Warum reiner Magnesit farblos ist
Chemisch reiner Magnesit ist farblos. Weder das Magnesiumion noch die Carbonatgruppe besitzen Elektronenübergänge im sichtbaren Bereich, die Licht selektiv verschlucken könnten. Farbe kommt erst durch Fremdionen ins Spiel. Eisen liefert die gelblichen bis braunen Töne der eisenreichen Varietäten, Mangan erzeugt zarte Rosatöne, Cobalt intensivere rosa bis lilarosa Färbungen. Das Weiß der Handelsware ist dagegen keine Farbe im eigentlichen Sinn, sondern Streuung: In kryptokristallinem Material wird Licht an Millionen von Korngrenzen und Poren zurückgeworfen, ähnlich wie bei Schnee oder Milch. Die charakteristischen braunen bis rotbraunen Adern sind kein Bestandteil des Magnesits, sondern Eisenoxide und Eisenhydroxide, die später in Rissen und Klüften abgesetzt wurden. Deshalb ist das Adernetz ein Abbild der Bruchgeschichte des Stücks. Bei poliertem Material ergibt das ein unregelmäßiges, landkartenartiges Muster, das dem Bild einer Türkismatrix ähnelt.
| Varietät | Farbe | Bemerkung |
|---|---|---|
| Gelmagnesit (Knollenmagnesit) | weiß bis cremeweiß mit braunen Adern | kryptokristallin, porös; die Standardware für Trommelsteine und Cabochons |
| Gefärbter Magnesit („Türkenit“) | türkisblau bis blaugrün | Standardbehandlung, seit rund hundert Jahren als Türkis-Imitat im Handel |
| Gefärbter Magnesit, bunt | grün, rot, violett, gelb | Ersatz für Chrysokoll, Koralle, Sugilith und Lapislazuli; deklarationspflichtig |
| Breunnerit | gelblich bis braun | 10 bis 30 Molprozent Eisen, Übergang zur Siderit-Reihe; höhere Dichte |
| Mesitin, Pistomesit | mittel- bis dunkelbraun | eisenreicher als Breunnerit, Dichte bis 3,2 g/cm³; kaum im Schmuckhandel |
| Pinolith (Eisblumenmagnesit) | weiße Flecken in dunkelgrauer bis schwarzer Matrix | Gestein aus Magnesit, Dolomit und Graphit; Sunk bei Hohentauern, Abbau 1963 beendet |
| Manganhaltiger und cobalthaltiger Magnesit | blassrosa bis lilarosa | Farbe durch Mangan beziehungsweise Cobalt; selten und meist Sammlerware |
| Kristallmagnesit aus Brumado | farblos, weiß, schwach gelblich | durchsichtig bis durchscheinend, einzige Quelle facettierfähigen Materials |
Die Färbung ist die Regel, nicht die Ausnahme
Magnesit ist porös und saugt Farbstofflösungen bereitwillig auf. Genau das hat seine Karriere als Imitat begründet: Seit rund hundert Jahren wird er blau gefärbt und als Türkisersatz verkauft, sowohl offen deklariert als auch unter falschem Namen. Die Adern nehmen den Farbstoff stärker auf als die Grundmasse, wodurch ein Bild entsteht, das echter Türkismatrix nahekommt. Neben Blau sind Grün, Rot, Violett und Gelb üblich, verkauft als Ersatz für Chrysokoll, Koralle, Sugilith oder Lapislazuli. Häufig folgt eine Stabilisierung mit Kunstharz oder Wachs, die die Politur verbessert und das Ausbluten bremst. Sie erkennen gefärbte Ware daran, dass die Farbe in Rissen und Adern konzentriert sitzt, dass Bohrlöcher innen heller oder weiß bleiben und dass ein Wattestäbchen mit Aceton an verdeckter Stelle Farbe annimmt. Verlangen Sie die Angabe „gefärbter Magnesit“; alles andere ist irreführend.
Varietäten und Handelsnamen, die Sie einordnen sollten
Die mineralogischen Varietäten folgen dem Eisengehalt. Breunnerit enthält 10 bis 30 Molprozent Eisen und ist gelblich bis braun, Mesitin und Pistomesit liegen darüber und sind kräftiger braun. Gelmagnesit bezeichnet das dichte, kryptokristalline Material aus Serpentinitzersetzung, also genau die Knollenware des Schmuckhandels. Pinolith oder Eisblumenmagnesit ist ein Gestein aus Magnesit, Dolomit und Graphit von der obersteirischen Fundstelle Sunk. Im Handel treffen Sie zusätzlich auf Fantasienamen. Gefärbter Magnesit läuft als „Türkenit“, „Turquenite“ oder schlicht als Türkis; weiße Ware mit dunklen Adern wird gelegentlich als „Weißtürkis“ oder „White Buffalo“ angeboten, obwohl diese Bezeichnungen ursprünglich anderes Material meinen. Auch die Etikettierung als Howlith ist verbreitet. Fragen Sie in allen diesen Fällen nach der mineralogischen Bezeichnung und nach der Behandlung; bei diesem Preisniveau ist das keine übertriebene Forderung.
