 174 Edelsteine mit Bildern, gemmologischen Daten und ausführlichen Hintergrundartikeln.

Magnesit Lexikon · Qualität & Preis

Magnesit – Qualität & Preis

Magnesit

Was bei einem weißen Stein den Preis bestimmt

Bei Magnesit entfallen die üblichen Bewertungskriterien fast vollständig: keine Farbintensität, keine Reinheit im Sinne von Einschlüssen, kein Schliffwinkel. Bewertet werden vier andere Punkte. Erstens die Zeichnung: Ein gleichmäßiges Netz feiner brauner Adern gilt als attraktiver als wenige breite Bänder, die den Stein optisch zerschneiden. Zweitens die Grundfarbe: sauberes, helles Weiß bringt mehr als ein fleckiges Grauweiß. Drittens die Dichtigkeit des Materials: feinkörnige, porenarme Partien nehmen eine glänzende Politur an, stark poröse bleiben stumpf und wirken billig. Viertens die Größe und Rissfreiheit der Knolle, denn die vollkommene Spaltbarkeit und die geringe Härte begrenzen die Ausbeute. Bei gefärbter Ware kommen die Sauberkeit der Behandlung hinzu, also gleichmäßige Durchfärbung, kein Abfärben auf die Haut und keine Farbpfützen an Bohrlöchern. Im Ergebnis zählt die Verarbeitung mehr als der Rohstoff.

Qualitätsstufe Merkmale Preisspanne
Gefärbte Trommelsteine, Massenware8 bis 12 mm, China, blau bis türkis gefärbt, Farbe teils ungleichmäßigrund 2,99 Euro je 100 g, entspricht etwa 170 bis 180 Steinen
Naturweiße Trommelsteine20 bis 30 mm, weiß mit braunem Adernetz, dichte Partien polierfähigetwa 1 bis 4 Euro je Stück im Einzelhandel
Perlenstränge und Kugelketten4 bis 10 mm, gefärbt oder naturweiß, Strang 40 bis 80 cmmeist unter 10 Euro je Strang
Cabochons, Handelsqualitätoval oder rund, 20 bis 40 Karat, gleichmäßige Zeichnungmeist unter 10 Euro je Stück; Rohmaterial deutlich unter 1 Euro je Karat
Pinolith (Eisblumenmagnesit)weiße Magnesitkörner in schwarzer Matrix, Herkunft SunkHandelsschätzung etwa 5 bis 25 Euro je Trommelstein oder Cabochon
Brumado-Stufe, klein2 bis 3 cm, Magnesitrhomboeder mit Uvitrund 110 bis 180 Euro
Brumado-Stufe, mittel bis groß6 bis 15 cm, scharfe Kristalle, gute Ästhetikrund 450 bis 1.700 Euro
Brumado-SpitzenstufeKombination mit Hämatit, Rutil oder Florencit-(Ce), Museumsqualitätrund 3.000 bis über 5.000 Euro

Preisspannen von wenigen Cent bis in den vierstelligen Bereich

Magnesit ist eines der günstigsten Materialien im Schmucksteinhandel. Blau gefärbte Trommelsteine von 8 bis 12 Millimetern kosten im deutschen Einzelhandel etwa 2,99 Euro je 100 Gramm; da 100 Gramm rund 170 bis 180 Steinen entsprechen, liegt der Stückpreis bei wenigen Cent. Einzeln verkaufte Trommelsteine von 2 bis 3 Zentimetern bewegen sich nach Handelsangaben zwischen einem und vier Euro. Cabochons und Perlenstränge bleiben international meist unter zehn Euro, naturweißes Rohmaterial wird mit deutlich unter einem Euro je Karat gehandelt. Pinolith-Trommelsteine und kleine Cabochons liegen wegen der begrenzten Verfügbarkeit höher, nach Handelsschätzung bei etwa 5 bis 25 Euro. Völlig anders sieht der Sammlermarkt aus: Kleine Brumado-Stufen mit Uvit beginnen bei rund 110 Euro, mittlere ästhetische Stücke kosten 450 bis 1.700 Euro, und Spitzenstufen mit Hämatit, Rutil oder Florencit erreichen 3.000 bis über 5.000 Euro.

Falsche Etiketten: Türkis, Howlith, White Buffalo

Die eigentliche Qualitätsfrage bei Magnesit ist eine Frage der Deklaration, und hier gibt es drei typische Fälle. Erstens wird gefärbter Magnesit als Türkis verkauft. Dagegen helfen der Acetontest an verdeckter Stelle, der Blick ins Bohrloch, wo der Kern heller bleibt, und der Härtevergleich: Türkis liegt bei 5 bis 6, Magnesit bei 3,5 bis 4,5. Zweitens wird Magnesit als Howlith etikettiert, was im Trommelsteinhandel so verbreitet ist, dass nach Einschätzung von Fachhändlern ein Großteil der als Howlith angebotenen Ware in Wahrheit Magnesit ist. Prüfen Sie Dichte, Adernfarbe und Säurereaktion. Drittens laufen beide Materialien als „Weißtürkis“ oder „White Buffalo“, Namen, die ursprünglich anderes Material bezeichnen. Verlangen Sie in allen Fällen die mineralogische Bezeichnung samt Behandlungsangabe. Der Preisunterschied ist gering, der Unterschied in der Pflege und in der Haltbarkeit dagegen erheblich.

Häufige Fragen

Lohnt sich Magnesit als Wertanlage?
Als Schmuckstein nicht. Das Material ist weltweit im Überfluss vorhanden, wird industriell in Millionen Tonnen gefördert und kostet als Trommelstein Centbeträge. Eine Wertsteigerung ist nicht zu erwarten. Anders liegt der Fall bei gut kristallisierten Stufen aus Brumado: Dort ist das Angebot begrenzt, ästhetische Kombinationen mit Uvit oder Hämatit sind gesucht, und für solche Stücke werden international regelmäßig dreistellige bis vierstellige Eurobeträge gezahlt.
Wie erkenne ich gut verarbeiteten gefärbten Magnesit?
An vier Merkmalen: Die Farbe sitzt gleichmäßig und nicht nur oberflächlich, Bohrlöcher zeigen keine dunklen Farbränder, ein feuchtes weißes Tuch nimmt keine Farbe an, und die Oberfläche hat einen geschlossenen Glanz statt stumpfer, kreidiger Zonen. Zusätzlich sollte der Händler die Behandlung offen angeben. Stabilisierte Ware hält den Alltag deutlich besser aus als nur gefärbte, weil das Harz die Poren schließt.
Warum ist Pinolith teurer als gewöhnlicher Magnesit?
Weil das Angebot geschlossen ist. Die einzige nennenswerte Fundstelle, Sunk bei Hohentauern in der Steiermark, wird seit 1963 nicht mehr abgebaut. Was gehandelt wird, stammt aus Halden und alten Beständen. Dazu kommt, dass das Muster aus hellen Magnesitkörnern in schwarzer Graphit-Dolomit-Matrix unverwechselbar ist und sich gut polieren lässt. Beides zusammen hebt den Preis über den der Massenware, hält ihn aber immer noch im zweistelligen Bereich.