Brumado in Bahia: die Quelle für klare Kristalle
Wenn von Magnesit als Sammlermineral die Rede ist, ist fast immer Brumado gemeint. In der Serra das Éguas im brasilianischen Bundesstaat Bahia liegt eine metamorphe Magnesitlagerstätte, die seit Jahrzehnten scharfe, oft durchsichtige Rhomboeder liefert; die Pedra-Preta-Grube ist die bekannteste Fundstelle. Untersuchungen an Flüssigkeitseinschlüssen zeigen, dass die Kristalle aus hochsalinaren, kohlendioxidreichen Lösungen gewachsen sind. Begleitminerale sind Uvit und Dravit, also Turmaline, dazu Hämatit, Rutil, Quarz, Talk sowie die Seltenerdphosphate Florencit-(Ce) und Svanbergit. Gerade diese Kombinationen machen den Reiz der Stufen aus: weiße Magnesitrhomboeder mit grünen oder roten Turmalinkristallen. Brumado ist zugleich die einzige Quelle für facettierfähiges Material. Daneben wird dort im großen Stil Industriemagnesit abgebaut; Brasilien gehört zu den führenden Förderländern und steht nach der österreichischen Branchendarstellung hinter China auf einem der vorderen Plätze.
| Fundort | Land | Besonderheit |
|---|---|---|
| Brumado, Serra das Éguas (Bahia) | Brasilien | metamorphe Lagerstätte; durchsichtige Rhomboeder bis Dezimetergröße, einzige Quelle facettierfähigen Materials |
| Veitsch, Steiermark | Österreich | 1881 durch Friedrich Albert Carl Spaeter entdeckt; namengebend für den Typ der Spatmagnesit-Lagerstätten |
| Breitenau am Hochlantsch, Steiermark | Österreich | eine der größten Untertage-Magnesitgruben der Welt |
| Sunk bei Hohentauern, Steiermark | Österreich | Pinolith beziehungsweise Eisblumenmagnesit; Abbau 1963 eingestellt |
| Haicheng und Dashiqiao (Liaoning) | China | proterozoische Großlagerstätten; China stellt rund 70 Prozent der Weltproduktion |
| Eskişehir und Kütahya | Türkei | kryptokristalliner Knollenmagnesit aus Serpentinitzersetzung; wichtige Quelle der Schmuckware |
| Kunwarara (Queensland) | Australien | knollige Lagerstätte in Tertiärbecken, 63 Quadratkilometer, rund 75,8 Millionen Tonnen |
| Mount Brussilof (British Columbia) | Kanada | Spatmagnesit; liefert auch gut kristallisierte Sammlerstufen |
Österreich, China, Türkei: die Masse des Materials
Der Weltmarkt für Magnesit ist ein Industriemarkt. China fördert rund 19 Millionen Tonnen jährlich und stellt damit etwa 70 Prozent der Weltproduktion; die riesigen proterozoischen Lagerstätten um Haicheng und Dashiqiao in der Provinz Liaoning sind die wichtigste Quelle. Österreich liegt mit 669.400 Tonnen im Jahr 2023 auf Rang fünf, hat aber historisch die größte Bedeutung: Friedrich Albert Carl Spaeter entdeckte 1881 die Lagerstätte Veitsch in der Steiermark, 1899 entstand daraus die Veitscher Magnesitwerke AG. Veitsch gab dem Typ der grobkristallinen Spatmagnesit-Lagerstätten seinen Namen. Breitenau am Hochlantsch gilt als eine der größten Untertage-Magnesitgruben der Welt, Radenthein in Kärnten war jahrzehntelang Firmensitz. 2024 wurde Magnesit zum österreichischen Mineral des Jahres gewählt. Die Türkei liefert kryptokristallinen Knollenmagnesit aus Serpentinitgebieten um Eskişehir und Kütahya, Australien aus dem Beckenvorkommen Kunwarara in Queensland.
Woher Ihre Trommelsteine tatsächlich kommen
Für den Schmuckmarkt ist die Herkunftsfrage einfacher zu beantworten, als die Etiketten vermuten lassen. Die weiße, braun geaderte Knollenware stammt ganz überwiegend aus Serpentinitgebieten der Türkei und Chinas; deutsche Händler geben bei gefärbten Trommelsteinen regelmäßig China als Ursprung an, einzelne Lieferungen auch Simbabwe. Gefärbt und getrommelt wird meist in China, seltener in Indien. Eine belastbare Statistik über Marktanteile im Schmucksegment gibt es nicht, weil Magnesit in den Rohstoffbilanzen unter Industriemineral läuft; die hier genannte Verteilung beruht auf Herkunftsangaben des Fachhandels. Für Sie als Käufer heißt das: Eine Herkunftsangabe wie Tibet oder Arizona bei blauer Ware ist ein Warnsignal, denn sie soll den Eindruck von Türkis erwecken. Pinolith ist der einzige Magnesit mit belastbarer, eng begrenzter Herkunft, nämlich Sunk bei Hohentauern; dort wird seit 1963 nicht mehr abgebaut, das Material stammt aus alten Halden und Beständen.
